Werben l Am Freitagabend mussten noch ein paar Stühle organisiert werden. Die Bänke reichten für die Premiere von „Freiheit in Krähwinkel“ nicht aus. Das Werbener Hoftheater hat seine treuen Fans und es werden mehr. Kein Wunder angesichts dessen, wie viel Herzblut die Männer und Frauen in die Proben und bereits in die Auswahl des Stückes stecken. Nestroys Werk hatte es ganz besonders in sich, boten sich doch viele Augenzwinker-Parallelen zwischen Krähwinkel und Werben. Jedenfalls spielte, um nur ein Beispiel zu nennen, Jochen Hufschmidt nicht umsonst den Bürgermeister. Sagt dieser doch am Ende des Stückes, da die Freiheit aus Wien auch den Krähwinkler Absolutismus erstickt: „Widerspenstiges Krähwinkel – such‘ dir einen anderen Bürgermeister...“ Das Publikum brüllte, das kam ihm irgendwie bekannt vor. Köstlich auch die Ironie bezüglich des Beamtenwesens, „das Stück ist erstaunlich modern“, so Elisabeth Gellerich, die darin als Ultra die Freiheit nach Krähwinkel bringt. Ein Riesenlob von Renate und Wolfgang Hampel: „Man kann den Schauspielern allein an der Mimik ansehen, was Sache ist, das ist großartig.“ Wie sie es schaffen, dazu noch diese gestelzten Texte einzustudieren, fragten sich mehrere Besucher.

Atmosphäre so wunderbar

Wegen der Sanierungsarbeiten an St. Johannis hatte der Sommermarkt einen etwas anderen Aufbau als sonst. Das Rezept blieb aber das selbe: Schnuckelige Handwerksstände plus ausgefallenes Essen, Kultur abseits der Spur und viel Liebe zum „biedermeierlichen“ Detail. Eine Mischung, die zum wiederholten Male auch Silke und Horst Heuer aus Pinneberg sowie Barbara Meichner aus Hamburg nach Werben lockte. Sie lieben die kleine Hansestadt und sie lieben die Biedermeier-Märkte. „Dieses Ursprüngliche, die Atmosphäre, sie ist wunderbar. Ich hoffe, dass der Markt so bleibt und nicht eines Tages kaputt reglementiert wird“, so Silke Heuer. Für ihre Freundin Barbara ist der Markt gar „der schönste, den ich je gesehen habe“. Die Hamburgerin ließ sich nicht lumpen, setzte sich auf eine der Laufmaschinen von Lars Krämer und befand: „Das geht erstaunlich gut.“

Führungen durch die Elbstadt

Renate Splisteser aus Fallersleben bei Wolfsburg hätte sich den Markt etwas größer vorgestellt, ist aber froh, dass ihre Schwester Bärbel Conrad aus Wust sie mal nach Werben gelockt hat. In Fallersleben trage man auch ab und an alte Gewänder, „kommen sie doch auch mal zu uns“, lud sie ein, als sie mit ihrer Schwester in Schadewachten 28 zur Kaffeezeit das Dasein genoss. Irmgard und Frank Gellerich vom Arbeitskreis Werbener Altstadt (AWA), dem Haupt-Organisator des Marktes, luden auf den Hof und ins Haus. Selbiges war eine Markt-Anlaufstelle außerhalb des eigentlichen Geschehens auf dem Kirchplatz. Dazu kam das Kommandeurhaus, die Salzkirche, St. Johannis, Chocolaterie und das Hoftheater. Und eigentlich ganz Werben, denn viele Besucher nutzten die Gelegenheit auch für einen kleinen Stadtbummel. Einige unter Führung von Michael Tiehlmann, der Werben als Storchenstadt vorstellte.

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Schwarzbrand begeisterte Gäste

Papiertheater, Puppenspiel, Gottesdienst, Kutschfahrten, eine neue Ausgabe des „Biedermeier-Marktboten“, Musik von Harmonium, Akkorderon, Leierkasten und von der Gruppe „Schwarzbrand“ – das Programm war einmal mehr reich gespickt. Am Ende diente auch dieser Markt durch Spendeneinnahmen dazu, Werbens Altstadt zu erhalten. So betonte Werbens Bürgermeister Wolfgang Tacke, der sich genau wie seine Frau Gerlinde Pokladek auch in biedermeierliche Schale geworfen hatte.

Marktleiter Jochen Hufschmidt vom AWA wagte Sonntagnachmittag ein kleines Fazit: „Angesichts des Wetters können wir zufrieden sein. Die Stimmung ist gut.“