Klein Oschersleben/Neindorf l Die kleine Tochter, 1 Jahr und drei Monate alt, fasst auf den heißen Herd. Die Folge ist eine Brandverletzung an der kleinen Hand. Frank Kranhold und seine Frau packen das vor Schmerzen schreiende Kind in das Auto. Da es bereits nach 17.30 Uhr ist, fahren sie gleich die Notaufnahme der Helios Bördeklinik im knapp 17 Kilometer entfernten Neindorf an. Zu diesem Zeitpunkt schreit die Kleine noch immer vor Schmerzen. Dann der Schock. Der diensthabende Arzt lehnt eine Behandlung mit den Worten ab, dies sei hier keine Kinderklinik, man könne dem Kind nicht helfen. „Nicht einmal eine Erstversorgung oder Notversorgung wurde vorgenommen“, berichtet der Vater gegenüber der Volksstimme. „Ich war gezwungen mit dem schreienden Kind bis nach Magdeburg in das Städtische Klinikum nach Olvenstedt zu fahren. Das hat eine dreiviertel Stunde gedauert. Dort wurde uns sofort geholfen.“ Von Montag bis Freitag wurde die Brandverletzung im Magdeburger Krankenhaus behandelt. Inzwischen hat Frank Kranhold bei der Polizei eine Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung erstattet.

Die Volksstimme hat von der Helios Bördeklinik eine Stellungnahme angefordert. Darin heißt es: „Zunächst möchten wir uns ausdrücklich bei der Familie entschuldigen. In einer Notsituation, vor allem mit dem eigenen kleinen Kind, ist die Sensibilität für schnelle und professionelle Hilfe besonders groß. Im vorliegenden Fall sind wir diesem Anspruch aus Sicht der Eltern nicht gerecht geworden, das tut uns leid und wir hoffen sehr, dass es der kleinen Patientin mittlerweile wieder besser geht.“

Familie zum persönlichen Gespräch eingeladen

Aufgrund der Schweigepflicht könne die Klinik zu Details keine Auskunft geben. Dennoch möchte das Krankenhaus dem Vorwurf, dass keine Not- oder Erstversorgung stattgefunden habe, ausdrücklich widersprechen. Jedem Patienten, der in die Klinik als Notfall eingeliefert wird, komme eine adäquate Erstversorgung zugute, ob Kind oder Erwachsenem. „Aufgrund unserer fachlichen Ausrichtung – es ist keine Kinderklinik und auch kein Kinderarzt im Haus angesiedelt – raten wir Patienten, deren weitere Behandlung nach der Erstversorgung nicht durch uns abgedeckt werden kann, in eine spezialisierte Klinik zu fahren. So auch bei Kindern, die wir selbstverständlich bestmöglich in unserer Einrichtung versorgen und dann den Eltern eine geeignete Klinik empfehlen“, so Klinik-Sprecherin Caterin Schmidt.

Der Familie werde angeboten, den Sachverhalt nochmals persönlich zu besprechen. „Dafür stehen wir gern zur Verfügung. Darüber hinaus wünschen wir der Patientin gute Besserung.“