Alikendorf l In Alikendorf ist kein Durchkommen mehr, zumindest nicht ohne Umleitung. Die Landstraße 80, die durch den Ort führt, ist voll gesperrt. Das helle Knattern hochtourig laufender Moped-Motoren ist schon von weither zu hören und der Geruch von Rennbenzin liegt in der Luft. Hunderte Zaungäste haben sich links und rechts der Fahrbahn postiert. Hier findet gerade das Sprintrennen im Rahmen des 13. Simson-Treffens in Alikendorf statt.

Dorfstraße für Rennen gesperrt

Mit krächzenden Motoren - eigentlich haben diese vom Werk aus nur 3,5 Pferdestärken - fliegen die Fahrer auf den teils völlig umgebauten Mopeds über den Asphalt. Für besonders laute Vorführungen und schnelle Zeiten gibt es tosenden Applaus.

Einer der tollkühnen Männer auf den knatternden Kisten ist Michael Behrens von den „QT Powerparts“, der mit seinen Gleichgesinnten extra aus Hettstedt (Landkreis Mansfeld-Südharz) angereist ist. Sein Gefährt hat zwar auch zwei Räder, ist aber Flach wie eine Flunder. „Außer dem Motor und den Rädern ist an dieser Maschine nichts mehr original, und selbst die sind umgebaut“, erzählt der junge Mann.

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Alles andere, wie beispielsweise der Rahmen, sei Eigenbau. Getankt wird Super Plus, “allerdings schütten wir ein spezielles Zweitakt-Öl hinzu, das höhere Drehzahlen erlaubt“, beschreibt der Simson-Enthusiast. Daher also der spezielle Geruch in der Luft.

Teilnehmer von weither

Mit seiner „Rennsimi“ sei er auf vielen Treffen im Jahr unterwegs und fahre viele Rennen. Seit sechs Jahren mache er das schon und etliche Pokale zierten sein Regal. „Doch vom Simson-Fieber erfasst wurde ich schon in meiner Jugend“, erzählt der 29-Jährige weiter. Seinen Rennmotor mit 60 Kubikzentimetern habe er auf satte 20 Pferdestärken getunt. Unter anderem ein großer Vergaser sowie ein spezieller Rennauspuff sorgen für die beachtliche Leistungssteigerung. „Außerdem habe ich die Zündung umprogrammiert und die Zylinder überarbeitet“, beschreibt Behrens weiter.

Einer seiner Kumpels ist Sebastian Krause. Seine Simson ist tatsächlich auch noch als solche zu erkennen: Eine blaue S51 N. „Das war im Prinzip das kostengünstige Grundmodell mit Dreiganggetriebe und ohne Blinkleuchte und Batterie. Das Moped war vorwiegend dafür gedacht, abseits der Hauptverkehrswege bewegt zu werden“, erklärt der Simson-Fan. Doch mit seinem „blauen Wunder“ nimmt auch Sebastian an den Sprint-Rennen teil. Auf 19,5 PS hat er den Motor hochgeschraubt, „von 0 auf 100 benötige ich nur sechs Sekunden.“

Modelle Marke Eigenbau

Unweit des „Fahrerlagers“ steht eine Gruppe älterer Herren, die über den Kult von Simson philosophiert. Und da stehen sie denn auch, die Kultobjekte „Spatz“, „Star“, „Sperber“, „Schwalbe“ und „Habicht“. Begonnen hat die Wertschätzung für diese Gefährte vor über 60 Jahren. Zunächst war am 1. Mai 1952 der von nun an volkseigene Betrieb „VEB Fahrzeug und Gerätewerk Simson Suhl“ gegründet worden. Produziert wurden neben der AWO 425 ab 1955 auch die berühmten Mopeds, Mokicks und Roller.

Ab 1962 wurden bei Simson ausschließlich Mopeds und andere Kleinkrafträder gefertigt. „Wir sind damit groß geworden, das ist unsere Geschichte“, erzählt Gerd Pee. Und sein Nebenmann Hans-Jürgen Salm ergänzt: „Das Tolle ist doch, dass die Jugend von heute ebenfalls mit Simson fährt.“

Restauration in Eigenleistung

Gerd Pee ist mit einer Simson „Star“ aus Kroppenstedt angereist. Wie neu steht die Maschine da. „Die habe ich gerade restauriert. Die Teile wurden sandgestrahlt und in den Originalfarben lackiert. Außerdem ist vieles neu, eigentlich unbezahlbar“, schwärmt der Simson-Fan. In den vergangenen Jahren habe er sechs Sperber restauriert sowie zwei Schwalben und mehrere Mokicks wie die S50 oder die S51. Letztere wurden ab den 1980ern so begehrt, weil diese in der Regel mit 60 Kilometern pro Stunde gefahren werden dürfen. Andere Mopeds sind nur bis 50 Kilometer je Stunde oder darunter zugelassen.

Wer ebenfalls mit Gleichgesinnten philosophieren will, kann das natürlich wieder tun. Auch wenn der Termin noch nicht feststeht: Im kommenden Jahr laden die Mitglieder des „Simson Teams Bode“ wieder zum Treffen nach Alikendorf ein.