Oschersleben l Ob auf der Esse der alten Eltma in Oschersleben oder im Horst über den Ställen des Trogschen Hofes in Groß Germersleben – in den Storchennestern der Region herrscht ordentlich Leben. Schlägt Adebars Nachwuchs immer kräftiger mit den Flügeln, um selbst bald durchzustarten.

Seit vielen Jahren kümmern sich Dennis Hintze, Wolfgang Nicolai und der Beringer Thomas Sukow ehrenamtlich um die Storchenpaare der Region und um den Storchennachwuchs. „Rund um Oschersleben haben wir im Brutjahr 2019 zwölf Horstpaare registriert. Zehn Storchenpaare waren in Sachen Nachwuchs erfolgreich. So haben wir in den vergangenen Wochen 24 junge Störche beringt“, berichtet der Gröninger Wolfgang Nicolai. Er bestätigt, dass das Storchenpaar hoch oben auf der Esse der alten Eltma zwei Storchenjunge ausgebrütet hat. In Groß Germersleben auf dem Trogschen Hof gab es in diesem Jahr sogar dreifachen Nachwuchs.

Jungtieren geht es gut

Nach der Beringungsaktion können die ehrenamtlichen Naturschützer feststellen, dass es den Jungtieren gut geht, sie den Storchennachwuchs in einem guten Zustand vorgefunden haben. „Von Vorteil war sicher in diesem Jahr, dass die Altstörche in den ersten Tagen nach dem Schlüpfen die passende Nahrung gefunden haben. So war es zum genannten Zeitpunkt recht feucht und es konnten Regenwürmer gesucht werden. Das ist optimal. Eine Maus ist in den ersten Tagen einfach zu groß“, erklärt Wolfgang Nicolai.

Ob nun das Nest auf der Eltma-Esse oder auf dem Trogschen Hof – sie gibt es schon viele Jahre. Der Horst in Groß Germersleben beispielsweise soll nach Angaben der Familie Trog in den Jahren zwischen 1933 bis 1935 auf das Dach der einstigen Kuhställe gekommen sein. „Wir haben wenig neue Horste, die erfolgreich besiedelt werden. Das hat auch etwas mit der Nahrungssituation zu tun. Die ist angesichts der intensiv und großflächig geführten Landwirtschaft für die Störche nicht so gut. „Dass es auch anders geht, beweist ein Ort wie Wulferstedt. Hier gibt es inzwischen zwei Storchenpaare. Aber auch eine kleinteiligere Landwirtschaft mit Weideflächen am Großen Bruch sorgt dafür, dass sich die Störche hier wohlfühlen“, so Wolfgang Nicolai. Seit gut zehn Jahren würde die Zahl der Storchenpaare rund um Oschersleben stagnieren, waren es nie mehr als 10 bis 13 Paare. Mehr allerdings könnten in der Region auch nicht überleben, es gibt zu wenige Weiden oder Brachflächen. In Landkreisen wie Helmstedt, Wolfsburg, Gifhorn oder Braunschweig sieht die Storchenwelt ganz anders aus, gäbe es Zuwächse bei den Paaren und dem Nachwuchs von bis zu 20 Prozent.

Beringsaktion schwieriger als sonst

Die Beringungsaktion des Jahrgangs 2019 stellte sich etwas komplizierter als in den Vorjahren dar, denn die Jungtiere waren sehr unterschiedlich geschlüpft. Während die ersten schon im Mai beringt wurden, waren die letzten Jungtiere erst vor 14 Tagen dran. Aber auch finanziell sei die Aktion eine Herausforderung gewesen. Da die Landkreisverwaltung eine Haushaltssperre verhängt hat, mussten die Mietkosten für einen Steiger, mit dem die Naturschützer hoch hinauf zu den Storchennestern fahren, selbst aufgebracht werden. Tierarzt Dr. Jens Siebert aus Neuwegersleben hatte eine Spendenaktion initiiert und damit den „Storchenkümmerern“ unter die Arme gegriffen.