Oschersleben l Lange Zeit schien es Zufall gewesen zu sein, dass sich Hartmut Thienen auf der Suche nach einem Rentner-Hobby wenige Monate vor seiner Pensionierung für die Köhlerei, also für die traditionelle Herstellung von Holzkohle entschieden hat.

Es war seinerzeit der Harzer Köhlerverein mit Sitz in Hasselfelde, der das Interesse des heute 73-jährigen Benneckensteiners geweckt hatte. Mit dem Ergebnis, dass Thienen ein besonders aktives Vereinsmitglied geworden und inzwischen einer der letzten, wenn nicht sogar der nunmehr allerletzte Wander-Köhler Deutschlands ist.

Einer der letzten Wander-Köhler

Als der er nun derzeit in Oschersleben zugange ist und hier gegenüber der Volksstimme ein bisher gehütetes Geheimnis lüftet. „Ein Verwandter von mir hat erst kürzlich herausgefunden, dass mein Ur-Ur-Großvater ein berufsmäßiger Köhler war“, sagt Hartmut Thienen.

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„Das war eine sehr große und freudige Überraschung für mich. Obwohl ich so etwas immer irgendwie geahnt und deshalb auch gedacht habe, dass meine Entscheidung für dieses Hobby gar kein Zufall gewesen ist.“

Zufall ist auch nicht, dass Thienen dieser Tage hier in Oschersleben Holzkohle herstellt. „Als der Landkreis Börde vor zwei Jahren im Hohen Holz bei Eggenstedt einen Meiler errichten ließ, habe ich dafür nicht nur Holz geliefert, sondern habe auch Herrn Thienen kennengelernt“, sagt Dennis Deicke.

Schon der Großvater war Köhler

So dass der Börde-Holz-Geschäftsführer danach den Kontakt zu Thienen gesucht und schließlich die jetzige Aktion vereinbart hat.

Mit der am Dienstag, 25. April, begonnen worden ist. „Da haben wir angefangen, das Holz aufzustapeln“, wie Hartmut Thienen sagt, der keinen Zweifel aufkommen lässt, dass für die Köhlerei nur Buchenholz in Frage kommt.

Bis zu 1200 Grad im Inneren

„Es ist nicht nur das Aroma, sondern es ist auch die Tatsache, dass mit Buchenholz etwa 1200 Grad erreicht werden, mit denen sogar Metall geschmolzen werden könnte.“

Nicht zuletzt deshalb wird der Meiler in den nächsten Tagen auch nicht aus den Augen gelassen. Sowohl Hartmut Thienen als auch Dennis Deicke werden bis Sonnabend nächster Woche ununterbrochen vor Ort sein.

Und dabei nicht nur aufpassen, dass nichts passiert. „Es gibt auch immer wieder einiges zu tun“, wie Hartmut Thienen sowie Dennis Deicke sagen.

Aktion läuft bis nächste Woche

Beide haben auch nichts dagegen, wenn ihnen dabei über die Schulter geschaut wird. „Ob Schulklassen, andere Gruppen oder auch Einzelpersonen – alle haben die Möglichkeit, uns in den nächsten Tagen zuzusehen“, wie Hartmut Thienen sagt.

Und das bis Ende nächster Woche. Denn Köhler Thienen geht davon aus, dass in fünf, sechs Tagen die Holzkohle fertig ist und nach einer Abkühlphase der Meiler am Sonnabend nächster Woche geöffnet werden kann. „Damit werden wir gegen 8 Uhr anfangen und bis Mittag brauchen. So dass noch am Sonnabendnachmittag mit dem Verkauf begonnen wird“, kündigen Hartmut Thienen und Dennis Deicke an.

Anmeldungen sind nicht erforderlich, da der Meiler ja ununterbrochen bewacht wird. An dem zudem auch Informationstafeln aufgestellt sind, die die Besucher über das Köhlerhandwerk im Allgemeinen und über den Harzer Köhlerverein im Besonderen informieren.