Oschersleben l Die Ergebnisse der repräsentativen Untersuchung „Generation Mitte“ sind deutlich. Exakt 1103 Männer und Frauen zwischen 30 und 59 Jahren hat das Institut Allensbach nach eigener Aussage befragt. 90 Prozent von ihnen erleben eine zunehmende Aggressivität im Straßenverkehr. Demnach werden Drängeln, Ausbremsen, dichtes Auffahren und Rasen immer häufiger. Ende Januar hat das Thema sogar auf dem Deutschen Verkehrsgerichtstag eine Rolle gespielt. Dort ging es sowohl darum, die Wahrnehmung der Befragten mit Zahlen zu untersetzen als auch um mögliche Ursachen und Gegenmaßnahmen.

Um das Thema in der Region zu beleuchten, hat die Volksstimme bei der Kreisverkehrswacht, dem Pressesprecher des Polizeireviers Börde und der Autobahnpolizei nachgefragt. Die Ergebnisse sind unterschiedlich. In den Augen von Klaus Glandien, dem Vorsitzenden der Kreisverkehrswacht Oschersleben im Bördekreis, ist das Problem durchaus real. „Generell muss man sagen, dass das Verhalten im Straßenverkehr eine negative Tendenz hat“, erklärt er. Ob Stoppschilder, Tempolimits oder rote Ampeln, die ignoriert werden: Es komme immer wieder zu einem mutwilligen Nichteinhalten der Straßenverkehrsordnung. „Viele machen das, was sie nicht sollen“, so Klaus Glandien. Allerdings ist nach seiner Einschätzung das Phänomen in ländlichen Gebieten nicht ganz so ausgeprägt wie anderswo.

Prävention ist wichtig

Dennoch sei vor allem Prävention wichtig. Aus diesem Grund biete die Kreisverkehrswacht auch Verkehrsschulungen für Erwachsene an. Einer der nächsten Termine sei am Dienstag, 3. März, ab 16 Uhr im Sportlerheim Völpke. Dabei werde auch eine Auswertung des Deutschen Verkehrsgerichtstages auf der Tagesordnung stehen.

Laut Matthias Lütkemüller, dem Sprecher des Polizeireviers Börde, ist es schwierig, die Umfrageergebnisse mit Zahlen zu bestätigen. Aggressivität im Straßenverkehr werde als solche nicht statistisch erfasst. Stattdessen gebe es verschiedene Delikte wie Beleidigung oder Nötigung, unter die das jeweilige Verhalten fallen kann. Auf der anderen Seite habe nicht jeder Fall von Beleidigung zwangsläufig mit dem Straßenverkehr zu tun. Das mache die Lage unübersichtlich. Aus eigener Anschauung könne er die tendenzielle Zunahme der Aggressivität nicht unbedingt bestätigen. Andererseits könne auch die Wahrnehmung von Polizisten eine andere sein. „Bei uns drängelt keiner“, erklärt Matthias Lütkemüller. Trotzdem hält der Polizei-Sprecher fest: „Wir wollen alle das Gleiche: Wir wollen von A nach B. Das geht nur gemeinsam. Wenn sich alle so verhalten, wie sie behandelt werden möchten, haben wir kein Problem.“

Keine statistischen Werte

Ähnlich wie Matthias Lütkemüller sieht es auch Doreen Günther, Sprecherin der Autobahnpolizei der Polizeiinspektion Magdeburg. Es gebe zu diesem Thema keine statistischen Werte. Auf der anderen Seite sei Wahrnehmung, wie sie in der Umfrage zum Ausdruck kommt, sehr subjektiv. „Man kann nicht sagen, dass alle Menschen aggressiv sind“, erklärt sie. Allgemein gebe es Anzeigen wegen Beleidigung im Zuständigkeitsbereich der Autobahnpolizei relativ selten. „Wir kommen mit den Fahrzeugführern gut klar und nach einem Fehlverhalten ist oft auch Einsicht vorhanden“, fasst Doreen Günther zusammen.

Konkrete Zahlen kann auch Klaus Glandien von der Kreisverkehrswacht nicht anführen. Andererseits könne er aus der Erfahrung heraus sagen, dass bestimmte Personen, „die ihre Fahrprüfung vor längerer Zeit gemacht haben“, nicht mehr unbedingt mit allen Einzelheiten der Straßenverkehrsordnung vertraut sind. Immerhin gebe es im Lauf der Zeit auch Änderungen. Da könne eine Auffrischung hilfreich sein.

Richtiges Verhalten lernen

Bei Veranstaltungen an Grundschulen und Kitas würden die Mitarbeiter der Kreisverkehrswacht den Kinder zeigen, wie man sich verhalten sollte. Einige Jungen und Mädchen würden dann freimütig erklären, dass ihre Eltern das aber ganz anders machen.

Wenn es aber zum Beispiel Vereine gebe, die sich für eine Verkehrsschulung interessieren, könnten sie sich gern unter der Telefonnummer 0172/393 33 13 melden.