Schule und Beruf

Vom Gröninger Lernkombinat zum Bildungsstandort Börde-Campus

Viel Mut hatte vor 30 Jahren Gotthard Dittrich bewiesen, als er im Namen des Unternehmens Dr. Rahn und Partner in Gröningen die Ausbildungsstätte des einstigen Kombinates für Landtechnik kaufte - in einer Zeit, als massenhaft staatliche Schulen schlossen – und vor zehn Jahren eine Freie Sekundarschule gründete. Inzwischen gibt es einen Schulneubau, ist das Bildungsangebot um den gymnasialen Zweig erweitert worden.

Von Yvonne Heyer 05.07.2021, 08:09
Die Eltern von Ian Bieneck (l.) haben  den ersten Vertrag mit der Schule geschlossen. Klaus Lindner (r.)  ist ein „Lehrer der ersten Stunde“.
Die Eltern von Ian Bieneck (l.) haben den ersten Vertrag mit der Schule geschlossen. Klaus Lindner (r.) ist ein „Lehrer der ersten Stunde“. Foto: Yvonne Heyer

Gröningen l 30 Jahre Wirtschaftsakademie, 10 Jahre Freie Sekundarschule und 5 Jahre Freies Gymnasium: In der Rahn Education Gröningen gab es am 1. Juli 2021 gleich dreifach einen Grund, das Glas zu erheben, 30 Jahre Bildungsarbeit in Gröningen zu feiern. Die Macher der ersten und aktuellen Stunde gaben vor zahlreichen Gästen einen Einblick in die Bildungsvielfalt am Börde-Campus. Dieser ist im Verlauf der vergangenen 30 Jahre entstanden. Getragen vom Credo „Bildung ist lebensbegleitendes Lernen“ etablierte die Rahn Education in Gröningen einen Bildungsort, der Sekundarschule, Gymnasium und berufliche Ausbildungsmöglichkeiten für insgesamt 600 Lernende vereint. 

Der Bildungsträger bietet mit dem Berufsbildungszentrum Gröningen seit 1991 am Hauptstandort Gröningen und den Außenstellen Oschersleben, Magdeburg und Haldensleben Aus- und Weiterbildungen, Erstausbildung und Umschulungen im gewerblich-technischen und Dienstleistungs-/kaufmännischen Bereich, Berufsorientierung sowie Sprachausbildung an. Die Arbeit erfolgt praxisnah und auf hohem Stand des aktuellen Wirtschaftswissens. So werden die Teilnehmer gezielt auf den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt vorbereitet. An der Außenstelle in Oschersleben bietet das Haus der Integration seit 2017 ganzheitliche Unterstützung und Integrationsleistungen, Sprachausbildung sowie sozialfachliche Betreuungsleistungen an. „Goethepromenade, dieser Straßenname ist in Deutschland wohl einmalig. Hier in Gröningen steht dieser Name für ein hohes Bildungsniveau, dem wir immer gerecht werden wollen“, erklärte Dirk Petri, in der Campusleitung für die Berufsausbildung verantwortlich. Ihm, wie auch dem Ehepaar Petra und Detlef Höltge, wurde als Mitarbeiter der ersten Stunde besonders gedankt.

Gotthard Dittrich erinnert sich noch sehr gut an seinen Notartermin in Magdeburg. Ein heißer Tag war der 1. Juli 1991, als er von der Treuhand den einstigen Kreisbetrieb für Landtechnik erwarb. „Ich habe unendlich viele Papiere unterschrieben und alles richtig gemacht“, sagt der Geschäftsführer heute. Er selbst hätte sich vor 30 Jahren nicht vorstellen können, dass zur Erfolgsgeschichte eine Sekundarschule plus Gymnasium einschließlich Schulneubau gehört. Schon jetzt platzt die Schule aus allen Nähten, wurde das Gebäude der hiesigen Grundschule dazu gekauft. Dort werden ab dem neuen Schuljahr die ersten zwei Klassen, die 10. Klassen, unterrichtet. Gotthard Dittrich ist überzeugt, dass in der einstigen Kirche eine besondere Aula entsteht.

Schulleiter Thomas Scholz erinnert daran, dass mit der Gründung der Freien Sekundarschule Gotthard Dittrich ein Versprechen eingelöst hat. Er hatte seinerzeit versprochen: Wenn die staatliche Schule schließt, wird Bildung in Gröningen mit einer Freien Sekundarschule fortgeschrieben. Und diese Schule entstand zu einer „Unzeit“. Vor zehn Jahren wurden massenhaft Schulen geschlossen, gingen die Schülerzahlen zurück. „Ich wurde Teil dieses Wahnsinns und wusste bis dato nicht einmal, dass es die Stadt Gröningen gibt. Der Börde-Campus wächst weiter, heute lernen 400 Schüler in der Bodestadt, werden von 28 Lehrern unterrichtet.

„Wir werden die Schule weiter erfolgreich entwickeln. Der Börde-Campus ist heute ein fester Bestandteil der Bildungslandschaft in der Börde. Eine enge Zusammenarbeit gibt es mit den anderen Schulen der Region. Wir sind Partner, keine Konkurrenten“, so Scholz. Er wünschte sich für den Jubiläumstag viele gute Gespräche. „Was erwarten Politik und Wissenschaft heute von Schule? Was können wir aus der momentanen Krise lernen, wie kann eine lebenstaugliche Bildung gestaltet werden?“, warf Thomas Scholz schon mal einige Fragen in die Runde.

Zu den Machern der ersten Stunde wie Thomas Scholz gehören Sekretärin Viktoria Großhennig und seine Stellvertreterin Christina Grafe.

Auch der Schüler, dessen Eltern den ersten Vertrag unterschrieben haben, war zur Feierstunde gekommen. Der inzwischen 21-jährige Ian Bieneck aus Großalsleben befindet sich aktuell in der Erzieherausbildung. Der erste angestellte Lehrer ist Klaus Lindner, er ist noch heute dabei, unterrichtet vor allem Informatik, auch Mathe und Astronomie.

Der Schulneubau auf dem Börde-Campus wurde 2018 in  Gröningen bezogen.
Der Schulneubau auf dem Börde-Campus wurde 2018 in Gröningen bezogen.
Foto: Yvonne Heyer