Osterburg l Wann genau welche Beschränkung kam, kann der Bistro-Chef mit türkischen Wurzeln gar nicht mehr sagen. Abdullah Bilgin, von allen „Apo“ genannt, hat in Osterburg viel mitgemacht. Erst betrieb er einen Imbiss am Hilligesplatz, 2003 zog er an den Großen Markt.

27 Jahre lebt und arbeitet er nun schon in Osterburg, seiner zweiten Heimat. Von der Schließung der Gaststätten ist auch sein Bistro betroffen, die Tische bleiben seitdem verwaist. Das Essen muss abgeholt werden. „Wo soll man denn sonst noch hingehen, um Essen zu bekommen?“, fragt der Osterburger Peter Schulze stirnrunzelnd. Er holt einen Mittagssnack für sich und seine Mutter. Sonst bliebe ja nur die Tankstelle mit dem Mittagsmenu, merkt er an. „Sie können ja nicht alles dicht machen. Die kleinen Läden hier gehen doch zugrunde. Man hält sich ja an die Regeln und Abstände. Sie könnten ruhig wieder etwas aufmachen.“ Über die Medien werde ihm einfach zu viel Angst geschürt, die keine guten Nebeneffekte habe. „Toi, toi, toi, dass hier in Osterburg noch kein Fall aufgetreten ist“, sagt er erleichtert. Trotz der Hamsterkäufe.

Jessica Scheid aus Giesenslage steuert das Bistro ebenfalls an „Wir wollen uns noch ein bisschen Normalität erhalten. So kann er sein Lokal halten, und wir müssen nicht auf unser Essen verzichten.“, sagt sie. Als Medientechnologin in Kalbe/Saale muss sie in der Mittagspause unter der Woche ganz schön nach einem Imbiss suchen. Noch schwerer hat es ihr Freund Hannes Bösche aus Erxleben. Wenn er in der Woche auf Montage ist, ist die Suche nach Essen unterwegs „eine Katastrophe“. „Es muss ja weitergehen“, bemerkt er. „Ich hoffe, dass die Maßnahmen bald ein Ende haben.“

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Trotzdem er noch arbeiten kann, hat Abdullah Bilgin derzeit 60 Prozent Einbußen zu verzeichnen. Am 24. März sperrte er die Tische weg, seitdem läuft ausschließlich der Außer-Haus-Service. „Wir machen nur noch für die Kunden weiter, haben keinen Gewinn“, erklärt der 49-Jährige. Einen Antrag auf Unterstützung könne er nur stellen, wenn er ganz schließen würde. Aber das will er nicht. Seine Kunden, die den Imbiss einzeln betreten und gewöhnlich vorbestellen, könnten sich auf ihn verlassen. „Wir versuchen, alles über den Großhandel liefern zu lassen, vom Eisbergsalat bis zum Käse, um den Osterburgern nichts wegzukaufen“, erzählt der Bistro-Chef. Mitunter sei dies aber schwer, kürzlich war wieder nirgends Hefe zu bekommen.

Seine Frau Nazfan und seine drei Kinder Fatma (2005 geboren), Mohammed (2007) und Mustafa (2009) trifft es ebenfalls hart, sagt der Familienvater. Die Schule findet zu Hause statt, mit Freunden zu spielen, ist verboten, Fußball im Kreveser Verein fällt aus. „So ist es nun mal. Wir müssen alle die Regeln einhalten“, sagt der Wahl-Osterburger.

Auch wenn die Kunden vereinzelt kommen. Der Tag zieht sich, aber Bilgin ist er erleichtert, dass er nicht schließen muss. Während er den nächsten Döner vorbereitet, bittet er noch um die Übermittlung einer Botschaft: „Ich wünsche allen, dass sie gesund bleiben. Das ist das Wichtigste.“