Osterburg l Es gibt Grenzen, doch, doch. Joachim Fricke würde weder ein Lichternetz aufs Dach legen, an die Hauswand hängen oder gar auf den Rasen legen. Es wird auch niemals richtig hektisch umherblinken an der Ecke Bismarker Straße/Drosselweg. „Ich mag es nicht, wenn die Konturen des Hauses verschwinden“, sagt der 60-Jährige. Ganz im Gegenteil werden die Linien hervorgehoben, mit Lichterketten, die etwa Verzierungen des Zaunes betonen oder die Fensterfaschen einrahmen. Gerne bunt und üppig sowieso. Joachim und Birgit Fricke haben ein so genanntes Weihnachtshaus. Ein Haus, von dem ganz viele Menschen wissen, dass es zur Weihnachtszeit über alle Maßen geschmückt ist.

Das hat irgendwann harmlos angefangen. 2001 zog die Familie aus dem Neubau in die Bismarker Straße. Die Tochter erfreute sich an der Beleuchtung und der Papa kaufte dazu, von Jahr zu Jahr mehr. Ketten, Schläuche, Netze, Figuren, Projektionen – die Ware kommt aus dem Baumarkt oder aus dem Internet. „Manches direkt aus Amerika“, sagt Joachim Fricke – das Weihnachtshaus sei vor allem sein Spleen. In diesem Jahr hat er „bestimmt 40 Dreiersteckdosen“ in sechs Stromkreisläufen verbaut. Die Dosen liegen draußen in wasserdichten Boxen, alles hat seine Ordnung. Larifari geht gar nicht. Mittels Kabelbindern, Haken und Drähten bringt der gelernte Fernmeldemechaniker die Lichter an die richtige Stelle. Nirgends reicht eine Kette nicht ganz an irgendein Ende heran. Da nimmt es also einer genau und weil das so ist, begann er in diesem Jahr auch schon am 10. Oktober mit dem Aufbau. Für die „Einschaltung“ (immer) am Freitag vorm ersten Advent gibt es ein Zeremoniell. Freunde kommen, es gibt Glühwein und Bratwurst – und die ersten Zaungäste sind da. So ist‘s recht, „die Leute sollen sich ja freuen“. Das machen sie auch. Jeden Tag halten Leute an oder fahren zumindest langsam. Manche kommen mit Stativ an, um gute Aufnahmen zu machen. Regelmäßig kursiert das Haus bei Facebook und an Weihnachten wünschen sich Kinder, die in Osterburg zu Besuch sind, dass sie wieder „zu dem Haus“ gehen können. „Heiligabend ist hier richtig was los.“ Viele Besucher wissen, was neu ist, versichern sich nochmal bei Frickes, wenn diese gerade draußen sind. Und Kinder schauen ohnehin genau: „Sie glauben, hier wohnt der Weihnachtsmann.“ Als Frickes einmal an Heiligabend gerade Bescherung hatten und der Weihnachtsmann das Haus verließ, sagte ein Kind zu seiner Mutter „siehste, hab ich doch gesagt“. Spätestens der noch recht neue aus dem Fenster winkende Weihnachtsmann muss doch nun der Beweis sein.

Manche Besucher stecken aus Dank für den Lichterzauber einen Euro in die fest verankerte Spendendose. „Da freuen wir uns.“ Denn der Spaß aus rund 30 000 Leuchten kostet natürlich abseits der Anschaffungskosten auch Stromgeld. Aber dank LED nicht so viel, „maximal 150 Euro“. Das Haus leuchtet „nur“ abends, von 16.30 bis 22 Uhr. Und bis zum 5. Januar. Dann wird wieder abgebaut, sieben Wochen lang. Samt Trocknungszeiten und Zurückfuddeln der Leuchtobjekte in ihre Originalverpackungen. „Nur so geht es.“ Und so soll es bleiben. Als Frickes Tochter verstorben war, hatten viele Bange, dass sie „damit“ aufhören. Aber dann war zum Glück doch wieder „Einschaltung“.

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