Osterburg l „Wer hätte das gedacht? 20 Jahre!“ Nico Schulz sah während seiner Ansprache nicht nur in die Gesichter seiner Amtsvorgänger. Viele treue Fans, die das breite Angebot der Lesungen, Konzerte und Veranstaltungsorte zu schätzen wissen, waren gern zur Eröffnung in den Saal des Verwaltungsgebäudes gekommen. Voller Stolz blickte Schulz auf die Entwicklung der liebevoll Olita genannten Kulturreihe, lobte Sponsoren und dankte für die Organisation: „Danke! Bitte - machen Sie weiter!“ Schon 15 Jahre sei nachweislich Lothar Jähn aus der Partnerstadt Oerlinghausen dabei, begeistert mit seiner Frau Ulrike in Kindergärten, stellte dieser fest. Literatur verbindet eben.

Glückwünsche und Urkunde für 20 Jahre Kulturarbeit überbrachte dann auch Festredner Landrat Carsten Wulfänger. Nach dessen Eintrag in das Ehrenbuch der Hansestadt Osterburg übernahm endgültig das Duo „Hand aufs Herz“ aus Schwerin den Part im Scheinwerferlicht. Während die Schauspielerin und Sängerin Jana Kühn aus dem Havelland stammt, hat Anton Kryukov seine Wurzeln in Kasachstan. Als wäre diese Mischung nicht schon spannend genug, streiften die Künstler durch Texte und Lieder aus Deutschland, Polen, Frankreich und Russland. Jana Kühn interpretierte Friedrich Holländers „Eine kleine Sehnsucht“, Hildegard Knefs „Wenn die Welt zu ändern wär‘ “, Kruytov preschte über sein russisches Knopf­akkordeon, dass der Saal nur so tobte. Russischer Tango? Aber gerne doch! Sogar Georg Friedrich Händels Oper „Xerxes“ ließ er kurz auf seinem Bajan erklingen.

„Einmal sollte man seine Siebensachen fortrollen, Konfession und Stand verlassen und das Leben schwänzen... Einmal müsste man... siehe oben.“ Jana Kühn nahm die Zuhörer mit, teilte den Liebesschmerz einer Edith Piaf genauso rührend und stolz wie den einer Mascha Kaléko, lädt süffisant zu sieben Wochen altem Borschtsch mit Wodka und gipfelte in einem Kracher, den so bald keiner vergisst: „Wenn die Sonja russisch tanzt, ist man gleich verliebt, sogar der Vladimir, das alte Trampeltier, lässt den Wodka stehn, nur um sie anzusehn. Wenn die Sonja russisch tanzt, brüllt der ganze Saal!“ Und man mag es kaum glauben, aber der Saal in Osterburg brüllte tatsächlich. Was für ein Auftakt!

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