Hadmersleben l Die Gelegenheit für die Sanierung des Orgelsprospektes in der Hadmersleber Stadtkirche ist aktuell günstig, denn die Orgelpfeifen sind ausgebaut. Ja schon von der Sanierung zurück und in der Kirche eingelagert. Ehe sie eingebaut werden, bekommt nun das Orgelprospekt einen neuen Farbanstrich. Ohne Orgelpfeifen ist es einfacher, alle Bereiche des Prospektes zu erreichen. „Aber es geht nicht nur um die farbliche Restaurierung. „Ich habe Fehlstellen repariert und Löcher verspachtelt“, berichtet Eckhard Lemke. Der Schönebecker Restaurator berichtet auch von der schwierigen Aufgabe der Farbgebung oder -findung. Bereits im April dieses Jahres sei eine Befunduntersuchung der Farbschichten erfolgt. „Wir wollen mit der neuen Farbgebung der Raumfassung folgen, beides muss zueinander passen“, erklärt Eckhard Lemke. Er spricht von einem „würdigen Grau“, Graublau. „Das Graublau wirkt leichter, angenehmer“, meint der Fachmann. Ergänzt wird die Farbgebung durch ein goldfarbiges Mineralpigment und Weiß. In Sachen Farbgebung, welche Farben und Bindemittel verwendet werden dürfen, hatte auch der Denkmalschutz ein Wörtchen mitzureden.

Im 19. Jahrhundert erweitert

Das erste Orgelprospekt stammt übrigens aus dem 17. Jahrhundert, einige Teile davon seien noch erhalten. Im 19. Jahrhundert wurde die Orgel erweitert. Weiß, Gold und Blau waren die bestimmenden Farben des ersten Prospektes aus dem 17. Jahrhundert, im 19. Jahrhundert kam zu Kaisers zeiten gar ein Schwarz hinzu. Am Orgelprospekt befinden sich auch zwei, rechts und links, sogenannte Schleierbretter oder Medaillons. Sie tragen die Namen Magdeburger Spender. Johann Georg von Taubenheim war Senior des Domstifts Magdeburg und Domdechant Georg Heinrich von Bersten hatten nach dem Hadmersleber Stadtbrand 1668 einen Spendenaufruf unter der Magdeburger Bevölkerung gestartet und Geld für Orgel und Kirche gesammelt.

Lange, immerhin 16 Jahre, habe die evangelische Kirchengemeinde Hadmersleben gespart, um die Orgel samt Orgelprospekt restaurieren zu können. Mittel aus dem Orgelfonds des Landes, des Kirchenkreises Egeln „und unsere alljährlichen Kirchenfeste rund um die Stadtkirche, das nächste findet am 12. August statt, halfen dabei, dieses Projekt umzusetzen. Unsere Kirche hat eine reichhaltige Ausstattung. Diese zu pflegen ist nicht immer einfach“, meint Hadmerslebens Pfarrer Theo Spielmann. Und mit der reichhaltigen Ausstattung meint er auch die Bemalung der Tonnendecke.

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Engel werden restauriert

Doch nur noch fünf sind Originale aus der Zeit des Barock. Sie sind genau über und seitlich der Orgel zu finden und damit schwer zu erreichen. Zum Glück, denn sonst wären sie sicher auch schon übermalt worden.

Das Gerüst für die Sanierung des Orgelprospektes ist so gebaut, dass nun auch diese Engel restauriert werden können. Somit „thront“ Restaurator Dietmar Fröhlich regelrecht über der Orgel und bearbeitet die blättrige Farbe der Engel. Dafür braucht er vor allem eine ruhige Hand. Die blättrige Farbe wird vorsichtig „angeklebt“.

Einweihung nach Sanierung

Vier bis fünf Wochen werden für die Arbeiten am Prospekt und für die Restaurierung der Engel gut und gerne noch ins Land gehen. Dann können die Orgelpfeifen wieder eingesetzt werden. Mit einem Termin für die Einweihung hält sich Pfarrer Theo Spielmann noch zurück. Aber die Vorfreude ist ihm schon jetzt ins Gesicht geschrieben, denn nach über 100 Jahren wird die Orgel und damit das Prospekt erstmals wieder komplett sein. Auch aus der Hadmersleber Stadtkirche waren im 1. Weltkrieg Orgelpfeifen entfernt und als „Kanonenfutter“ zweckentfremdet worden.

Über 100 Jahre fehlte das Geld, die Orgel zu komplettieren, verdeckte ein Vorhang die Fehlstellen im Prospekt.