Dorfgeschichte

Hötensleber mit der Fertigkeit eines Fotochips

Mit einem Stift Bilder festhalten wie ein Fotoapparat – dieses Talent hatte der Hötensleber Werner Köhler (1921–1989). Sein künstlerisches Schaffen hinterließ Spuren im Ort und der Region. Heute jährt sich sein Geburtstag zum hundertsten Mal.

Von Reinhard Klar
Blick auf Hötensleben aus erhöhter Position, eine Zeichnung Köhlers von 1977.
Blick auf Hötensleben aus erhöhter Position, eine Zeichnung Köhlers von 1977. Repro/Foto: Reinhard Klar/Ortsarchiv

Hötensleben - Werner Köhler stammte aus Trautenau im Riesengebirge. Er wurde im Sommer 1949 als Umsiedler in Hötensleben ansässig. Der damals 28-jährige Lehramtsbewerber absolvierte eine Ausbildung als Kunsterzieher, unterrichtete danach an der späteren Polytechnischem Oberschule und betätigte sich in seiner Freizeit als Maler und Grafiker. Am heutigen 2. Juli wäre Werner Köhler 100 Jahre alt geworden.

Malerwinkel in jeder Ecke

Im Ort und in der Umgebung fand er 40 Jahre lang in allen Jahreszeiten die Objekte, die ihn künstlerisch interessierten. In der Natur und in den Dörfern der Region stieß er auf Motive, in denen er das Umfeld studieren und künstlerisch verarbeiten konnte. Die Natur war für ihn unbestritten Anschauungsmittel, Anreger, Motivlieferant und Ideenspender. Er bezeichnete sie als den „ausgefeiltesten Künstler“. Werner Köhler entdeckte überall in der Gegend anheimelnde Malerwinkel. Er kannte sich auch in Sommerschenburg, Sommersdorf, Völpke, Harbke und Hamersleben gut aus. Auch die Vorharz- und Bördelandschaften mit ihren Herbheiten, Weiten und Schönheiten hatten es ihm angetan.

Viele Werke seines künstlerischen Schaffens befinden sich im Familienbesitz. In Hötensleben setzte er fast alles ins Bild, feinfühlig empfunden, klar und kraftvoll gegliedert und stimmungsgeladen artikuliert – so präsentierten sich seine Arbeiten. Sein Schaffen war vielseitig, es umfasste das Zeichnen (das man als seine eigentliche Stärke bezeichnen kann), das Aquarell, die Landschaft und die Porträtgestaltung.

Ganz Hötensleben ins Bild gesetzt

Vielen Einwohnern bekannt sind seine Bilder „Blick vom Kirchturm“ (Feder coloriert 1970), „Hospitalstraße“ (Kugelschreiber 1975), „Blick aus der Poststraße“ (Filzstift lasiert 1975), „Ganderberg“ (Aquarell 1976), „Blick auf Hötensleben“ (Aquarell 1977), „Alte Linde“ (Aquarell 1978), „Hauenschildscher Hof“ (Lithografie 1978), „Rathaus“ (Graphit 1980) und „Blick zur Post“ (Kugelschreiber 1987).

Seine Arbeiten ermöglichen auch einen Blick in die Vergangenheit des Orts und halten sie bis heute lebendig. Ein Beleg dafür ist der Hauenschildsche Hof, an dessen Stelle heute zwei Wohnblöcke stehen.

DDR-weite Ausstellungen

Gut in Erinnerung sind auch noch Werner Köhlers Bühnenbilder für Veranstaltungen des Dorfklubs, für das Kunstkabinett, für zahlreiche Feiern und Feste und für die „Messe der Meister von Morgen“. Werner Köhler gehörte auch zu den Illustratoren der Heimatschrift „Zwischen Bode und Lappwald“ und war Mitgestalter der 1988 erschienenen Grafikmappe Hötensleben. Ein Teil seiner Werke fand Eingang in Kreis-, Bezirks- und in landesweite DDR-Ausstellungen sowie in diverse Bildmappen.