Oschersleben l Für Josefine Bornstein, Yves Triebener, Saskia Brandes und Lilly Winkelmann, nun Schüler der Klasse 9a der Puschkin-Sekundarschule, sind die alten Schulbänke doch reichlich unbequem. Aber die Bänke sind zugleich Zeugnis einer ganz anderen Schulzeit und davon soll das Schulmuseum, welches aktuell im einstigen Kohlenkeller der Puschkin-Sekundarschule entsteht, berichten.

Die alten Schulbänke und ein Lehrerpult sind momentan die einzigen schon vorhandenen Ausstellungsstücke. Viele andere sind bereits zusammengetragen. Im Frühjahr hat die Puschkin-Schule die Bevölkerung aus Oschersleben und Umgebung aufgerufen, Erinnerungsstücke aus ihrer Schulzeit dem künftigen Schulmuseum zur Verfügung zu stellen. „Die Resonanz war beeindruckend“, erzählt Gunhild Dannenberg. „Aber die Menschen haben nicht einfach nur alte Schulranzen, Zeugnisse oder Schulbücher abgegeben. Sie erzählten auch viele Geschichten aus ihrer Schulzeit. Man hätte sie alle aufschreiben müssen“, meint die Lehrerin, die schon einmal am Aufbau des Schulmuseums an der Puschkin-Schule beteiligt war.

Viele Geschichten aus der Schulzeit erzä

Am 17. November 1986 wurde das damalige Museum zum 90. Geburtstag des Schulgebäudes eröffnet. Als 2012 das Gebäude grundhaft saniert wurde, musste das Museum weichen. Doch die Räume sind noch vorhanden, bereits gemalert. Sie müssen „nur“ noch mit Leben erfüllt werden. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: „Ein Erlebnismuseum, ein Museum zum Anfassen und Mitmachen soll es werden“, berichtet die heutige Schulleiterin Astrid Ribke. Und die Hauptakteure beim Aufbau des Schulmuseums, der einstige Schulleiter Hans-Georg Hahn, der ehemalige Lehrer Lutz Bittner und Gunhild Dannenberg, stimmen ihr zu.

Geplant sei eine Reise durch die einzelnen Epochen: von der alten Schule, über die DDR-Zeit ins Hier und Jetzt. Eine Leseecke sei geplant, in der in alten Büchern gestöbert werden könne. In den alten Bänken sollen vor allem Kinder einmal sitzen und mit einem Griffel schreiben können. Damit sie ein Gefühl dafür bekommen, wie ihre Großeltern oder gar Urgroßeltern schreiben gelernt haben.

Förderverein gegründet

Gunhild Dannenberg hat sich nicht nur geistig sehr intensiv mit dem künftigen Schulmuseum beschäftigt. Auch die Finanzen spielen in ihrem Kopf eine große Rolle. Summasummarum werden 16.000 Euro gebraucht. Um Spenden einwerben und Fördergelder beantragen zu können, gibt es seit kurzem einen Förderverein Schulmuseum Oschersleben. Dieser hat nun den ersten Förderscheck entgegennehmen können. Dafür war Tilo Garlipp von der Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Börde nach Oschersleben gekommen. Gemeinsam mit den eingangs genannten Schülern der Klasse 9a, Oscherslebens Bürgermeiser Benjamin Kanngießer, den ehemaligen Lehrern Hans-Georg Hahn und Lutz Bittner stieg er samt dem großen Scheck in den Keller des Schulgebäudes hinab. Mit der Summe von 2064 Euro ist eine erste Förderung angeschoben. Der Oschersleber Unternehmer Dirk Cholewinski nahm vor allem die noch kahlen Wände genauer unter Lupe. Er hilft bei der Gestaltung der Wände und von Informationstafeln.

Auch wenn das Museum noch nicht fertig ist, die Schulgeschichte spielt schon jetzt im Unterricht eine große Rolle. So war jüngst die Oschersleberin Eva Brandt zu Gast. Sie erzählte aus ihrer Zeit als Puschkin-Schülerin. Viele Fragen der Schüler hat sie beantwortet. Andererseits hatte auch Eva Brandt viele Fragen an die Schüler gerichtet. Aus diesem Dialog über einst und heute könnte schon eine erste Info-Tafel für das Museum entstehen.

Schulgeschichte lebendig im Dialog gestalten

Ein nächster Gesprächspartner für den Schul-Geschichtsdialog stehe bereits fest: Hans-Georg Hahns Biografie weist in Sachen Puschkin-Schule eine Besonderheit auf: Er war hier Schüler, Lehrer und schließlich Direktor.

Mit dem 9. September 2019 steht der Termin für die Eröffnung des Schulmuseums für die Stadt Oschersleben bereits fest. Die Eröffnung ist Bestandteil der 1025-Jahr-Feier der Bodestadt. Das Ereignis soll ein ganzes Jahr lang gefeiert werden. Jeden Monat soll es einen besonderen Höhepunkt geben. Und einer dieser Höhepunkte ist dann die Eröffnung des Schulmuseums.