Oschersleben l Die Oschersleberin Kerstin Lindenblatt steht einem Verein vor, der Menschen in besonderen Situationen zur Seite steht. Eine solche Situation ist zweifelsohne die Tatsache, dass ein Mensch, eine Familie mit einer Diagnose konfrontiert wurde, die den baldigen Tod bedeutet. „Im Februar 2013 haben wir den Ambulanten Hospizkreis Oschersleben gegründet. Hervorgegangen sind wir ursprünglich aus einer Initiative der Frauen des Lionsclubs Börde Oschersleben“, berichtet Kerstin Lindenblatt. Zwei Ärzte, ein Apotheker und zwei „Verwaltungsmenschen“, wie sie es nennt, bilden den Vorstand. Der Verein ist stetig gewachsen und mit ihm die Zahl der Mitglieder, übrigens bis auf einen Mann, alles Frauen. Die 24 Hospizhelfer, die allesamt ehrenamtlich arbeiten, sind gut ausgebildet.

Ist ein Mensch sterbenskrank, stehen die Familienangehörigen oftmals der emotional schwierigen Aufgabe gegenüber, den Vater, die Mutter, aber auch das Kind, bis in den Tod zu begleiten. Viele Sterbende wünschen sich, zu Hause, in den eigenen vier Wänden zu sterben. „In diesem Punkt können wir den Familien zur Seite stehen. Wir arbeiten völlig kostenlos, ehrenamtlich und sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. In der Regel werden wir vom Hausarzt, von Pflegediensten, Angehörigen oder der Palliativstation des Neindorfer Krankenhauses angefordert. Die Hausärztin im Ruhestand, Rosi Pape aus Sommersdorf, koordiniert die Einsätze“, erklärt Kerstin Lindenblatt. Die Mitglieder des Hospizkreises, allesamt lebenserfahren, zwischen 43 und 75 Jahre alt, kommen in die Familie, können diese entlasten, wenn beispielsweise Behördengänge erledigt werden müssen, oder eben der Familieneinkauf ansteht. „Wir sehen uns als Teil eines großen Ganzen, schenken Zeit, entlasten die Angehörigen, hören zu.

In der Regel gehen unsere Mitglieder des Hospizkreises einmal in der Woche für ein bis zwei Stunden oder, wenn es die Situation erforderlich macht, auch mal länger in die Häuslichkeit. Muss die begleitete Person zwischenzeitlich stationär behandelt werden, können auch Besuche im Krankenhaus übernommen werden. Wir geben etwas, bekommen aber auch ganz viel zurück“, macht die Vereinsvorsitzende deutlich. Sie würde sich wünschen, dass die Ehrenamtlichen des Hospizkreises öfter angefordert werden. „Oft werden wir sehr spät geholt. Niemand aber muss mit dieser schwierigen Situation allein klarkommen, sollte sich Hilfe holen“, macht Kerstin Lindenblatt deutlich.

Gewachsen ist der Hospizkreis Oschersleben nicht nur in nüchternen Zahlen betrachtet. Dieses Wachsen sieht die Vereinsvorsitzende vor allem in der Tatsache, dass alle Mitglieder sehr gut ausgebildet sind. Dafür gebe es Standards des Hospiz- und Palliativverbandes Deutschlands. Ein Lehrgang umfasst 100 Theoriestunden und 40 Stunden in der Praxis. „2014 haben wir den ersten großen Kurs abgeschlossen. Wir können damit eine professionelle Arbeit auf ehrenamtlicher Basis bieten“, so Kerstin Lindenblatt.

Die Hospizhelfer können regelmäßig an einer Supervision teilnehmen. Sie haben somit die Möglichkeit, in einen geschützten Rahmen ihre Sorgen und Gedanken, die sich aus ihrer Arbeit ergeben, von der Seele zu reden.

Zusätzlich steht dem Verein seit einem Jahr eine ausgebildete Trauerbegleiterin zur Seite. Diese steht für Gespräche mit den Angehörigen zur Verfügung. Sie kommt in die Häuslichkeit oder sie vereinbart ein Treffen mit Betroffenen im Oschersleber Büro.

Der Verein finanziert sich allein aus Spenden, ist keiner Krankenkasse verpflichtet.