Oschersleben l Gegen 15 Uhr kommen die ersten Bewohner aus den Förderbereichen nach Hause. Es lockt der Feierabend. Doch wie Sabrina Gorges, die Pressesprecherin der Matthias-Claudius-Haus-Stiftung, beschreibt, ist noch manches ungewohnt. Viele Bewohner würden aus Gewohnheit noch immer die Türklinken im Eingangsbereich nutzen, obwohl es im Ralf-Triller-Haus automatische Türöffner gibt. „Das kommt alles noch“, erklärt Jörg Müller. Er ist der Leiter des Triller-Hauses. „Hier ist ja alles neu, unter anderem auch die Automatiktüren.“

2,8-Millionen-Euro-Projekt

Am 22. November 2019 wurde der Neubau nach insgesamt drei Jahren Planung und Bauzeit eröffnet. Der 2,8 Millionen Euro teure, farbenfrohe Ersatzneubau auf dem Wohnstättengelände in der Oschersleber Hermann-Krebs-Straße bietet in 22 Zimmern Platz für 24 Männer und Frauen mit schweren Behinderungen.

„In der ersten Dezemberwoche wurde an nur vier Tagen der Umzug gewuppt“, informiert Sabrina Gorges. Die Männer und Frauen seien aus dem „Claudiushaus“ und vor allem dem „Anbau“ gekommen, der bald abgerissen werde. Seitdem werde im Ralf-Triller-Haus nicht nur die Wohnlichkeit hergestellt, sondern auch eine gewisse Alltagsstruktur gefestigt.

Bewohner sind längst angekommen

„Das braucht eben seine Zeit“, sagt Jörg Müller. Er war zuvor einige Jahre der Gruppenleiter im Intensiv Betreuten Wohnen in der Gartenstraße. „Alles war hier am Anfang zu groß, zu modern und zu weitläufig. Die Bewohner mussten sich daran erst gewöhnen. Aber sie sind alle längst angekommen. Das steht fest.“ Das barrierefreie Haus besitzt Doppel- und Einzelzimmer, moderne Bäder und zwei Pflegebäder. Die 24 Bewohner sind in zwei Gruppen aufgeteilt und nutzen je einen Gemeinschaftsraum mit Küche.

„Nach dem Nachhausekommen ist individuelle Zeit“, sagt Heilerziehungspflegerin Nancy Krohs. Einige Bewohner schauten dabei in ihren Zimmern fern, andere würden sich auf den Sofas in den Wohnzimmern entspannen. Um 18 Uhr stehe das gemeinsame Abendessen an, dann die Abendhygiene.

Hier ist immer jemand da

Das Team des Ralf-Triller-Hauses bestehe aus 15 Arbeitern mit flexiblen Arbeitszeiten. „Im Ralf-Triller-Haus ist immer jemand für die Bewohner da. Auch nachts“, berichtet Sabrina Gorges. „Von 22 bis 7 Uhr ist die Nachtwache mit einer Fachkraft besetzt“, so Jörg Müller. Die sei nicht etwa nur im Notfall auf den Beinen, sondern immer. „Die Nachtwache macht unter anderem regelmäßige Kontrollen, hilft den Bewohnern bei Toilettengängen, wäscht Wäsche und bereitet das Frühstück vor“, verdeutlicht der Leiter des Ralf-Triller-Hauses.

Hartmut Ciara hat ein Einzelzimmer. Bei der Eröffnung des Ralf-Triller-Hauses hat der schwerst mehrfach behinderte Rollstuhlfahrer eine Seite des roten Bandes gehalten, welches dann durchgeschnitten wurde.

Noch nicht ganz fertig

Auf dem Flur hängt eine Leinwand mit Spruch und Signatur von Aribert Thieß. Er war derjenige, der bei der Eröffnung das rote Band mit durchtrennen durfte. „Sein kleines Kunstwerk ist eines von mehreren Bildern, die es bereits zu Dekorationszwecken an die langen Flurwände geschafft haben“, erklärt Sabrina Gorges. „Aber wir sind noch nicht fertig“, ergänzt Nancy Krohs. „Da fehlt hier noch ein Bild und da noch ein Regal oder ein Schränkchen.“

Die grundausgestatteten Bewohnerzimmer sind dagegen laut Sabrina Gorges längst individualisiert - jeder habe etwas aus seinem „alten Zuhause“ mit ins neue gebracht. Das habe auch bei der Eingewöhnung geholfen, sagen Jörg Müller und Nancy Krohs. „Wir haben hier einen hohen pflegerischen Bedarf mit entsprechenden Standards. Wir brauchen also Funktionalität. Und dafür ist dieses Haus gemacht.“

Nützliche Technik

Es hat nicht nur automatische Türen, sondern beispielsweise auch ein intelligentes Notrufsystem mit genauer Ruf- und Alarm-Ortung. Im Zimmer von Hartmut Ciara gibt es zum Beispiel ein bodentiefes Fenster. Es dienst zugleich als Fluchttür. Wenn es sich öffnet, wird ein Alarm ausgelöst. Auf einem Empfänger, der ähnlich wie ein Handy aussieht, sehen Jörg Müller und sein Team, was wo passiert ist. Aktuell freuen sich Bewohner und Mitarbeitende des Ralf-Triller-Hauses auf ihre Außenanlage, die gerade hergerichtet wird.