Neindorf l Das Kutscherhaus des ehemaligen Hotels Hubertushöhe soll künftig auch der Umweltbildung dienen. Mit diesem Vorhaben hat sich der Kreistag bei seiner jüngsten Sitzung beschäftigt. Allerdings wurde das Thema in den nichtöffentlichen Teil verschoben, weil es unter anderem um Vertragsdetails ging.

In einem ersten Bericht hatte die Volksstimme Einzelheiten aus den Sitzungsunterlagen vorgestellt. Demnach ist das sogenannte Waldpädagogikzentrum für Kita-Kinder und Schüler gedacht - aber auch für Senioren, Menschen mit Behinderung oder mit Migrationshintergrund. Unter anderem gehe es darum, „die Wechselwirkung zwischen menschlichem Handeln und der Umwelt auf besonders plastische Weise näher zu bringen.“ Auf diese Weise sollen die Besucher zu einer nachhaltigen Lebensweise motiviert werden. Gleichzeitig gehe es darum, die Erholungs- und Erlebnisfunktion des Hohen Holzes zu stärken.

Am Montag, 24. August, soll sich der „Fachausschuss Kreisentwicklung und Finanzen“ mit diesem Thema befassen. Die Sitzung beginnt um 17 Uhr im Haldensleber Landratsamt. Nun gab es allerdings schon am Montagabend weitere Informationen. Anlass war eine Sitzung der CDU-Kreistagsfraktion auf Hubertushöhe.

Dabei ging Landrat Martin Stichnoth auf weitere Details ein. Wie er erklärte, gibt es die Idee für das Projekt schon seit mehreren Jahren. Bereits 2017 habe der Kreistag beschlossen, gemeinsam mit dem privaten Eigentümer der Hubertushöhe ein Nutzungskonzept zu entwickeln. Damals ging es noch um ein „Wald- und Agrarzentrum“. Durch den Beschluss sei der Landrat damit beauftragt worden, einen Mietvertrag auszuhandeln. Der sei im September 2018 abgeschlossen worden. Demzufolge hat der Landkreis die Möglichkeit, das Kutscherhaus an 185 Tagen im Jahr zu nutzen. Neben der Waldpädagogik seien auch Tagungen, Beratungen oder kulturelle Veranstaltungen denkbar. Eine Broschüre zu dem Objekt ist laut Martin Stichnoth bereits in Arbeit.

Anfang 2019 seien beim Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt zwei Förderanträge für das Pädagogikzentrum eingereicht worden. Beim ersten geht es um die Stelle eines „Waldkümmerers“. Er soll das Projekt mit Leben füllen und unter anderem Kontakt zu verschiedenen Netzwerkpartnern halten - wie zum Beispiel zu Wald-, Natur- und Umweltverbänden oder dem Haus des Waldes in Hundisburg. Beim zweiten Förderantrag geht es laut Martin Stichnoth um die Finanzierung des „Bildungsinventars“. „Die Anträge sollen noch 2020 bewilligt werden“, führte der Landrat aus. Es gehe um Mittel aus dem europäischen Förderprogramm Leader.

30.000 Euro Miete pro Jahr

Als Miete für die Mitbenutzung des Kutscherhauses fallen jährlich rund 30.000 Euro an. Dabei handelt es sich laut dem Fraktionsvorsitzenden Guido Heuer um „gut angelegtes Geld“. „Ich halte das für eine sehr sinnvolle Einrichtung. In Zeiten des Klimawandels ist es wichtig, die Jugend an den Wald und die Umwelt heranzuführen“, erklärte Heuer.

Gebaut worden ist die Hubertushöhe in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts von Alexander von Asseburg. Nach der Wende wurde es vom Landkreis Oschersleben an eine Privatperson verkauft. Es folgten mehrere Eigentümerwechsel.

„Wir haben die Hubertushöhe kurz nach der Wende verkauft, weil wir damals gesagt haben: Wir können als Gebietskörperschaft keine Gaststätte betreiben, sondern müssen das in private Hand geben“, erinnerte der ehemalige Landrat Hans Walker. Das habe zunächst gut funktioniert. Letztlich habe die Gaststätte aber schließen müssen. Zwischenzeitlich habe es große Probleme mit Vandalismus gegeben. „Die ganze Anlage ist binnen kürzester Zeit zerlegt worden. Es war ein Trauerspiel“, so Hans Walker.

Der aktuelle Eigentümer von Hubertushöhe möchte namentlich nicht genannt werden. Er erklärte jedoch, dass das ehemalige Hotel vor allem nach dem Ersten Weltkrieg und in der DDR eine Hochphase erlebt habe. Im Unterschied zum Kutscherhaus ist das Hauptgebäude derzeit nicht nutzbar. Laut dem Eigentümer gibt es jedoch Überlegungen für eine Sanierung. Ende des Monats finde dazu ein Termin mit der zuständigen Denkmalschutzbehörde statt.

Um auf Hubertushöhe wieder eine öffentliche Gaststätte einzurichten, müssten noch verschiedene Voraussetzungen erfüllt werden. Letztlich sei das aber geplant, so der Eigentümer.

Im Hinblick auf das Waldpädagogikzentrum erklärte Guido Heuer: „Es wäre meine Empfehlung, dass wir uns hinter dieses Projekt stellen.“ Naturschutz, Bildung, Tourismus und die Wirtschaft würden sich auf Hubertushöhe verbinden. Es sei gut, wenn ein Unternehmer etwas privat übernehme und es dennoch für die Öffentlichkeit nutzbar mache.

Fraktionsmitglied Frank Nase erklärte, dass die Hubertushöhe in Kombination mit weiteren Angeboten, wie zum Beispiel einem Tiergehege, zu einem „Kleinod der Entschleunigung“ werden könne.

„Wir fordern die Verwaltung auf, ein tragfähiges Konzept für die Hubertushöhe unter den Gesichtspunkten Naturschutz, Tourismus und Wirtschaft zu erarbeiten“, so Guido Heuer.