Seehausen l "Weltpremiere“, "Gipfeltreffen“, "Elefantenhochzeit“ und andere Superlative wurden für die Ankündigung des gemeinsamen Konzertes der beiden international renommierten Leipziger Vokalgruppen "amarcord“ und "Calmus“ in der Seehäuser Petri-Kirche bemüht. Seit Sonnabend wissen die rund 200 Gäste, die eine Karte des Corona-bedingt geschrumpften Budgets ergattern konnten, dass das nicht übertrieben war.

Die Organisatoren der Internationalen Meßdorfer Musikfesttage hatten es mit Hilfe der Kirchengemeinde Seehausen geschafft, nicht einfach nur irgend einen Termin der verkorksten 2020er Saison, sondern den Höhepunkt der Konzertreihe der vergangenen Jahre vor dem Aus zu retten.

Alles andere wäre ein Verlust für die Region, vor allem aber auch ungerecht gegenüber den Initiatoren um den Meßdorfer Bürgermeister Uwe Lenz und den Gladigauer Pfarrer Norbert Lazay gewesen, die beide Ensembles schon einzeln engagieren konnten und auf deren Initiative die temporäre Fusion der beiden berühmten Quintetts zurückgeht.

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Groß beschnuppern musste sich die Konkurrenz für den gemeinsamen Live-Auftritt indes nicht. Die Akteure verbindet neben dem musikalischen Geschmack und der Heimat auch ein gemeinsames Projekt. Beide Vokalgruppen haben 2019 zum 500. Jubiläum der Leipziger Disputation eine CD eingesungen, die mit dem „Opus Klassik“ ausgezeichnet wurde (wir berichteten). Diese und andere Tonträger der Ausnahmechöre waren am Rande des gut 90-minütigen Konzertes zu haben und sind ein Beleg für das breite Repertoire, das neben Kirchenchorälen auch Volkslieder, Songs aus Rock, Pop, Soul und Jazz oder Weihnachtslieder umfasst.

Den Abstecher nach Seehausen gestalteten die Sängerin und ihre neun Kollegen als „Italienische Reise“ mit Stücken aus dem Mittelalter, als der Stiefel erstrebenswertes Ziel vieler Persönlichkeiten aus Politik, Kirche und Kunst war.

Die virtuelle Tour startete im heimatlichen Mitteldeutschland, führte mit passenden Kompositionen über München und Innsbruck bis nach Venedig und zum Schluss auch in die Ewige Stadt, nach Rom. Italienische und lateinische Interpretationen wurden passagenweise moderiert. Den Text verstand das Publikum deshalb zwar nicht viel besser, konnte aber die Stimmungen der Lieder von fröhlich bis verzweifelt einordnen. Damit das jeweilige Klangbild mit den Einzelstimmen von Sopran bis Bass richtig zur Geltung kam, wechselten die Vokalisten öfter die Position untereinander oder vom Altarraum unter die Orgelempore – dabei ebenso wie das Publikum immer auf genügend Abstand bedacht.

Das Trennende fegte der kräftige Applaus des ausgedünnten Publikums beiseite, dem sehr klar war, Ohrenzeuge eines ganz besonderen Konzertes geworden zu ein, bei dem es am Ende eine untergeordnete Rollte spielte, ob man einen Platz am Kreuzgang oder auf der Orgelempore abbekommen hatte. Nach Blumen und Dankesworten an Organisatoren, Gastgeber, Helfer und die Kreissparkasse als Sponsor, ohne den das musikalische Feuerwerk nicht möglich gewesen wäre, gab es eine Zugabe, die lange in den Köpfen der Gäste nachgehallt haben dürfte.