Hötensleben l Acht Jahrzehnte lang waren die große und die kleine Silberkette des 1846 gegründeten Schützenvereins sowie die Fahnenspitze aus Messing verborgen. Anfangs absichtlich, später womöglich aus eigennützigen Gründen Einzelner. Ende vorigen Jahres tauchten die Stücke wieder auf – bei einem Händler im Harz, mit dem der Schützenverein letztlich eine erwerbliche Einigung erzielen konnte.

Die Odyssee nahm 1936 ihren Anfang. Im Nazi-Deutschland waren Schützenvereine nun dem Regime durch die SA unterstellt. Das Schützenbrauchtum geriet in den Hintergrund, Juden wurden ausgeschlossen, demokratische Strukturen abgeschafft, der Schießsport lediglich als Wehrkraft für nützlich erachtet. In dieser Zeit, vermutlich 1937, wurden die Schützenketten und die Fahnenspitze versteckt, man befürchtete ihre Enteignung oder Vernichtung.

Nach dem Krieg wurden die Schützenvereine von den Alliierten zwangsaufgelöst, also blieb der Hötensleber Schützenschatz weiterhin sicher verwahrt und überdauerte auch den DDR-Staat. Wo genau und bei wem der einstige Vereinsschmuck lagerte, möchte auch heute noch keiner öffentlich verraten.

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Nach der Wende kurz wieder da

Nach der Wende kamen Ketten und Fahnenzier kurz zum Vorschein, um dann allerdings für weitere fast 30 Jahre als verschollen zu gelten. „Ein Vereinsmitglied durfte sie damals in Augenschein nehmen und abskizzieren“, weiß Vereinsvorsitzender Klaus Hühne. „Das hat uns nun auch die Identifizierung erleichtert.“

Das letzte Kapitel beginnt im Dezember 2018. Hötensleber entdecken die drei Stücke in einem Antiquariat in Wernigerode. Der Verein erfährt daraufhin: Sie stammen aus dem Nachlass einer Hötensleberin, die in einem Pflegeheim in Wernigerode verstarb. Eine feine Fügung des Schicksals, doch auch eine kostspielige. Nicht unbedingt materieller Natur, „aber natürlich war gerade der ideelle Wert dem Händler bekannt und so musste sich der Schützenverein mächtig ins Zeug legen“, sagt Hötenslebens Kulturausschussvorsitzender, René Müller. Die Gemeinde hat dem Verein finanzielle Unterstützung geleistet, ebenso wie die Stiftung der Kreissparkasse Börde. Und letztlich waren es die Initiativen von Vereinsmitglied Karl-Heinz Petras und eines Spenders, der nicht genannt werden möchte, die entscheidend dazu beigetragen haben, dass die vereinshistorischen Relikte zurückgekauft werden konnten. Ein vierstelliger Betrag sei aufgebracht worden, so Klaus Hühne. Das war denn auch Anlass für den Schützenverein, im Rahmen einer kleinen Feierstunde Danke zu sagen und alle einzuladen, die sich engagiert haben.