Klein Oschersleben l Das neue Schuljahr hat für 170 Förderschüler der Börde-Schule Klein Oschersleben mit einer großen Überraschung und hohem Besuch begonnen. Schulleiterin Silke Heick konnte Lehrern und Schülern mitteilen: „Drei Jahre digitales Lernen haben ein tolles Ergebnis hervorgebracht. Wir haben uns beworben und den Zuschlag bekommen: Wir sind Lindius-Netzwerkschule.“

Hoher Besuch in der Schule

An diesem ersten Schultag, der auch an der Förderschule Klein Oschersleben mit besonderen Vorkehrungen wegen der Corona-Pandemie begann, begrüßten Schüler und Lehrer Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner, Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch, Landrat Martin Stichnoth, Dirk Michelmann, Fachbereichsleiter in der Landkreisverwaltung, sowie den CDU-Bundestagsabgeordneten Manfred Behrens.

Gabriele Brakebusch und Landrat Martin Stichnoth haben die Schirmherrschaft über die Lindius-Netzwerkschule übernommen, werden die Klein Oschersleber Schüler und Lehrer auf ihrem weiteren Weg des digitalen Lernens begleiten. Die Landtagspräsidentin war nicht mit leeren Händen gekommen, brachte einen Scheck in Höhe von 600 Euro mit, der für das digitale Lernen eingesetzt werden kann.

Ort für Fortbildungen

Insgesamt 17 Schulen Sachsen-Anhalts sind als Netzwerkschulen in das neue Schuljahr gestartet. Sie dienen als regionale Zentren der Lehrer-Fortbildung zur Weiterentwicklung der digitalen Bildung mit neuen Unterrichtskonzepten.

„Als Lindius-Netzwerkschule seid ihr Vorbild für andere“, erklärt Bildungsminister Tullner, der sich bei einem Rundgang durch die Schule davon überzeugen konnte, dass die Mädchen und Jungen beim digitalen Lernen anderen Schülern tatsächlich um Längen voraus sind. Und dieses besondere Lernen beginnt an der Förderschule bereits bei den Jüngsten. Die Mädchen und Jungen der 2. Klasse sind bereits fit, was das Programmieren der ersten Stufe angeht. Den Roboter Thymio lassen sie auf Wegen kreisen, lassen ihn zeichnen. „Es ist wichtig, dass wir früh mit dem digitalen Lernen beginnen, eben schon in der zweiten Klasse“, erklärt Silke Heick. Die Zweitklässler machen erste Schritte, den sind die Mädchen und Jungen der 8. Klasse schon vor drei Jahren gegangen. Gemeinsam mit ihren Lehrerinnen Carola Schneider und Ines Rockmann drehen die Schüler mithilfe eines Tablets Erklärvideos beispielsweise über das Verdauungssystem. Tim Dworzak präsentiert die Stabheuschrecken, die im Bio-Unterricht gezüchtet werden und die Hauptrolle im nächsten Erklärvideo spielen.

Verschnupftes W-Lan

In diesem Schulgebäude meistern Schüler und Lehrer besondere Schwierigkeiten. Die Reichweite des Wlan reicht nicht bis in dieses Gebäude, auch nicht am Tag des hohen Besuches.

Und im Hauptgebäude sieht es am Donnerstag auch nicht viel besser aus.

Glasfaser lässt auf sich warten

Das Glasfaserkabel liegt vor der Haustür, doch bis Ende des Jahres muss der Anschluss warten. Der Landkreis wird in die Gebäude nicht mehr großartig investieren. Das macht der Landrat deutlich. Die Idee vom Förderschul-Campus sei nicht vom Tisch. Der Neubau würde allerdings in Oschersleben umgesetzt werden. In einer Gesprächsrunde wirft Ralf Krause vom Fachnetzwerk ein, dass zusätzliche Access-Points genügen würden, das Wlan zu verstärken, das wäre keine großartige Investition.

Trotz des wackeligen Wlans präsentieren die 7. Klassen an diesem ersten Schultag, wie sie mit den Opensource-Programmen recherchieren, Plakate gestalten, dass die Medienscouts sich darauf verstehen, Fehler zu beheben. Jeder Schüler wird mit einem entsprechenden Hefter ausgestattet, um im Fall des Distanzlernens und technischer Notfälle auch außerhalb der Schule Hilfe zur Selbsthilfe zu betreiben. Während der Schulschließungen hat sich dieses System bereits bewährt.

Landkreis favorisiert anderes System

„Wir haben uns auf den Weg gemacht“ - unter diesem Motto arbeitet seit drei Jahren die Börde-Schule Klein Oschersleben. Aber es ist eben auch ein eigener Weg.

Ein Weg, der nicht immer mit dem des Landkreises konform ist. Das wurde während des Rundganges mit dem hohen Besuch und der folgenden Gesprächsrunde mehr als deutlich. Ja, die Schulgebäude sind alt. Aber das ist nicht das Thema. Die Börde-Schule gehört zu den Initiatoren des Fachnetzwerkes „IT-Strukturen gemeinsam entwickeln“, in dem eine Fachfirma aus Halle, verschiedene Schulen der Landkreise Börde, Harz und Wittenberg, das Landesschulamt, die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung und eine finnische Firma eng zusammenarbeiten, um die technischen Voraussetzungen für das digitale Lernen zu schaffen. Die Förderschule Klein Oschersleben war die erste Schule Sachsen-Anhalts, die das finnische Puavo-System (Open-Source-und webbasiertes Benutzer-, Geräte- und WLAN-Verwaltungssystem- Schul-IT-System) in der Schule etabliert und im Fachunterricht systematisch eingesetzt hat.

Unterschiedliche Wege

Damit wird erreicht, dass auch mit sehr alten Computern gearbeitet werden kann. „Ziel unseres Medienbildungskonzeptes ist es, die Chancengleichheit und die Bildungsgerechtigkeit unserer Schüler zu erhöhen, unabhängig von der finanziellen Situation der Elternhäuser“, macht Silke Heick im Gespräch nochmals deutlich.

Aber genau an dieser Stelle gehen Landkreis und Förderschule unterschiedliche Wegen. Der Landkreis pocht auf Windows gestützte Computer, führt ins Kalkül, dass mit dem System der Förderschule der Datenschutz nicht gewährleistet werde.

„Wir haben drei Jahre gezeigt, dass es funktioniert“, setzt Silke Heick dagegen. „Und es ist nachahmenswert, weil mit einfachen Mitteln jedem Kind Bildung zugeführt wird. Die Schüler werden auf das Leben im digitalen Bereich vorbereitet, das kann doch nicht umsonst gewesen sein“, argumentiert auch Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch.

Auf den Zug aufgesprungen

Inzwischen sind andere Städte und Landkreise auf den „Puavo-Zug“ aufgesprungen, Magdeburg, der Landkreis Harz und die Stadt Wittenberg wollen das System einführen.

„Natürlich werde ich das Hauptziel nicht aus den Augen verlieren. Ihr seid einen anderen Weg als unsere IT-Fachabteilung gegangen. Ich finde es Klasse. Doch der Datenschutz muss zu 100 Prozent funktionieren, dafür muss eine Zwischenlösung gefunden werden“, beharrt Landrat Martin Stichnoth.

Minister schwer begeistert

Kultusminister Marco Tullner jedenfalls ist am Ende seines Besuches in der Netzwerkschule Förderschule Klein Oschersleben richtig begeistert. „Ich bin total beeindruckt, mit welcher Leidenschaft die Schule, Lehrer, Schüler und Eltern gemeinsam die digitale Bildung voran bringen. Und ich bin begeistert, dass es so toll funktioniert.“