Osterburg l Nicht nur Kunstfreunde, sicher auch Neugierige, Besucher des Stadt- und Spargelfestes hatten sich die Vernissage der neuen Sonderausstellung im Kreismuseum Osterburg am Sonntag nicht entgehen lassen. Unter dem Titel „Über uns“ stellt die gebürtige Stendalerin Anja Köhne während der nächsten sechs Wochen eine 17 Arbeiten umfassende Auswahl ihrer fotografisch festgehaltenen Himmelsbeobachtungen vor. Sie sind zum überwiegenden Teil das Ergebnis ihres vierwöchigen Stipendiums im Sommer 2016 auf dem von Monika von Puttkamer und Dr. Hejo Heussen betriebenen Kunsthof Dahrenstedt bei Stendal, das ihr das Land Sachsen-Anhalt ermöglicht hatte.

Frank Hoche, Leiter der Museen des Landkreises Stendal, würdigte die jahrelange Kooperation seines Hauses mit dem Kunsthof. „Dadurch ist es möglich, die Osterburger einmal im Jahr mit moderner Kunst zu konfrontieren“, sagte er.

Anja Köhne hat von 2005 bis 2010 ein Studium der Bildenden Kunst/Experimentelle Fotografie bei Prof. Bernhard Prinz an der Kunsthochschule in Kassel absolviert; sie lebt und arbeitet in Kassel, ist verheiratet und hat einen kleinen Sohn. Seit 2012 erhielt die Künstlerin und Fotografin, so ihre korrekte Berufsbezeichnung, acht Stipendien von verschiedenen Stiftungen. „Allein das zeugt schon von Anja Köhnes Können“, so Hoche, der ihr einen Blumenstrauß überreichte, denn sie hatte am Sonntag Geburtstag.

Viele Einzelausstellungen und Teilnahme an Gruppenausstellungen vermitteln ebenfalls einen Eindruck von ihrer Arbeit, sich außergewöhnlicher Themen und Techniken zu widmen. „Über uns“ leitet die Blicke in den nächtlichen Himmel, dem Köhne etwas Besonders abgewinnen kann. Und so sind auch ihre Himmelsbetrachtungen außergewöhnlich, und ihre Fotos animieren den Betrachter zu Assoziationen mit den Erscheinungen im Universum.

„Der Blick in den Nachthimmel“, sagte Anja Köhne, „diente den Menschen schon von je her als Mittel zur Standortbestimmung, letztendlich auch zur Selbsterkenntnis. Erfahrene Himmelgucker wissen, dass man die Bewegungsrichtung und Entfernung eines Himmelskörpers nur im Verhältnis zu anderen Gestirnen bestimmen kann.“ Was sie abbilde und hier zu sehen sei, ob Abend­glühen, Korona, Sternbilder, Tag- und Nachtgrau, Sternenstaub und anderes, wären „kein Spiegel einer wissenschaftlichen, himmelskundlichen Sichtweise, sondern ganz unobjektiv Spuren meiner idividuellen Forschung“.

Wenn sie nachts in den Himmel schaue, sei sie einfach nur fasziniert von dem, was sie nicht sehe – das Unbekannte, aus dem sich Vermutungen, Deutungen und Wahrscheinlichkeiten ergeben. Auf die Nachfrage, warum sie sich um ein Stipendium in Dahrenstedt beworben hätte, antwortete Anja Köhne: „Die Idee, vielmehr der Wunsch hier zu arbeiten, resultierte daraus, dass ich ja die Altmark kenne und weiß, dass es hier nachts recht dunkel ist, anders als in Kassel. Hier hatte ich einen ungestörten Blick in den nächtlichen Himmel und konnte den Assoziationen, die den Raum in und über meinem Kopf füllen, nachgeben.“