Oschersleben/Quedlinburg l Noch immer, seit den 1980er Jahren, weist Oscherslebens Marktkirche St. Nicolai großflächig eine Notverglasung auf. Für die Fenster im Altarraum und auf der Südseite des Chorraumes trifft dieser Umstand nicht mehr zu. Und an dieser Stelle kommen der Glasgestalter Günter Grohs und der Chef der Quedlinburger Glaswerkstatt Frank Schneemelcher ins Spiel. Für sie ist die Oschersleber Marktkirche keine Unbekannte. Aktuell bereiten sich die Männer, die schon viele Jahre zusammenarbeiten, auf den dritten „Streich“ in Sachen St. Nicolai vor. Nach den Fenstern für den Altarraum und der Südseite des Chorraumes folgt nun die Nordseite.

Als 2016 die Fenster des südlichen Chorraumes eingebaut wurden, war ihre Gestaltung für viele Menschen eine Überraschung, denn sie unterschieden sich so völlig von den Fenstern des Altarraumes und stammen doch aus einer künstlerischen Hand, sind alle im Kopf des Glasgestalters Günter Grohs entstanden. Als dieser die Fenster für den Chorraum entwarf, hatte er die einstige wie künftige Ausmalung der Kirche im Sinn. „Ein Fenster muss etwas vorausnehmen, was in Zukunft auch noch Bestand hat.“

18 kleine Fenster unter der Empore

Ohnehin macht sich der in ganz Deutschland inzwischen bekannte Glasgestalter viele Gedanken um die Gebäude, in die seine Kunstwerke installiert werden. Er lässt die Räume auf sich wirken, schaut, welche Farben hier vorherrschen. „Man sieht erst wenn die Fenster drin sind, was der Raum noch braucht“, so Grohs. Eben deshalb sind im Vergleich zu den Fenstern im Altarraum völlig andere Fenster im Chorraum entstanden. Als 2016 diese eingeweiht wurden, erklärte Glasgestalter Günter Grohs die Gestaltung so: „Es herrscht Chaos, welches jedoch durch Linien wieder geordnet wird und dem Chaos Halt geben. Und scheint die Sonne auf die neuen Fenster, können Besucher ein besonderes Farbenspiel beobachten.“

Bilder

Dieses Farbenspiel wird sich nun in den drei großen Fenstern des nördlichen Chorraumes (Nordeingang der Kirche am Marktplatz) und in den insgesamt 18 kleinen Fenstern unter der Empore fortsetzen. Schon vor Jahren hat Günter Grohs diese Fenster entworfen, denn schon vor anderthalb Jahren sollte es losgehen. Aber immer muss die Kirchengemeinde Oschersleben im Zusammenspiel mit dem Förderverein von St. Nicolai und dem Kirchenkreis Egeln erst die nötigen Finanzen aufbringen.

Für 2019 wurde nun grünes Licht gegeben. Jetzt liegt ein sportlicher Fahrplan vor Grohs und der Glaswerkstatt Frank Schneemelcher. Gerade wurden die Arbeiten an den Musterfeldern abgeschlossen und am 15. Mai der Kirchengemeinde und der Architektin die Entwürfe für die Nordseite vorgestellt.

Mitte Juli beginnt der Einbau

Aus einem Guss sollen die Fenster im Zusammenspiel mit der Südseite sein, andererseits auch etwas heller. „Es stellt sich eben auch die Frage: Wie strahlen die Südfenster auf die Nordfenster. Es darf keine Überstrahlung durch die Sonne passieren. Die Erfahrungen, die wir mit den anderen Fenstern gemacht haben, wenden wir jetzt an. Die Nordfenster werden etwa 25 Prozent heller“, erklären Grünter Grohs und Frank Schneemelcher.

„Meint ihr nicht, dass die Farben zu blass sind?“, fragte Günter Grohs in der Bauberatungsrunde mit Blick auf das eingebaute Musterfeld. Noch ist Zeit zu korrigieren. Mitte Juli 2019 solle der Einbau der Fenster beginnen, Mitte September abgeschlossen sein. Insgesamt 200.000 Euro werden investiert, um St. Nicolai, die in den 1970er Jahren schon aufgegeben und dem Verfall preisgegeben war, noch ein Stückchen schöner erstrahlen zu lassen. Kirchenkreis, Kirchengemeinde und Förderverein bringen 80.000 Euro als Gegenfinanzierung zu 80.000 Euro Fördermittel auf.