Ausleben l Eigentlich hatte es eine außerordentliche Gemeinderatssitzung werden sollen, zu der der Ortschef Dietmar Schmidt für Montagabend eingeladen hatte. Unter Punkt 4 der zuvor veröffentlichten Tagesordnung „Stellungnahme und Angebot zur Unterbringung der Kinder während der Baumaßnahme Kita Ottleben“ sollte es die neuesten Informationen um die im Winter während Sanierungsarbeiten entdeckten Schäden im Obergeschoss sowie am Dachgebälk geben sowie zu Lösungsmöglichkeiten, wo denn die Kita-Kinder während einer möglichen Grundsanierung des Dachstuhls untergebracht werden könnten. Doch aus rechtlichen Gründen wurde aus der Gemeinderatssitzung „eine Arbeitsberatung mit Teilnahme aus der Bevölkerung“, wie Dietmar Schmidt erklärte.

Nach der Begrüßung des Verbandsgemeindebürgermeisters, der Gemeinderatsmitglieder sowie der Einwohner durch den Ortsbürgermeister kündigte dieser zunächst an, den Wortlaut der Sitzung digital mitschneiden zu wollen, „um Informationen zu sammeln und zu bündeln“ und diese dann an die Verbandsgemeinde beziehungsweise dem Verbandsgemeinderat vorlegen zu können. Anschließend folgten die aktuellen Informationen zur Kita-Sanierung. Dabei sei oberstes Ziel, den bisherigen Standort der Kita im Schloss Trautenburg zu erhalten - entgegen anderslautende Gerüchte.

Dachraum beräumt

Vom 28. Januar bis 2. April sei der Dachraum mit eigenen Kräften beräumt worden, um ein ausführliches Schadensbild zu erhalten. So seien Bauhofmitarbeiter auch anderer Mitgliedsgemeinden eingesetzt worden. „Wir hätten ein Unternehmen beauftragen können. Doch so haben wir Geld und Zeit gespart“, hob Dietmar Schmidt hervor.

Dabei sei alles in Abstimmung mit der Denkmalbehörde geschehen. Außerdem habe den Gemeindearbeitern ein Restauratoren-Kollegium zur Seite gestanden, deren Mitglieder die Aufräumarbeiten begleitet sowie Schäden begutachtet hätten. „Ein 78-seitiges Exposé liegt uns bereits vor. Dabei handelt es sich um eine Bestandsanalyse von historischen Tapeten bis hin zu alten Elektroleitungen“, sagte Schmidt gegenüber der Volksstimme.

Stark-V-Mittel sollen nicht verfallen

Ferner sei ein Holzschutzsachverständiger hinzugezogen worden. „Drei Gutachten für drei verschiedene Bereiche im Gebäude liegen schon vor“, erläuterte Schmidt weiter. Parallel dazu sei ein Statiker hinzugezogen worden, der die Sicherungsarbeiten überwacht habe. „Die Schäden sind teilweise so beträchtlich, dass ganze Balken des Dachstuhls fehlen, weil diese über die Jahrzehnte komplett verrottet sind. Deshalb musste der Dachstuhl mit einer Holzkonstruktion gesichert werden“, erklärte der Bürgermeister weiter. Schließlich gehe es auch darum, ob und wie die Kita in dem alten Schloss während der Arbeiten weiterbetrieben werden kann.

Aktuell würden mehrere Grafiken erarbeitet, die die Schäden in den einzelnen Bereichen visualisieren. „Das ist sehr wichtig für den Bauantrag, den ich so schnell wie möglich bei einem Architektenbüro in Auftrag geben will“, sagte Auslebens Bürgermeister. Ziel sei es nämlich, die von anderen Mitgliedsgemeinden zur Verfügung gestellten „Stark-V“-Fördermittel fristgemäß bis Dezember 2020 zu verbrauchen und nicht verfallen zu lassen.

Geld für Bauaufträge

„Zwischenzeitlich wollen wir versuchen, Geld zusammenzubekommen, um die Bauaufträge auslosen zu können. Unser Ziel ist es, den Kita-Standort im Schloss zu erhalten und während der Arbeiten alle Kita-Kinder weiterhin Ausleben zu betreuen“, betonte Schmidt nochmals. An einer endgültigen Lösung werde mit Hochdruck gearbeitet. Während seiner Ausführungen dankte der Ortschef mehrmals den Kita-Erzieherinnen sowie den Eltern für ihr Verständnis.

Auch Verbandsgemeindebürgermeister Fabian Stankewitz ergriff das Wort. Er ging auf die geänderten rechtlichen Rahmenbedingungen ein, wie bereits am Montag in der Volksstimme berichtet. So sollen sich die Verbandsgemeinderäte in einer Sondersitzung per Grundsatzbeschluss zum Erhalt aller sieben Kindertagesstätten der Verbandsgemeinde bekennen und festlegen, dass die Ausleber Einrichtung gegenüber der Wulferstedter Sanierung Priorität hat, da hier schon mit den Arbeiten begonnen worden ist. Zudem soll dieser Grundsatzbeschluss favorisieren, dass diese beiden Kitas saniert und nicht durch Neubauten ersetzt werden. Solch eine Entscheidung hatte die Kommunalaufsicht in einer aktuellen Stellungnahme gefordert.

Container-Entscheidung aufheben

Außerdem will der Verbandsgemeindebürgermeister dem Rat vorschlagen, die einst getroffene Container-Entscheidung wieder aufzuheben, da aufgrund der neuen Situation und der Tatsache, dass die endgültigen Kosten für die Sanierung der Kita Ausleben frühestens Anfang August vorliegen, erst der neue Verbandsgemeinderat fundierte Entscheidungen treffen kann.

Die Lösung sah vor, erst die Kita-Kinder aus Ausleben während der Sanierungszeit in extra gekauften Containern in Hamersleben zu betreuen. Anschließend sollten dann die Wulferstedter Kita-Kinder in die Container einziehen, während deren Einrichtung saniert würde. Doch gingen vor allem Eltern auf die Barrikaden. Sie möchten nicht, dass ihre Kinder während einer zwischenzeitlichen Evakuierung nach Hamersleben gefahren werden müssen.