Hötensleben l Seit einem halben Jahr haben die Akteure dafür mit Regisseurin Rimma Chibaeva wöchentlich geprobt. Nun war es endlich soweit, und die Bördebandenversion von „Aschenputtel“ wartete auf seine Premiere . Schnell füllte sich das Sportlerheim. Nicht nur Freunde und Verwandte der Vereinsmitglieder, sondern auch viele Theaterfreunde wollten sich diesen Leckerbissen nicht entgehen lassen. Groß und Klein fieberten der Aufführung entgegen.

„Kinder sind das Größte – und wir vom Theaterverein haben die besten abbekommen“, war gleich zu Beginn von der guten Fee in ihrer Einführung zu hören. Im Schloss, so entfaltete sich die Geschichte dem Publikum weiter, ist Feiertag, doch der König war zunächst etwas ungehalten. Warum ist nichts vorbereitet? Die fleißigen Helfer der guten Fee hatten da erstmal alle Hände voll zu tun, bevor die Einladungen zum königlichen Ball verschickt werden konnten. Eine ging auch an die Stiefmutter vom armen Aschenputtel (Helena Weihe) und ihre drei Töchter.

Zauberhaft für über 9 Minuten

Aschenputtel hatte unter der Stiefmutter und deren leiblichen Kindern ein hartes Leben. Das erzürnte sogar die gute Fee. „Die Stiefmutter sowie Anna, Marie und Marianne sind hartherzig, denken nur an sich, die Sorgen der anderen interessieren sie nicht und die Arbeit von Aschenputtel wissen sie einfach nicht zu schätzen.“ Aber eine Fee wäre schließlich keine Fee, wenn ihr da nicht etwas einfallen würde.

Bilder

Natürlich schafft es auch das fleißige Aschenputtel dank der Hilfe der guten Fee zum Ball und niemand erkennt sie dort – nicht einmal die eigene Familie. Beim Ball lernt Aschenputtel schließlich den Prinzen (Leon Schröder) kennen. Für das rauschende Fest hat der König aber auch den besten Zauberer engagiert, und der entführt alle in das zauberhafte Land. Für 9 Minuten und 9 Sekunden ist jeder dort, wo es für ihn am schönsten ist. Sei es eine Parfümerie, ein Gerichtssaal oder ein Schuhgeschäft. Endlich haben der Prinz und Aschenputtel Zeit füreinander. Doch, oje, Aschenputtels Zeit ist abgelaufen. Hals über Kopf muss sie den Ball verlassen und verliert ihren goldenen Schuh.

Auch der König hatte das liebliche Aschenputtel kennen und schätzen gelernt – und so sendet er die Gehilfen der guten Fee aus, sie zu finden. Keine leichte Aufgabe. Doch am Ende sind die Liebenden vereint und es erweist sich, so der König, dass „man ehrlich, anständig und liebevoll durchs Leben gehen soll.“

Dank an fleißige Helfer

Der Bördebande ist es mit der charmanten Inszenierung wieder einmal gelungen, sich in die Herzen der Zuschauer zu spielen. Immer wieder gab es Szenenapplaus, und am Schluss brandete der verdiente Lohn der Künstler in Form eines tosenden Beifalls auf. Im Namen der Zuschauer bedankte sich Brigitte Stöckel bei Rimma Chibaeva und den Darstellern für die gelungene Aufführung.

Eine solche, das ist auch das Selbstverständnis der Laienspielgruppe, spielt sich jedoch nicht nur auf den Brettern, die die Welt bedeuten, ab. In Hötensleben gab es in der Spielpause selbstgebackenen Kuchen und kühle Getränke für die Zuschauer und rundeten so das kulturelle Erlebnis ab.

Da der Verein noch immer keine eigenen Räumlichkeiten hat, müssen Bühne und Requisiten vor den Aufführungen auf- und anschließend wieder abgebaut werden. Das ist logistisch für die kleine Gruppe eine große Herausforderung. Besonders dankbar ist man deshalb für die vielen fleißigen und helfenden Hände. Ein Dank gilt auch Jörg Lange, der die Stücke stets auf DVD bannt. Nicht zu vergessen Marco Schulz, der kurzfristig bei der Technik mit eingesprungen war.

„In unserer Aufführung haben Kinder und Erwachsene zusammen gespielt. Das hat sehr gut geklappt“, freute sich Rimma Chibaeva nach der Premiere. Vereinschefin Sieglinde Ziehm gab das vielfach geäußerte Lob über das wunderbare Bühnenbild samt Dekoration an Steffi Grünke weiter: „Unter ihren geschickten Händen ist das alles entstanden.“

So ein Theaterstück ist also ein Gesamtkunstwerk, das in Hötensleben am Wochenende – am Sonntag folgte die zweite Vorstellung – einmal mehr zu beeindrucken wusste und aus dem kulturellen Leben des Ortes nicht mehr wegzudenken ist. Für die Zuschauer währte die Zeit im zauberhaften Land jedenfalls nicht nur 9 Minuten und 9 Sekunden, sondern das gesamte Stück über.