Wulferstedt l Gemeinderatsmitglied Rainer Dippe (CDU) kennt die Situation in seinem Heimatort nur zu genau. „Es vergeht keine Woche, in der ich nicht von Bürgern angesprochen werde, die gern eine Wohnung hätten oder gar ein Eigenheim bauen würden“, sagt er. „Da kann ich dann leider nur vertrösten.“ Ein besonderer Punkt sei eben, dass es in dem Ort kein klar ausgewiesenes Baugebiet gibt. Die Verwaltung der Verbandsgemeinde Westliche Börde bestätigt die Nachfrage nach Wohnraum. So gebe es tatsächlich bis zu zehn Nachfragen von Interessenten, die gern eine Haus bauen würden.

Eine Lösung hat Dippe dazu aber schon parat. „Wir sollten im Rat der Gemeinde Am Großen Bruch die Umwidmung des Gewerbegebietes diskutieren“, schlägt er vor. „Das würde Kosten sparen und gebaut hat bis jetzt dort sowieso noch niemand.“ Machbar sei dies, bestätigt die Verwaltung der Verbandsgemeinde auf Volksstimme-Nachfrage.

Private Investoren sanieren

Gegen das spezielle Wohnraumproblem anzugehen, gehöre jedoch nicht zu den Pflichtaufgaben der Gemeinde, betont Dippe. „Allerdings sehe ich da Lösungsmöglichkeiten. Wir können uns nicht immer darauf verlassen, dass Privatleute in diese Bresche springen.“

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Einer dieser privaten Investoren ist Thomas Beusse. „Ich habe vor gut fünf Jahren drei Wohnungen ausgebaut“, erzählt er. „Die Größe im 50-Quadratmeter-Bereich ist sehr gefragt. Es gibt auch eine gewisse Fluktuation. Allerdings hatte ich noch keinen Leerstand, da oft schon das Gerücht ausreicht, dass eine Wohnung frei wird.“ Es herrsche eine beständige Nachfrage.

Diese Erfahrung hat auch schon der Wulferstedter Hans-Jürgen Goppold gemacht. Er ist im Augenblick dabei, vier Wohnungen auszubauen. „Sobald mein Entschluss sich herumgesprochen hatte, habe ich viele Nachfragen erhalten“, sagt er. „Ich hätte schon vor zwei Jahren vermieten können. Bis Mitte 2019 will ich die ersten drei Wohnungen fertig haben.“ Der Bedarf sei seiner Meinung aber noch größer. „Wer hier in Wulferstedt ein Haus ausbaut, der findet auch sofort Mieter“, sagt er.

Finanzierung mit einem Kredit

Rainer Dippe kennt die Aussagen der beiden Privatleute und hat auch eine Lösung parat. „Wir haben bei uns nur zehn Wohnungen in Gemeindehand, sieben davon sind vermietet. Bei den anderen ist der Standard einfach zu niedrig.“ Es gebe allerdings ein interessantes Konzept, welches im Auftrag der Gemeinde Am Großen Bruch angefertigt worden sei. „Das betrifft das Haus in der Grünen Straße 71“, erklärt er. „Die Verbandsgemeinde hat im Auftrag des Gemeinderates das Konzept anfertigen lassen. Erhalten haben wir die Ergebnisse Mitte letzten Jahres.“ Im Volksmund wird das Objekt nur „Kertings Haus“ genannt, nach einem Lehrer, der einst hier gewohnt hat.

„Die Wohnungen sind nicht voll vergeben, da in einigen Einheiten mal gerade alter DDR-Standard vorhanden ist“, erzählt er weiter. „Zu erreichen wäre hier die Errichtung von sechs modernen Wohneinheiten.“ Finanziert werden würde die Sanierung laut Konzept (liegt der Redaktion vor) über einen langfristigen Kredit. Dabei werden zwei Varianten vorgeschlagen. 400.000 Euro werden in Variante eins veranschlagt. Diese beinhaltet die Rundumsanierung einschließlich Fassade. „Man muss aber beachten, dass hier eine Förderung von 140.000 Euro machbar ist“, hebt Dippe hervor. Die Variante zwei favorisiert den Innenausbau und sieht etwa 280.000 Euro vor. In dem Fall sei eine Förderung für die Fenster möglich.

„Schon bei einer Zwei-Drittel-Belegung der Wohnungen ist das Ganze ein Null-Summen-Spiel“, erläutert das Ratsmitglied. Bei Vollbelegung könne die Gemeinde noch Geld zurücklegen. Die halte er, angesichts der großen Nachfrage, für absolut machbar.

Wulferstedt hat die meisten Einwohner

„Wir würden drei Fliegen mit einer Klappe schlagen“, sagt Dippe. „Die Schaffung von modernem Wohnraum, der Erhalt eines historischen Objektes im Dorfkern und die Generierung von Einnahmen.“ Als gutes Beispiel nennt er die Modernisierung von Wohnraum in Hamersleben. „Die sanierten Einheiten sind wie die warmen Semmeln weggegangen“, sagt er. Wulferstedt habe zudem von allen Orten der Gemeinde Am Großen Bruch die meisten Einwohner – aktuell sind es 745. „Dies und das große Interesse, im Ort auch weiterhin wohnen und leben zu wollen, sollte uns im Gemeinderat zum Nachdenken anregen“, befindet er. Seine Argumente wolle er dort gern noch einmal vortragen. „Wir müssen zusehen, dass wir den Menschen auf dem flachen Land etwas anbieten, dass sie sich bei uns wohlfühlen und ansiedeln“, betont er.

Das sieht der Bürgermeister der Gemeinde Am Großen Bruch, Klaus Graßhoff (SPD), durchaus ähnlich „Natürlich sind wir über jeden Bürger froh, der in unseren Orten leben will“, sagt er: „Ich habe mich mit der Verwaltung der Verbandsgemeinde über die vorliegenden Anfragen in Sachen Wohnbebauung unterhalten.“ Sollte das Gewerbegebiet in Wulferstedt umzuwidmen sein und der Bedarf bestehen, dann könne im Gemeinderat ohne weiteres darüber gesprochen werden.

Die Sanierung des Objektes „Kertings Haus“ sei seiner Meinung nach im Augenblick so nicht zu machen. „Uns fehlt schlicht und ergreifend aktuell das Geld im Haushalt“, sagt er. „Wir hoffen auf Fördermittel für das immer wieder verschobene Regenwasserprojekt in Wulferstedt, um es dann endlich umsetzen zu können.“ Außerdem stehe die Sanierung der örtlichen Kindertagesstätte zunächst im Fokus. Dieses Vorhaben wird laut Verbandsgemeinde derzeit mit einem Kostenaufwand von 1,35 Millionen Euro beziffert.

An Klaus Graßhoff selber seien in seiner Funktion als Bürgermeister noch keine Bürger herangetreten und hätten nach verfügbaren Wohnungen in Wulferstedt gefragt. Im Rat habe man schon über den Verkauf der Immobilie in der Grünen Straße 71 gesprochen, allerdings noch keine endgültige Entscheidung getroffen.