Oschersleben l Wenn schon zu Hause bleiben, dann wenigstens mit Schokolade – das könnte man zumindest meinen.

Normalerweise boomt vor Ostern das Geschäft mit Süßwaren. Doch dieses Jahr durften Enkel ihre Großeltern nicht besuchen - die haben entsprechend weniger Ostereier und Schoko-Hasen gekauft.

Ostergeschäft eingebrochen

Für Süßwarenhersteller, die sich auf Osterartikel spezialisiert hatten, könnte die Situation aktuell besonders schwierig werden, bestätigt Dirk Thielemann, Marketingleiter bei Bodeta Süßwaren in Oschersleben. Wegen der Corona-Krise seien in diesem Jahr weniger Osterhasen verkauft worden, so viel kann Thielemann schon sagen. Das Unternehmen rechne damit, dass das Ostergeschäft 2020 leicht unter dem Vorjahresniveau liegen wird. Die Leute schauen mehr auf die Grundversorgung. Die Nachfrage nach Ostersaisonartikeln sei hingegen ziemlich schwach gewesen. Bei den sogenannten „FantasTick Greetings“ – kleine Geschenke aus Schokolade mit kleinen Botschaften – seien die Umsätze sogar zu 90 Prozent zurückgegangen. In den vergangenen Wochen seien wichtige Vertriebsorte weggebrochen, darunter Kaufhäuser oder Fachgeschäfte in der Freizeit- und Hotelbranche, so Thielemann. Wo kein Geschäft, da auch kein Absatzmarkt.

Mit Hustenbonbons dem Virus trotzen

Bei Bodeta habe man trotzdem einen „sehr guten März gehabt und wir sind bisher gut durch die Krise gekommen“, sagt der Marketingchef. „Die Leute haben mehr Husten-, Eukalyptus- und Salbeibonbons eingekauft.“

Vielleicht liege das auch an der Angst vor Corona, dem ersten Kratzen im Hals mit einem Hustenbonbon vorbeugen zu wollen. In normalen Zeiten stellt das Süßwarenunternehmen Bodeta in der Bode-Stadt nicht nur Schokolade, sondern auch Husten-, Eukalyptus- und Salbeibonbons her. Generell könne das Unternehmen derzeit vernünftige Umsätze vorweisen. „Wir haben keinen unserer Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken müssen“, so Thielemann.

Hohe Hygienestandards

Als Lebensmittelhersteller müsse das Unternehmen seit jeher hohe Hygienestandards einhalten. Aktuell habe man ein Krisenteam eingerichtet und die Verwaltungsmitarbeiter seien im Homeoffice. Konferenzen würden fast ausschließlich per Video ablaufen. „Man wird sehr erfinderisch in der Krise“, so Marketingleiter Thielemann.

Außerdem gebe es noch strengere Vorgaben für Lieferanten. „Der Zuckerlieferant reicht den Lieferschein nur noch über den Tisch, ohne direkten Kontakt zu den Mitarbeitern“, sagt Thielemann. Alle 120 Mitarbeiter würden gut zusammen arbeiten.

Keine Engpässe

Aktuell sei das Unternehmen bereits bei der Planung für das zweite und dritte Quartal sowie für das Weihnachtssortiment. „Ungefähr 95 Prozent der Waren kommen aus Deutschland und Europa“, sagt Thielemann. Da würde es keine Engpässe geben. Jedoch würden Wartezeiten bei den Bestellungen mit einkalkuliert.

Von wegen Toilettenpapier und Kondome

Ein Phänomen, das wohl für alle Zeiten mit der Corona-Krise in Zusammenhang gebracht wird, sind die Hamsterkäufe. In der Corona-Krise kaufen viele Verbraucher Tiefkühlprodukte. Davon profitiert auch der Standort von Agrarfrost in Oschersleben. „Wir haben schon sehr früh auf die aktuelle Situation mit diversen Maßnahmen reagiert, um Mitarbeiter zu schützen und zeitgleich die Kunden weiterhin ohne Lieferengpässe zu bedienen“, sagt Manfred Wulf, Geschäftsführer von Agrarfrost.

Der Einzelhandel in Deutschland erfahre eine ungebremste Nachfrage nach bestimmten Gütern des täglichen Bedarfs, so Wulf. So schnellten die Absatzzahlen für verschiedene Produkte Ende Februar und im gesamten März deutlich nach oben. „Auch für Tiefkühl-Kartoffelprodukte konnte Agrarfrost eine deutlich höhere Produkt-Nachfrage verzeichnen“ sagt Geschäftsführer.

Bedarf wieder auf Normalstand

Durch Anpassungen in der Produktion konnte das Unternehmen diesen kurzfristigen Mehrbedarf bedienen und eine ausreichende Warenverfügbarkeit der Kartoffelprodukte aus Oschersleben in den Tiefkühltruhen des Lebensmittelhandels gewährleisten. Mittlerweile habe sich der Bedarf wieder auf einem normalen Niveau eingependelt, sagt Wulf.

Umsatzeinbrüche habe Agrarfrost aber in dem fehlenden Bedarf aus dem Großverbraucher-Bereich zu verzeichnen. Für den Lebensmittelhersteller sei die Gastronomie ein ganz wesentlicher Wirtschaftsfaktor. „Die Auswirkungen im Gastgewerbe sind auch bei Agrarfrost zu spüren“, sagt Wulf.

Ausblick ungewiss

Wie sich das Geschäft weiter entwickelt, wagt keines der Unternehmen wirklich einzuschätzen. Auch wenn es zu früh sei, die vollen Auswirkungen von Covid-19 zu beurteilen, würden sie an ihren ursprünglichen Ausblicken für 2020 vorläufig festhalten.