Oschersleben l Was sagen Ihnen die Namen Julius Grosse, Karl Schwanecke, Wilhelm Honemann, Bill Drews und Hannes Behrens aus der Oschersleber Geschichte? Den meisten Menschen, erst recht in unserer Zeit, sagen diese Namen nichts. Aber allen Herren wurde zwischen 1912 und 1925 die Ehrenbürgerwürde verliehen. „Heute wird nach beinahe 100 Jahren Pause die 6. Ehrenbürgerwürde und damit die höchste Auszeichnung, die unsere Stadt zu vergeben hat, verleihen“ mit diesen Worten begann Bürgermeister Benjamin Kanngießer seine Laudatio auf Dr. Günther Blume, dem diese besondere Ehre im festlichen Rahmen der Oschersleber Burg zuteil wurde.

Geschichte erforscht

Eine unter drei Herren geführte strittige Debatte, in deren Folge die Frage, wo sich die Hauptzufahrt der Ago-Flugzeugwerke befand, nicht beantwortet werden konnte, sollte im Jahr 2003 der Einstieg Günther Blumes in die Erforschung der Oschersleber Geschichte sein. Bis zum heutigen Tage hat sich der Architekt, das Verlangen, mehr über die Geschichte seiner Heimatstadt zu erfahren, bewahrt. Vor allem aber sind alle seine Erkenntnisse, wissenschaftlich belegt und fundiert..

Die Herren Steyer, Kremmling, Ammann, Kellner und Heyer hatten sich bereits als Chronisten versucht, nach einander und von einander abgeschrieben, Ereignisse aus der Oschersleber Geschichte festgehalten, ohne auch nur eine Quelle anzugeben. Für Günther Blume undenkbar. In den vergangenen 16 Jahren hat Dr. Günther Blume mit den drei Bänden zur Stadtgeschichte von Oschersleben einen unschätzbaren Wert an Informationen „ausgegraben“, jede Zahl, jedes Ereignis sind mit Quellen belegt.

Oschersleben war unsere Heimat

Die Geschichte der Juden, die einst in Oschersleben lebten, fand Günther Blume besonders interessant. Er durchforschte die Archive in Helmstedt, Halberstadt, Wolfenbüttel, Braunschweig und Kroppenstedt, fuhr bis nach Berlin. „Oschersleben war unsere Heimat“  –  dieses Buch erschien 2011. Ein Berliner, der nach seiner Familie suchte, sagte zu dem Buch, dass er noch nie auf eine derartige Vollständigkeit gestoßen sei.

Stadtchronist ruht sich nicht aus

Aber der Oschersleber Stadtchronist wollte sich auf keinen Fall auf diesen Lorbeeren ausruhen, lagen doch noch immer für große Teile der Oschersleber Stadtgeschichte keine grundlegenden Quellen vor. Diesen Umstand hat Günther Blume geändert. Die 2013, 2016 und 2019 erschienenen drei Bände der Oschersleber Stadtgeschichte können durchaus als wissenschaftliche Arbeit bezeichnet werden. Benjamin Kanngießer ging in seiner Laudatio auch auf Dorothea Blume ein, die über viele Jahre an der Seite ihres Mannes stand, ihm eine wichtige Unterstützung war. Ein Teil der Verdienste kommen auch ihr zu. „Dennoch oder gerade deshalb machte der Günther Blume nach ihrem Tod weiter“ so Benjamin Kanngießer. Den 3. Chronikband hat er seiner verstorbenen Frau gewidmet.

1025 Jahre Oschersleber Stadtgeschichte sind dokumentiert. „Diese erbrachte Leistung erfüllt alle Voraussetzungen für die Ehrenbürgerwürde“, so Kanngießer.

Dank für die Arbeit

„Ich kann es nicht fassen, unglaublich, aber es ist wahr. Ich verstehe die Ehrung als Dank für die Forschungsarbeit. Die aber auch von einer großen uneigennützigen Hilfe getragen war. Dafür sage ich Danke. Ich bin seit 66 Jahren mit dieser Stadt verbunden, für die ich Bleibendes geschaffen habe. Ich habe nicht vor, die Nachforschungen einzustellen, ich forsche weiter, bis an mein Lebensende“, sagte Oscherslebens sechster Ehrenbürger nach seiner Ehrung.