Seehausen l Die Corona-Pandemie bringt nicht nur die Wirtschaft ins Straucheln, sie beeinflusst auch massiv das ehrenamtliche Engagement. Zum Beispiel bei der Feuerwehr. Wie wichtig das ist, wird öffentlich oft erst bei Bränden, Unfällen oder anderen Hilfeleistungen wahrgenommen. Die Moral der Truppe aufrechtzuerhalten wird indes immer schwieriger. Stadtwehrleiter Enrico Schmidt vergleicht Feuerwehrleute derzeit mit Hochleistungssportlern, die zwar Wettkämpfe bestreiten, zwischendurch aber weder Kondition, Kraft noch Technik trainieren. Da ist abzusehen, dass die Formkurve abflacht.

Einsätze nicht gefährdet

Bei den Blauröcken haben sich die Aktivitäten zwischen den Einsätzen auf ein Minimum reduziert, um das nötigste im kleinen Kreis zu besprechen oder die Einsatzfähigkeit der Technik zu gewährleisten. Schulungen sind ebenso ausgesetzt wie die wöchentlichen Dienstabende.

Bislang muss Schmidt noch keine personellen Verluste beklagen. Derzeit habe er 48 aktive Feuerwehrfrauen (6) und - männer auf der Liste. Die Tagesbereitschaft liege bei um die 16 bis 18 Kräften. Aber er befürchtet, dass es schwer wird, bei Jung und Alt irgendwann wieder Regelmäßigkeit in den dienstlichen Wochenrhythmus zu bekommen. Bitter wären Verluste bei der Jugendwehr (derzeit 16) oder beim Kindernachwuchs (15), wo der erste Tag der offenen Tür einen ordentlichen Schub gebracht hatte. Auch die Zukunft des Spielmannszuges sieht er mit gemischten Gefühlen. Dessen Aktivitäten seien mangels Auftritten und Probemöglichkeiten erst einmal ganz eingestellt worden. Bitter sei, dass auch die geselligen Runden ausgesetzt sind, die beim Zusammenhalt der Feuerwehrleute eine wichtige Rolle spielen.

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Spielmannszug spielt nicht

Einer der wenigen Lichtblicke des vergangenen Jahres war, dass sich das Einsatzgeschehen in Grenzen gehalten und es keine Großschadensereignisse gegeben habe. Bei 37 Einsätzen galt es kleine und mittlere Feuer zu löschen, 23 Mal leisteten die Blauröcke Hilfe von der Türnotöffnung über umgestürzte Bäume bis zum Beseitigen einer Ölspur. Zu Verkehrsunfällen mussten die Einsatzkräfte fünfmal ausrücken, wobei sie ein Opfer nur noch tot bergen konnten. Dazu kommen das versehentliche Auslösen von automatischen Brandmeldeanlagen, Fehlalarme und sonstige Einsätze. Zu letzteren gehörte zum Beispiel das Entfernen eines Wespennestes an der Kita Klosterschulplatz, wo Gefahr im Verzug war und nicht auf einen Imker gewartet werden konnte. Dass alle Einsätze in kleinen und Gruppen mit Schutzmaske absolviert wurden, versteht sich inzwischen von selbst.

In der 2020er Statistik finden sich übrigens auch noch fünf Brandsicherheitswachen bei Veranstaltungen in der Wischelandhalle oder die Begleitung des Tulpensonntagsumzuges wieder, weil Anfang des Jahres noch nicht die strengen Kontakteinschränkungen galten. Was übrigens auch der Grund dafür ist, dass einige Kameradinnen und Kameraden noch Qualifizierungen zu Ende bringen konnten. Auf der Habenliste kann der Wehrleiter unter anderem je fünf neue Atemschutzgeräteträger und technische Hilfeleister, vier Sprechfunker, zwei Truppführer und einen Truppmann, zwei Motorkettensägenführer oder einen Bootsführer vorweisen. Was das laufende Jahr in Sachen Ausbildung bringt, ist noch nicht abzusehen.

LF 16 über 30 Jahre alt

Neben den üblichen Ersatzbeschaffungen im laufenden Jahr erinnert Schmidt daran, dass im Gerätehaus ein Löschfahrzeug LF 16 steht, das mittlerweile über 30 Jahre auf dem Buckel hat. Dem Stadtwehrleiter, der dazu für die Verbandsgemeinde noch als hauptamtlicher Gerätewart verantwortlich zeichnet, ist schon klar, dass 2022 erst einmal Krüden an der Reihe ist. Aber dann müsse allmählich was passieren. Mit Blick auf die künftige Autobahn und mögliche Vegetationsbrände plädiert er als Ersatz für ein Tanklöschfahrzeug – zur Not auch für ein gutes, gebrauchtes.

Auch feiern muss sein

Mehr als in anderen Jahren ist es Schmidt wichtig, sich bei Kommunalpolitik und Verwaltung für die gute Zusammenarbeit zu bedanken. Was noch mehr für seine Mitstreiter in der Feuerwehr gelte. Die meisten stünden in Lohn und Brot. Um so höher müsse die Einsatzbereitschaft bei Tag und Nacht, insbesondere in Corona-Zeiten gewürdigt werden.

Apropos würdigen. Auch wenn derzeit noch keiner weiß, wo die Reise in Pandemie-Zeiten hingeht, sobald es die Bedingungen zulassen, werde es eine gemütliche Runde von Einsatzkräften, Alters- und Ehrenabteilung, Nachwuchs, Fördervereinsmitgliedern, Unterstützern und Lebenspartnern geben, bei der auch alle Ehrungen sowie Beförderungen nachgeholt werden, verspricht der Stadtwehrleiter.