Hadmersleben/Klein Oschersleben l Seit einigen Jahren schon organisiert der Tourismusverband Elbe, Börde, Heide die „Salzige Tour“. Denn: Das „weiße Gold“ der Magdeburger Börde ist nicht nur süß. Vielmehr brachten salzig schmeckende Kristalle der Region schon lange vor der Zuckerrübe Reichtum und Wohlstand.

Auch in Hadmersleben wurde einst Salz abgebaut. Und somit beteiligte sich der Oschersleber Ortsteil an der „Salzigen Tour“ in der Entdeckerregion Hadmersleben. In der Heimatstube der Kleinstadt berichtete Leiterin Melitta Glötzl den Gästen, angereist beispielsweise aus Hötensleben und Parey, über den Salzabbau. Dieser begann zu Beginn des 20. Jahrhunderts und endet nach dem zweiten Weltkrieg. Der „Schacht“, wie das Areal am Ortsrand auch jetzt noch bezeichnet wird, ist noch heute in aller Munde, auch weil sich mit den unterirdischen Schächten das Schicksal von mehreren Tausend KZ-Häftlingen verbindet.

Etwa 1943/44 wurde auf der Schachtanlage Hadmersleben eine Außenstelle der AGO-Flugzeugwerke Oschersleben aufgebaut. Als Arbeitskräfte mussten KZ-Häftlinge herhalten. Von zwei Schicksalen berichtete Melitta Glötzl, eine Ausstellung ist dazu in der Heimatstube zu sehen. Sie erzählte von Viacheslaw Gorlinskyi, der im April 1944 als KZ-Häftling nach Hadmersleben in die Außenstelle des Konzentrationslagers Buchenwald kam. Gemeinsam mit seinem Sohn Olexander besuchte er im April 2012 Hadmersleben, kam noch einmal an den Ort des Schreckens zurück. Unter Tage haben die Männer unter unmenschlichen Bedingungen Teile für Jagdflugzeuge fertigen müssen.

Arbeiten fanden Weg nach Hadmersleben

Auch der Italiener Giulio Cargnelutti war als politischer Häftling in Hadmersleben gefangen. Der Künstler Cargnelutti hielt auf Karten, Arbeitsblättern, Türschlössern, was auch immer sich ihm bot, das fest, was er tagtäglich erleben musste. Die Arbeiten, die während seiner KZ-Zeit entstanden, stellte die Familie nach dem Tod des Familienoberhauptes 2007 der Verwaltung der Gedenkstätte Buchenwald zur Verfügung. Und schließlich fanden die Arbeiten ihren Weg nach Hadmersleben. Die Besucher der „Salzigen Tour“ konnten sie am Sonnabend in Augenschein nehmen.

Die „Salzige Tour“ ist also Geschichte, nun folgt die Süße, die Zucker- und Rübentour, ebenfalls seit Jahren vom Tourismusverband Elbe, Börde Heide organisiert. In diesem besonderen Jahr 2020 soll die „Süße Tour“ am 17. Oktober in der Region über die Bühne gehen. Doch was ist in diesem Jahr überhaupt möglich? Welche Standorte sind mit dabei? Diese und viele andere Fragen wurden in diesen Tagen im Klein Oschersleber Gemeindesaal geklärt, wenn auch etliche Fragen offen blieben. In den Saal hatten die Hadmersleber Eisenbahnfreunde eingeladen, die alljährlich entlang der Zucker- und Rübenroute das Regionale Eisenbahnmuseum „Feldmann“ am Hadmersleber Bahnhof in Klein Oschersleben öffnen. Auch in diesem Jahr, ein Jahr mit vielen Rätseln, wie es Oscherslebens Hauptamtsleiterin Christiane Klare beezeichnete, wollen sich die Eisenbahnfreunde beteiligen.

Tourismusverbands-Chefin, Irene Mihlan, wertete zunächst die Tour des Vorjahres aus. Es gab viele Stationen und Angebote, die eine unterschiedliche Resonanz erfuhren.

In diesem Jahr jedoch ist die Liste der Angebote noch sehr begrenzt, sehr mager, wie Irene Mihlan meint. Lediglich sieben Stationen stehen fest plus geführter Radtour des ADFC. Feste Ziele und echte Zugpferde aus den Vorjahren, wie die Führung in der Zuckerfabrik Klein Wanzleben, sind bereits abgesagt.

Noch ist Zeit bis zum 17. Oktober, einen „Schlachtplan“ zu entwerfen, neue Zugpferde zu finden, die auch in Zeiten einer Corona-Pandemie die Menschen anlocken können und möchten. Mit der mageren Liste zeigt sich die Ungewissheit, was der Herbst in Sachen Corona bringen könnte. Und eben weil vieles ungewiss ist, solle auf das Drucken von Flyern verzichtet werden. Mit einer Werbung im Internet könne schneller reagiert werden.