Oschersleben l Bei einem Großbrand in Oschersleben haben mehr als ein Dutzend Menschen ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Nach der dramatischen Brandnacht laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Währenddessen läuft eine Welle der Hilfsbereitschaft an.

Dicke Rauchschwaden ziehen am frühen Morgen des 18. Dezembers 2020 durch die Altstadt von Oschersleben. Auf dem Markplatz fällt das Atmen schwer, von Flotts Höhe ist eine dunkle Rauchwolke über der Stadt zu sehen. Der Rauch zeugt von einem Großbrand, der zu früher Stunde in der Barbierstraße wütet. Kurz vor 1 Uhr entdeckt eine 34-jährige Frau in einem Mehrfamilienhaus das Feuer in ihrer Wohnung. Um 0.56 Uhr wählt sie den Notruf 112. Sie schildert dem diensthabenden Disponenten, dass die Tür zu ihrem Wäscheraum extrem heiß und die Wohnung verqualmt sei. Nachdem sie die Rettungskräfte alarmiert hat, klopft und klingelt sie ihre Nachbarn aus dem Schlaf. Damit rettet sie den Menschen das Leben. Hilflos müssen sie mit ansehen, wie ihr gesamtes Hab und Gut von den Flammen vernichtet wird.

Zehn Meter hohe Flammen

„Als unsere ersten Einsatzkräfte am Brandort eintrafen, loderten die Flammen bereits bis zu zehn Meter in den Nachthimmel“, schildert Einsatzleiter Andreas Ehrhardt von der Freiwilligen Feuerwehr Oschersleben die ersten Eindrücke. „Da bereits alle Personen aus dem Gebäude waren, konnten wir uns vollumfänglich der Brandbekämpfung widmen.“ Ein Trupp, der unter schwerem Atemschutz in das Haus ging, habe bereits nach kurzer Zeit abbrechen müssen. Zu hoch sei das Risiko für die Feuerwehrmänner gewesen. Bedingt durch die Altbauweise habe sich das Feuer rasend schnell ausgebreitet. „Wir haben uns deswegen für eine Brandbekämpfung von außen entschieden“, so Ehrhardt. Die wichtigste Aufgabe sei dabei gewesen, umliegende Gebäude im historischen Stadtkern zu schützen. „Hätten die Flammen übergegriffen, wäre das für alle der Supergau gewesen.“

Bilder

Die Löscharbeiten für die Feuerwehrmänner und -frauen aus Oschersleben, Hornhausen und Hordorf gestalten sich extrem schwierig. Bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt wird der Einsatz nicht nur zur Materialschlacht, sondern auch zur kräftezehrenden Probe für alle Einsatzkräfte. Vor allem das Aufstellen der Drehleitern, die freiwillige Feuerwehr aus Wanzleben rückte mit einem zweiten Hubrettungsfahrzeug an, erfordere in den engen Altstadtgassen viel Geschick und Können. „Da muss ich wirklich unsere Anwohner loben, dass sie hier so vorbildlich parken und die Vorschriften einhalten“, erzählt Ehrhardt weiter. Ohne deren Weitsicht hätten sich die Löschmaßnahmen extrem verzögert. „So ist zum Glück nur Sachschaden zu beklagen.“ Bei dem dramatischem Wohnhausbrand sei glücklicherweise niemand verletzt worden.

Auch die Polizei spricht vom Glück im Unglück. „Die 13 Hausbewohner konnten sich glücklicherweise alle unversehrt in Sicherheit bringen“, bestätigt Polizeisprecher Matthias Lütkemüller. Der jüngste Hausbewohner sei gerade mal sieben Jahre alt, der Älteste hingegen 73 Jahre. „Bis auf einen Hausbewohner konnten die Betroffenen bei Freunden oder Verwandten unterkommen“, erklärt Lütkemüller weiter. Lediglich für einen 59-jährigen Mann habe eine Notunterkunft in Anspruch genommen werden müssen. Für solche Fälle hat die Stadt Oschersleben entsprechende Verträge mit einer Wohnungsgenossenschaft. Diese stellt im Bedarfsfall Wohnungen zur Verfügung.

Laut Lütkemüller werde aktuell zur Brandursache ermittelt. „Brandursachenermittler werden zur genauen Klärung noch zum Einsatz kommen.“ Jedoch müsse erst noch die Struktur des Gebäudes überprüft werden. Mutmaßlicher Auslöser für den Großbrand könnte nach Polizeiangaben möglicherweise ein technischer Defekt gewesen sein. „Die Wohnungsinhaberin gab an, dass sich in dem Raum unter anderem ein Wäschetrockner befunden hat.“ Laut dem Polizeisprecher beläuft sich der Schaden nach ersten Schätzungen auf rund 450 000 Euro.

Viel größer ist der Schaden für die Hausbewohner. Diese haben den Großteil ihrer persönlichen Gegenstände und Erinnerungen verloren. „Das ist schrecklich, so kurz vor Weihnachten“, sagt eine ältere Dame am Freitagvormittag vor der Brandruine.

Unterdessen werden bereits Spenden für die Betroffenen gesammelt. Im sozialen Netzwerk Facebook wurde vor allem zu Sachspenden aufgerufen. Innerhalb kürzester Zeit erklärten sich viele Oschersleber im Internet bereit, den betroffenen Männer und Frauen sowie Kindern zu helfen.