Osterburg l Mit dem zweiten Lockdown ist das Wunschdenken von Normalität nun abermals in weite Ferne für die Gastronomen in und um Osterburg gerückt. „Wenn man realistisch denkt, wird vor März definitiv nichts passieren“, schätzt Kai Gose, Inhaber vom Hotel-Gasthof Gose in Ziegenhagen, die momentane Lage ein. Kreativität sei bei den Gastwirten gefragt, um in diesen schweren Zeiten die Existenz zu sichern.

Außer-Haus-Service

Eine Art „Überlebenskampf“ sei für Kai Gose und seinem Team das Anbieten von Speisen außer Haus. Besonders zur Weihnachtszeit ist der Gänsebraten in der Lokalität an der Bundesstraße 189 sehr gefragt. „Allein heute bereiten wir hier um die 80 Gänse zu. Das Weihnachtsgeschäft lohnt sich“, sagt Gose bei der Stippvisite der Volksstimme am Wochenende. Dennoch sei es nur ein Strohhalm, um die nächste Zeit zu überbrücken, da der Januar sowieso von je her schon kein lukrativer Monat ist.

Der 38-jährige Gastwirt konnte einen Großteil seiner Mitarbeiter bisher noch voll beschäftigen. „Gott sei Dank. Ich möchte wirklich niemanden in die Kurzarbeit schicken müssen. Aber es folgen noch einige harte Tage.“

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Zeit für Renovierung

Den Gedanken an einen Außer-Hau-Service verwarfen Bianca und Wilhelm Rehhagen nach reiflicher Überlegung indes gänzlich. Die Inhaber vom „Kanzler“ in der Biesestadt nutzen den Lockdowns für eine komplette Kernsanierung der historischen Gaststube. Vom Fußboden bis zur Decke wird alles neu, wobei der Charme, der an den Reichskanzler Otto von Bismarck erinnert, erhalten bleiben soll. „Geplant war die Renovierung vor Corona schon. Nun haben wir ja ausreichend die Zeit dafür“, sagt Bianca Rehhagen. „Einen Außer-Haus-Service bei dem Baustellendreck überall, das wäre für uns schlecht zu realisieren gewesen.“ Die Pläne dafür liegen deswegen vorerst auf Eis.

Stammkunden halten Treue

Richtig gut mit dem Außer-Haus-Service läuft es derzeit für den Gasthof Haucke, vor den Toren Osterburgs gelegen. „Die Nachfrage ist bei uns wirklich sehr groß. Wir bieten eine kleinere Karte an und können so mehr Bestellungen annehmen“, erläutert Inhaber Sven Haucke. Er betreibt mit seiner Frau Linda das Lokal am Mühlenberg. „Wir sind sehr dankbar über unsere Stammkundschaft, die uns nach wie vor die Treue hält und sogar aus dem Umland wie aus Seehausen zum Beispiel herkommt, uns sich Essen abzuholen.“

Vorteil: Weniger Abwasch

Zum Dauerbrenner zählt bei Hauckes neben Braumeisterschnitzel die Altmärkische Hochzeitssuppe. In den vergangenen acht Wochen habe das Team schätzungsweise bis zu 500 Liter Suppe zubereitet. „Ja, man muss was machen, wenn man überleben will. Jammern bringt nichts, und auf die ersehnten Hilfen sollte man sich nicht wirklich verlassen“, sagt Sven Haucke.

Wie im ersten Lockdown hat Heiko Schmeichel vom „Ratskeller“ in Osterburg nun erneut auf Außer-Haus-Service umgestellt. Und wie bei Hauckes könne sich der 60-jährige Küchenmeister ebenso auf Stammkunden stützen. „Alle, die Weihnachten hier essen wollten, holen ihr Festmenü nun ab. „Das find‘ ich toll.“ Dennoch wäre ihm ein voller Ratskeller lieber. Einziger Vorteil, witzelt Schmeichel: „Wir haben viel weniger Abwasch.“