Beuster l „Ich weiß, das ist ein Thema, das eher wenige interessiert. Da mache ich mir keine Illusionen“, stellte Dr. Eberhard Kemnitz am Sonnabend in der St. Nikolauskirche zu Beuster fest. Und wurde schließlich doch überrascht. Seine Wanderausstellung zu Kagelwit zog etliche Geschichtsinteressierte in ihren Bann.

„Es gibt also noch einen berühmten Mann aus unserer Region neben Winckelmann“, freute sich Christa Grützmacher aus Seehausen und ließ sich das Buch signieren, das Verleger Harry Ziethen pünktlich zur Ausstellungseröffnung in Beuster herausgebracht hatte. Kagelwit wurde als Tuchmachersohn Dietrich von Poritz in Stendal geboren und hat es wie Winckelmann zu internationaler Berühmtheit gebracht.

Vorerst letzte Station

Doch der Reihe nach: Eberhard Kemnitz war mit Leib und Seele Biologie- und Chemielehrer. Nichtsdestotrotz: Alles, was mit deutsch-tschechischer Geschichte zusammenhängt, interessiert ihn brennend. „Das kam durch die Sudetendeutschen, die zu meiner Schulzeit vertrieben wurden.“ Seine Ausstellung zu Karl IV. mit 13 Stationen war letztlich eine gute Vorbereitung zu Kagelwit, denn ihre Geschichte ist eng miteinander verknüpft. Als jene Ausstellung nach Bayreuth wanderte, lockte sie innerhalb von sechs Wochen 3000 Besucher an. So viele seien zu Kagelwit nicht an einem Ort zu erwarten, mutmaßt Kemnitz im Gespräch mit der Volksstimme. 15 Jahre Vorarbeit filterte er in drei Monaten zu Schautafeln mit Bildern. Bereits 2017 war sie aus Anlass von Kagelwits 650. Todestag im Altmärkischen Museum in Stendal entstanden. Beuster ist nun nach Stendal, Parkstein, dem Kloster Lehnin und Dom zu Magdeburg die fünfte und vorerst letzte Station für die Ausstellung mit dem vielsagenden Titel „Zwischen Altmark und Avignon – Auf den Spuren des Dietrich von Poritz, genannt Kagelwit (um 1300 bis 1367)“. In diese Zeit fällt auch „Die goldene Bulle“ von 1356, die dem früheren Geschichtslehrer Karl Spanier aus Osterburg natürlich ein Begriff ist. Ehrensache, dass er sich am Sonnabend die Tafeln genauer ansah.

Buch zur Ausstellung

Verleger Harry Ziethen wurde auf Kagelwit während eines Tagungsberichtes zu einer Veranstaltung im Rahmen von „850 Jahre Hansestadt Stendal“ aufmerksam und kam mit dem 79-jährigen Kurator Eberhard Kemnitz gern ins Gespräch. Ein Buch muss her, stand für beide schnell fest. Geschichtsbewusste Spender, das Altmärkische Museum Stendal sowie die Altmärkische Bürgerstiftung machten das Unmögliche möglich. Acht Wochen später, also genau jetzt am Sonnabend lag Kagelwits Geschichte auf 72 Seiten abgedruckt zum Mitnehmen bereit für die Besucher der Nikolauskirche.

Kemnitz beschreibt Kagelwit darin als die „bedeutendste Persönlichkeit, die im Mittelalter aus der Altmark und der gesamten Mark Brandenburg hervorgegangen ist.“ Unter der Herrschaft Kaiser Karl IV. war er durch eine ungewöhnliche Karriere zu einem der reichsten und mächtigsten Männer Böhmens und schließlich des ganzen Reiches aufgestiegen.

Genügend Gründe für den Förderverein der St. Nikolauskirche, die Ausstellung einzuladen. Noch bis zum 3. Juni können nicht nur Mittelalterfans auf den Spuren Kagelwits wandeln. Anschließend wird die Biographie zusammengerollt und im Altmärkischen Museums Stendal aufbewahrt, bis sie irgendwann wieder gefragt ist.