Oschersleben | Die Wohnungsbau und -Verwaltungsgesellschaft Bewos Oschersleben sieht sich mit dem Vorwurf konfrontiert, das Unternehmen als 100-prozentige Tochter der Stadt Oschersleben würde seiner sozialen Verantwortung nicht nachkommen. Die Mieten wären zu hoch, es gäbe keinen Wohnraum für Migranten.

Volksstimme: Herr Harborth, wie unsozial agiert die Bewos. Wie hoch sind die Mieten? Gibt es keinen bezahlbaren Wohnraum in Oschersleben?

Thomas Harborth: Im Bestand der Bewos sind 1651 Wohnungen, vornehmlich in der Kernstadt, aber auch in Hadmersleben, Hornhausen, Schermcke und Ampfurth. Der durchschnittliche Mietpreis lieg bei 4,93 Euro (Kaltmiete). Bei etwa vier Prozent, 18 Wohnungen um exakt zu sein, liegt der Mietpreis bei 3,75 Euro und weniger. Ebenso vier Prozent der Mieter zahlen mehr als acht Euro, beispielsweise für eine Wohnung in der Burg. Für über die Hälfte unserer Wohnungen gilt, dass die Miete zwischen vier und fünf Euro liegt. Immerhin 40 Prozent unserer Mieter sind Hartz-IV-Empfänger. Das heißt, sie zahlen im Schnitt 4,40 Miete. Dass wir unserer sozialen Verantwortung nicht gerecht werden, stimmt so also nicht.

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Volksstimme: Welche Auswirkungen hat die Tatsache, dass 40 Prozent ihrer Mieter Hartz-IV-Empfänger sind?

Thomas Harborth:Mit den Mieten in dieser Höhe kommen wir in unserer und der städtebaulichen Entwicklung nicht weiter, können nicht die erforderlichen Erträge für weitere Investitionen erwirtschaften. Schließlich haben wir auch eine Verantwortung gegenüber der Stadt und ihrem Aussehen. In Kürze können wir die Sanierung der Hermann-Duncker-Straße abschließen. Für die Sanierung der Wohnungen haben wir Fördermittel bekommen, Bedingung war, dass es sich um Wohnungen für Mieter mit Wohnberechtigungsschein handelt.

Volksstimme: Wie schätzen Sie den Zustand des Wohnungsbestandes ein?

Thomas Harborth: Etwa 95 Prozent der Wohnungen sind zumindest teilsaniert. Zieht ein Mieter aus, wird auch renoviert, Bäder saniert. Auf schlechtem Niveau wollen wir die Wohnungen nicht neu vergeben. Oft sind es die neuen Mieter selbst, die beim Renovieren mit anpacken. Das entlastet unseren Haushalt, denn gerade die Kosten für Handwerker sind enorm gestiegen.

Volksstimme: Neubauten hat es in den vergangenen Jahren kaum gegeben?

Thomas Harborth: Im Gegenteil. Die Bewos hat seit 2004 über 200 Wohnungen zurückgebaut bzw. abgerissen, jedoch auch insbesondere barrierefrei und barrierearm neue Häuser errichtet. Der Wohnungsleerstand in der Kernstadt liegt bei ca. fünf Prozent, mit den Ortsteilen bei sieben bis acht Prozent. Bedarf für Wohnungsneubau besteht für Oschersleben für uns als Bewos derzeit nicht, eher für Sanierungen im Bestand. Zumal wir für einen Neubau einen Mietzins von mindestens acht Euro, kalt, nehmen müssten. Für Neubauten oder ähnliche Projekte haben wir uns Kooperationspartner wie das DRK gesucht, auch um alters- und behindertengerechten Wohnraum zu schaffen. Gemeinsam setzen wir aktuell das Projekt Stadtbäcker und Stadtmühle um. Eine Ausnahme hinsichtlich eines Neubaus sehe ich in dem neuen Wohnhaus in der Lindenstraße. Hier fügt sich ein neues Wohnhaus gut in die Straßenzeile ein, nachdem ein leer stehendes Haus und unansehnliches Gebäude abgerissen worden war.

Volksstimme: Zum Thema Migranten und Flüchtlinge. Wie wird die Bewos in dieser Hinsicht ihrer Verantwortung bewusst?

Thomas Harborth: Wir vermieten aktuell ca. 60 Wohnungen an Personen mit Migrationshintergrund. Zusätzlich halten wir mit den Maltesern als Partner 200 Plätze in den Gemeinschaftsunterkünften vor und verwalten Wohnungen für private Eigentümer, die auch an Flüchtlinge vermieten. Zahlreiche Familien, die als Flüchtlinge oder Asylbewerber gekommen sind, sind heute ganz ‚normale‘ Mieter in Bewos-Wohnungen. Ich möchte betonen, dass wir in Sachsen-Anhalt die ersten Vermieter waren, die aktiv mit den Behörden Wohnraum im Zuge der Flüchtlingsunterbringung mit hohem personellen Aufwand aktiviert haben.

Volksstimme: Wo sehen Sie Reserven, wo muss die Bewos „nachlegen“?

Thomas Harborth: Uns fehlt es an kleinen Wohnungen. Es erweist sich als schwierig, diese in den vorhandenen Wohnhäusern zu schaffen.