Neindorf l „Knochen-Erna war eine richtige Respektsperson“, erinnert sich Runa Fichtner während eines Volksstimme-Gesprächs in der Bördeklinik in Neindorf. Doch nicht nur wegen ihrer Autorität habe die einstige Persönlichkeit am Krankenhaus in Neindorf bereits in den 1950er Jahren ihren Spitznamen erhalten. Erna Kurt war nämlich die führende Krankengymnastin am Klinikum.

Als Lazarettschwester sei sie zunächst ans Krankenhaus in die Oschersleber Triftstraße gekommen. Doch als dieses im Bombenhagel des zweiten Weltkrieges zerstört worden war, sei Erna Kurt ins gerade eingerichtete Lazarett ins Schloss nach Neindorf gekommen. So habe sie es einst Irina Meyer und Runa Fichtner berichtet, sagen die beiden Physiotherapeutinnen, die seit dem Jahr 1980 in Neindorf arbeiten.

Herzlich und resolut

„Sie war immer sehr herzlich, konnte aber auch resolut sein. Weder Patienten noch Ärzte haben ihr widersprochen“, erinnert sich Irina Meyer an die starke Raucherin. Und Runa Fichtner sagt: „Wenn ‚Knochen-Erna‘ mit Studenten einen Raum betrat, sagte sie immer in die Runde: ‚Ich bin der Stamm, das sind meine Sinker.‘“ Bei dieser Erinnerung lachen die Physiotherapeutinnen.

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Eingeprägt habe sich auch die tiefe Stimme der resoluten Respektperson. Besonders die langgezogenen Kommandos „Heben – und senken“, die sie an ihre Patienten während der Bewegungsübungen weitergab, haben sich tief ins Gedächtnis der beiden Frauen eingegraben. Gerne seien die Kranken bei „Knochen-Erna“ gewesen, „einfach wegen ihrer Art“, sagt Runa Meyer. „Sie hatte zwar einen sehr starken Griff, aber auch eine gute Seele“, fällt Kollegin Runa Fichtner zudem noch ein.

Fachlich eine Koryphäe

Fachlich war Erna Kurt eine Koryphäe, obwohl sie sich vieles selbst beigebracht haben soll. „Nach einer OP am Bein oder der Schulter beispielsweise sollen sich die Patienten recht schnell wieder bewegen. Das war früher ja noch nicht so. Außer bei ‚Knochen-Erna‘. Ausruhen war bei ihr verpönt“, sagt Meyer und Fichtner ergänzt: „Sie war da sehr intuitiv. Heute wissen wir, dass sie damals schon recht hatte.“

Gewohnt habe die Krankengymnastin zwar am Oschersleber Marktplatz direkt über dem Fleischer. „Dort waren wir einmal zur Geburtstagsfeier eingeladen“, erinnert sich Irina Meyer. Doch ihr Zuhause sei auch ihre Wirkungsstätte gewesen: Das Krankenhaus in Neindorf.

Jüngere haben viel von ihr gelernt

So haben die beiden Physiotherapeutinnen viel gelernt bei Erna Kurt, so beispielsweise die Vibrationstherapie. „Heute gibt es dafür ja Geräte. Wir mussten das damals mit Hand und Arm können“, sagen die beiden Frauen. So habe Knochen-Erna eine Schüssel mit Wasser gefüllt und ihren Auszubildenden einen Schwamm in die Hand gedrückt. Nun mussten die angehenden Krankengymnastinnen Hand, Arm und Schulter so bewegen, dass sich die Vibrationswellen auf das Wasser in der Schüssel übertrugen – ohne das Nass „zu verplempern“.

Im Jahr 1983 sind Runa Fichtner und Irina Meyer als Physiotherapeuten in Neindorf übernommen worden. Dafür hatte sich „Knochen-Erna“ eingesetzt, sagen die Beiden. Doch nur noch ein weiteres Jahr haben die Frauen zusammengearbeitet, bis Knochen-Erna im Jahr 1984 in Rente gegangen ist. Kaum ein weiteres Jahr verstarb die Respektsperson am 5. März 1985. „Sich vor keiner Arbeit zu drücken, das hat sie uns mitgegeben“, erinnert sich Runa Fichtner.

Tag der offenen Tür

Die Helios-Bördeklinik in Neindorf lädt anlässlich des Krankenhaus-Geburtstages für Sonnabend, 24. August, von 10 Uhr bis 14 Uhr zum Tag der offenen Tür ein. Auf große wie kleine Entdecker warte ein buntes Programm.