Werben l Der Name des Cafés steht noch nicht fest, aber das soll sich schleunigst ändern. Die Speisekarten müssen entworfen werden, Schilder bemalt. Der Arbeitstitel Biedermeier-Café würde es nicht ganz treffen, sagt Jochen Hufschmidt als Vorsitzender des Arbeitskreises Werbener Altstadt (AWA). Das Café werde in seinem Stil zwar an die Biedermeier-Zeit angelehnt sein, wovon schon einiges Mobilar auf der Baustelle zeugt, „aber wir sind ja kein Biedermeierverein“. Sondern ein Heimatverein, der in seinem Bemühen um den Erhalt und die Sanierung auch der fast 300 Jahre zählenden Alten Schule Werben schon sehr weit gekommen ist. So möge im Namen auch das abzulesen sein, worum es in diesem Falle geht: die Alte Schule. Gehen die Werbener und ihre Gäste vielleicht bald ins „Schulcafé“?

So überlegte Jochen Hufschmidt gestern in dem Fachwerkbau zu Füßen von St. Johannis. Gemeinsam mit Irmgard Gellerich, die vom AWA nach Paragraph 30 des Bürgerlichen Gesetzbuches als „Vertreter mit besonderen Aufgaben“ benannt wurde. Soll heißen: Das Café in der Alten Schule wird zunächst ehrenamtlich vom Verein selbst geführt. Saisonal, in diesem Jahr ab Pfingsten bis September, angedacht donnerstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr. Im nächsten Jahr soll es bereits früher eröffnen. Der AWA kommt seinem Ziel von der Revitalisierung der Alten Schule als einem Multifunktionshaus mit Café, Ausstellungen und Veranstaltungen, Vereinsdepot und einer kleinen Gästewohnung wieder ein Stück näher. „Es soll ein Treffpunkt für Werbener und ihre Gäste sein“, sagt Irmgard Gellerich. Die Einnahmen des Cafés helfen dann genau wie die Eintrittspenden von den Biedermeier-Märkten dabei, die teils hohen Eigenanteile an den Förderungen für die noch anstehenden Sanierungen zu decken.

Aber zum Café. In der Küche stehen schon alle notwendigen Geräte, wenn auch noch nicht am richtigen Platz. Im Schulcafé wird es neben Kaffee und Kuchen auch Eis und kleinere herzhafte Angebote geben. So regional wie möglich sollen die Produkte sein, „also Bananentorte kann man bei uns nicht essen“. Eher Kuchen mit Stachelbeeren. Im Haus wird ein großer Gastraum eingerichtet, dazu kommen ein paar Tische im Büfettraum. Und bei gutem Wetter der Draußenbetrieb. Der AWA legt Wert auf eine liebevolle Gestaltung samt Farbkonzept. So sind aus dem An- und Verkauf etwa längst Leinen-Tischdecken gekauft, steht hier und dort schon ein Accessoire für die Dekoration bereit. Auch gerahmte alte Bilder von Werben übrigens, ob sie nun die Mannschaft des früheren Lokschuppens, die alte Fähre nach „Klein Helgoland“ oder den Rathausplatz mit der einstigen großen Eiche zeigen.

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Da die Fördergelder für die Einrichtung nicht ausreichten, spendeten Vereinsmitglieder oder gingen finanziell in Vorleistung. Schon manches mal mussten sie in zurückliegender Zeit tief durchatmen. Die Gemengelage aus Fördergelder-Abrechnungszeiträumen, fehlenden Handwerkern und Denkmalschutz ist nicht ohne. So vieles muss gleichzeitig gemacht werden und manchmal der fünfte Schritt vor dem ersten. Aber man kämpfe sich durch. Das Geschirrklappern auf dem Kirchplatz mit gutem Kaffee und einem tollen Stück Torte dazu ist einfach zu verlockend.

Dass das Café zunächst vom Verein selbst betrieben und nicht verpachtet wird, habe noch eine ganz andere Bewandnis: Bauabschnitt 3, die Fassadensanierung samt neuen Fenstern steht unmittelbar bevor. Die Maßnahme kostet nochmal rund 100.000 Euro, gestemmt über Leader-Gelder, eine Förderung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und wiederum Eigenmitteln des Vereins. Es werde durch die Bauarbeiten sicher Unterbrechungen des Betriebs geben. Und wem wolle man das zumuten? Hufschmidt: „Wir zeigen erstmal, wie das Café in unserem Sinne läuft und dann ergibt sich sicher etwas.“