Völpke l „Klassisch“, murrt Michael Hühne in den Raum und zieht seine Pfeile aus der Scheibe. Die Aufnahme, so nennen Darter eine Wurfrunde von drei Pfeilen, hat nur zu 26 Punkten gereicht – ein Ergebnis, das jedem Hobbyspieler nur allzu vertraut ist, kommt es doch beim Werfen auf die 20 – vorzugsweise so, dass sie direkt dreifach zählt – recht häufig vor, dass nur ein Pfeil das Ziel halbwegs trifft und die beiden anderen in die 5 und in die 1 „abrutschen“. Dieses Trefferbild ist so berüchtigt, dass es vielerorts viele Namen hat, in Völpke sagt man dann schlicht „klassisch“, weil es eben genau das ist. Der lange Michi zeigt nur eine Runde später, dass er es auch weniger klassisch kann und sein nur etwa 20 Gramm schweres Werkzeug durchaus beherrscht: Satte 100 Punkte kann er sich nun eintragen lassen, um sogleich die ewige Jagd nach dem perfekten Wurf wieder aufzunehmen…

Eigene Abteilung gegründet

Das stete Auf und Ab des Amateurdarters wird in Völpke seit gut drei Monaten regelmäßig durchlebt. „Wir hatten schon öfter in der Turnhalle nach dem Tischtennistraining Dart gespielt und uns eines Tages gefragt, ob wir es nicht mit einer eigenen Abteilung dafür versuchen wollen, denn schließlich ist Dart eine absolute Trendsportart und für jedermann geeignet“, erklärt Gründungsmitglied Thomas Müller, der den Ball ins Rollen beziehungsweise die Pfeile ins Fliegen gebracht hat. „Im Oktober haben wir dann angefangen.“

Bürgermeister hat unterstützt

Die Gemeinde hat dem TTV dafür Räume in der ehemaligen Schule zur Verfügung gestellt. „Dabei hat sich unser neuer Bürgermeister, Kai Bögelsack, als Mann der Initiative erwiesen und uns ganz unproblematisch geholfen“, so Müller. „Wir spielen jetzt immer mittwochs ab 19 Uhr in einem der alten Klassenräume, zu DDR-Zeiten war er das Lehrerzimmer der Juri-Gagarin-Oberschule.“

Zuspruch war sofort da

Dieses haben die Dartfreunde renoviert und für ihre Zwecke ausgestattet. Die Schultafel ist geblieben, „die eignet sich hervorragend zur Tabellenübersicht, wenn wir unsere kleinen Trainingsturniere spielen“.

Mit dem Zuspruch für das wöchentliche Abendangebot in Gemeinschaft ist Thomas Müller bislang sehr zufrieden: „Wir hatten es bei Facebook öffentlich gemacht und so auf Anhieb sieben Neulinge rekrutieren können.“ Darunter Daniela Wiese, die seither gern mit ihrem Mann Maik auf ein paar Pfeile vorbeikommt, sofern es die Zeit erlaubt: „Wir haben das im Netz gesehen und hatten beide Bock drauf. Es macht Spaß und ist eine Herausforderung, mit den Jungs mitzuhalten“, so die Völpkerin.

Ein drittes Board in Sicht

Der Bedarf, meint Thomas Müller, „scheint weiter zu wachsen“. Möglicherweise werde demnächst noch ein drittes Board (Fachjargon für die Scheibe) aufgehängt. Manche der Stammwerfer nehmen auch längere Wege in Kauf, kommen aus Harbke oder Neuwegersleben oder trudeln gar aus Magdeburg ein, um hier einen netten Abend zu verbringen. Thomas Müller legt dabei Wert auf die Betonung, „dass neue Gesichter zwar immer gern gesehen sind und Musik und eine Flasche Bier dazugehören, das hier aber keinen Kneipencharakter bekommen wird, denn der Sport steht für uns im Vordergrund“.

Steeldart und Handy-App

Nicht zuletzt deswegen hat man sich bei der Abteilungsgründung auch darauf verständigt, sich hier dem klassischen, dem Steeldart zu verschreiben. „Das ist für uns das echte Darten“, stellt Müller fest. Das bedeutet auch, dass ein wenig Kopfarbeit angesagt ist, weil die Treffer nicht elektronisch erfasst und berechnet werden. Damit der Spaß am Werfen nicht gänzlich der Mathematik zum Opfer fällt, behilft man sich beim Abwärtszählen – gespielt wird meist traditionell das auch beim Profidart vorrangig betriebene 501 double-out – mit einer Handy-App.

Und für unbedarfte Anfänger haben die „Völpker Triple Hunter“ eine Sonderregel: „Sie müssen nicht das abschließende Doppel treffen, um die Punkte auf null zu bringen.“