Oschersleben l Spätestens Anfang Februar sollten die ersten Ortsteile mit Breitband-Internet versorgt werden: Das hatte Bürgermeister Benjamin Kanngießer in einem Interview zum Jahreswechsel erklärt. Nun sieht es danach aus, als würde es doch etwas länger dauern.

Fehlende Verbindung zum Rückgrat

Dabei sind die ersten lokalen Netze tatsächlich fertig. Aber das allein reicht nicht. Zusätzlich braucht es noch die Verbindung zum sogenannten „Backbone“. Das ist das englische Wort für „Rückgrat“. Gemeint sind jene überregionalen Verbindungen, in denen die großen Datenströme fließen. Ohne Kontakt zum Backbone gibt es keinen Zugang zum Internet.

Tatsächlich ist die Lage recht komplex. Denn verschiedene Partner arbeiten zusammen. Unter anderem hat sich Oschersleben mit sieben weiteren Kommunen zur Arbeitsgemeinschaft Breitband Börde (ARGE Breitband) zusammengeschlossen.

Netzausbau als Betreibermodell

Der Netzausbau erfolgt nach dem sogenannten Betreibermodell. Das heißt: Die Stadt hat das Unternehmen EKN Breitband GmbH & Co. KG mit dem Bau eines lokalen Breitbandnetzes beauftragt. Durch Leitungen der Firma Avacon Connect wird es mit den überregionalen Internet-Kabeln verbunden. Wenn alles bereit ist, wird das lokale Netz an den Betreiber DNS:NET aus Berlin verpachtet, der die Glasfaserkabel in Betrieb nimmt.

Arbeit mit hohem Einsatz

Avacon-Sprecher Ralph Montag erklärte gestern: „Hierfür muss DNS:NET in der Regel noch eigene Aktivitäten durchführen (Bereitstellen von Übergabeschächten) und rechtzeitig bei Avacon die erforderlichen Strecken anfordern (...). Hierbei ist es teilweise zu kurzfristigen Änderungen der Anforderungen seitens DNS:NET gekommen. Avacon Connect arbeitet mit hohem Einsatz daran, auch bei geänderten Anforderungen Leitungen sehr kurzfristig bereitzustellen.“

Aber der Reihe nach: Der Internet-Ausbau ist in mehrere Abschnitte gegliedert. Als erstes wurden die Ortsteile Neindorf und Neubrandsleben sowie das Gewerbegebiet „Am Pfefferbach“, die Anderslebener Straße und Teile der Gneisenaustraße in Angriff genommen. Hinzu kommen die Schulen in der Kernstadt.

Ausbau teilweise abgeschlossen

Der erste Spatenstich erfolgte im April 2019. Wie die Stadt mitteilt, ist der Ausbau in Neindorf und Neubrandsleben mittlerweile abgeschlossen. Auch einige Schulen stünden kurz vor dem Anschluss. In Beckendorf soll das lokale Netz im Februar fertig sein. Laut dem Breitband-Beauftragten der Stadt Matthias Steffen soll Hordorf im März folgen. Im Anschluss soll das Netz im Gewerbegebiet fertig gestellt werden und der Ausbau in Kleinalsleben beginnen.

Es fehlt Anschluss ans überregionale Netz

Verzögerungen im bisherigen Zeitplan seien unter anderem dem Umstand geschuldet, dass sich der Baugrund an vielen Stellen als ungünstig erwiesen habe. Darüber hinaus kamen an den geplanten Kabeltrassen teilweise Leitungen anderer Versorger zum Vorschein. Das machte Anpassungen nötig. Nicht zuletzt sind laut Matthias Steffen Tiefbaufirmen derzeit sehr gefragt. Es sei schwierig, gute Auftragnehmer zu finden. Allerdings gehe die Qualität beim Ausbau vor.

Bis Dezember 2020 soll der komplette Ausbau abgeschlossen sein. Dabei geht es auch um alle übrigen Ortsteile - mit Ausnahme von Ampfurth. Auch die Kernstadt ist außen vor. Der Grund: Der Ausbau erfolgt mithilfe von Fördermitteln. Konkret geht es um das Bundesförderprogramm Breitband. Dahinter steht das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur.

Laut Stadt werden etwa 60 Prozent der Ausbaukosten übernommen. Die Gesamtkosten bezifferte Matthias Steffen in der Vergangenheit mit rund 20 Millionen Euro. Damit handele es sich um das „größte Infrastrukturprojekt in der jüngeren Vergangenheit Oscherslebens“, so Steffen.

Fördermittel nicht für alle

Fördermittel gibt es aber nur für die Gebiete, in denen vorher eine Unterversorgung festgestellt wurde. Will heißen: Die verfügbare Geschwindigkeit muss flächendeckend unter 30 Mbit/s liegen. Das ist in Ampfurth und der Kernstadt nicht der Fall. Die Stadt erklärt auf ihrer Internetseite: „Stadtrat und Verwaltung halten jedoch am selbstgesteckten Ziel einer flächendeckenden Erschließung des gesamten Stadtgebietes fest. Aufgrund der generellen Dynamik ist es wahrscheinlich, dass ein geförderter Ausbau in absehbarer Zeit auch in Ampfurth und Oschersleben möglich sein wird.“ Laut Matthias Steffen zeichnet sich derzeit bereits eine Änderung der Förderrichtlinien ab.

Nach Auskunft von DNS:NET können Privatkunden künftig mit einer Geschwindigkeit von 500 Mbit/s surfen. Für Geschäftskunden sei noch sehr viel mehr möglich. Etwa zwei Wochen vor Inbetriebnahme setzt sich DNS:NET mit den angeschlossenen Endkunden schriftlich in Verbindung. Die benötigte Hardware geht den Haushalten spätestens zehn Tage vor Schaltung des jeweiligen Anschlusses zu.

Kunde soll schnell versorgt werden

Die große Frage lautet: Was ist es endlich soweit? Einen konkreten Termin gibt Avacon nicht bekannt. Pressesprecher Ralph Montag verriet gestern nur so viel: „Mögliche Verzögerungen, die auf Avacon Connect zurückzuführen wären, sehen wir nicht. Wir unterstützen DNS:NET, zeitnah die Kunden zu versorgen.“

Claudia Burkhardt, Pressesprecherin von DNS:NET, erklärt: „Es gibt immer ein Optimum und die Realität. Nach der Sicht des Landes sollten bereits 2018 alle Gemeinden ein superschnelles Internet haben. Die Stadt Oschersleben, wie die anderen sieben Gemeinden der ARGE Breitband bauen sofort ein vollständiges Glasfasernetz, ohne Brückenlösung. Insgesamt werden die Gemeinden der ARGE Breitband das größte Glasfasernetz des Landes haben, dies ist beachtlich und für diese Gemeinden/Städte des ARGE Gebietes ein bedeutendes Alleinstellungsmerkmal, bei dem es auf einen einzelnen Tag nicht ankommt, das Endergebnis wird den Akteuren hier auf jeden Fall Recht geben.“