Glauben

Konfirmanden aus Gröningen und Wegeleben bei Online-Konferenz zum Thema „Jüdischer Alltag“

Jüdische und christliche Traditionen im Vergleich, mit diesem Thema haben sich Konfirmanden aus Gröningen und Wegeleben in einer Online-Konferenz beschäftigt.

Von Dieter Kunze 05.07.2021, 07:46 • Aktualisiert: 05.07.2021, 16:16
Bei einer Online-Konferenz konnten Konfirmanden der Region mit zwei ehrenamtlichen Vertretern über jüdische und christliche Traditionen diskutieren.
Bei einer Online-Konferenz konnten Konfirmanden der Region mit zwei ehrenamtlichen Vertretern über jüdische und christliche Traditionen diskutieren. Foto: Dieter Kunze

Gröningen/Wegeleben - Im Rahmen des Konfirmandenunterrichtes wollten Jugendliche aus den Pfarrbereichen Wegeleben und Gröningen sich genauer mit dem Judentum befassen und konnten mit zwei Freiwilligen aus dem Projekt „Meet a Jew“ in einer Onlinekonferenz viel Neues erfahren und diskutieren. Pfarrerin Susanne Entschel hatte die jüdischen Ehrenamtlichen in ihre Gruppe eingeladen. „Durch solch eine Begegnung von hiesigen Jugendlichen mit dem lebendigen Alltag der Juden sollte mehr Verständnis erreicht werden“, sagte sie. „Dabei ging es auch um das Verständnis der eigenen christlichen Tradition, denn auch Jesus war Jude und wuchs in einem jüdischen Kontext auf“.

Dabei kamen die beiden jüdischen Vertreterinnen aus sehr unterschiedlichen Bereichen. Mascha Schmerling kam mit zwölf Jahren aus Moskau nach Deutschland. Erst hier hatte sie die Möglichkeit, die jüdischen Traditionen für sich zu entdecken. Ganz anders die 29-jährige Studentin Franzi aus Gera. Sie studiert Religionswissenschaften und Geschichte, will später einmal in der Forschung arbeiten. Sie wusste erst wenig über das Judentum, konvertierte jedoch später. Den Teilnehmern gab sie einen Überblick über die wichtigsten jüdischen Lebens- und Gebetsvorschriften sowie Verhalten im Alltag.

Wie kann man heute vom Christentum zum jüdischen Glauben übertreten, lautete eine Frage. Das sei ein Prozess, der bis zu fünf Jahren dauern kann. Man müsse dazu einen Rabbiner finden, der einen begleitet. Franzi berichtete von ihrem Übertritt zum Judentum: „Als ich zum ersten Mal eine Synagoge betrat, wusste ich, dass ich jüdisch leben will“. Sie richtet heute ihren Alltag danach, zündet die traditionellen Kerzen an, betet regelmäßig und hält den Schabbat sowie die jüdischen Speisegesetze ein. „Das ist im Alltag in Deutschland schwierig, denn ich kann von Freitag Abend bis Samstag Abend keine Arbeit machen und muss mich an die Regeln halten“, berichtete die Studentin. Das treffe nicht bei allen Arbeitgebern oder Bekannten auf Verständnis. Die Schlussaussagen der beiden jüdischen Teilnehmerinnen stimmten sehr nachdenklich. So macht sich Mascha Schmerling Sorgen um die Angriffe auf die Synagogen in Deutschland. Sie will gern in Deutschland bleiben, und hofft, dass die gesamte Gesellschaft aktiv gegen Judenhass aufsteht und ihn nicht toleriert.

Noch deutlicher sieht das Studentin Franzi. „Wir leben auf gepackten Koffern“, berichtet sie. Der zunehmende Antisemitismus belaste zusehend. Sie möchte sich deshalb um die israelische Staatsbürgerschaft bewerben. „Dort ist es für uns sicherer als in Europa“. Hier sei es schwer, den jüdischen Alltag zu leben. „Und fast alle jüdischen Einrichtungen stehen unter Polizeischutz“. Das sei bedrohlich. Für sie laufe es auf Israel hinaus.

„Das ist eine traurige Perspektive“, räumt Pfarrerin Susanne Entschel ein. Das sei schwer zu verstehen.

Weitere Infos: www.meetajew.de