Sandauerholz/Altenzaun l Das Finale wurde auch beim Bauabschnitt eins, der sich 600 Meter nördlich der Fähre und nach Bauplan exakt 1779 Meter gen Süden entlang der Elbe erstreckt, eingeläutet. Die massiven rund 40 Kilogramm schweren Beton-Deckwerksteine befinden sich bereits auf der wasserseitigen Böschung der Hochwasserschutzanlage. „Eine kleine Fläche am neu errichteten Hochwasserschrägpegel, der sich auf der Deichböschung befindet, muss noch verlegt werden“ sagt Projektverantwortlicher Matthias Müller vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW).

Das Ende ist in Sicht. Die Notwendigkeit der elbseitigen Böschungsbefestigung mit dem schweren Betondeckwerk ergibt sich aus der besonderen Lage des Deiches, der südlich des Pegelhauses auf einer Länge von rund 300 Meter unmittelbar an der Elbe liegt und als Schardeich bezeichnet wird, so der Fachmann. Solche schar liegenden Deiche müssen gegen Eisgang besonders geschützt werden. Insgesamt wurden im Deichbauabschnitt eins circa 150 000 Kubikmeter Boden bewegt, die zuvor aus einer Bodenentnahme in der Gemarkung Sandauerholz bereits in den Jahren 2011 und 2012 gewonnen und auf einer Lagerfläche für den Deichbau bereitgestellt wurden.

Auch beim vom LHW benannten Bauabschnitt drei vor Osterholz ist die Firma aus Bayern, die auch die Verantwortung für die Bauausführung im Deichbauabschnitt eins trägt, fast am Ziel. „Im Frühjahr sind wir mit diesen beiden Abschnitten fertig“, ist sich Müller sicher.

Wenn der Deichbauabschnitt vier bei Altenzaun im Herbst diesen Jahres seiner Bestimmung übergeben wird, ist das Gros des umfangreichen Vorhabens abgeschlossen – dann fehlt nur noch der Abschnitt Zwei bei Rosenhof, der 1,5 Kilometer lang ist, im Frühjahr europaweit ausgeschrieben wird, im Sommer startet und im Herbst 2020 das Bild des neuen Deichabschnitts komplettieren soll.

Ein Blick zurück: Es war kritisch, sehr kritisch. Bereits 2002, als Verantwortliche bereits vom Jahrhundert-Hochwasser sprachen. Die Elbe drohte die benachbarten Ortschaften zu überspülen. Der Deich hielt. Elf Jahre später, 2013, war es sogar noch dramatischer. Der Deich zwischen Altenzaun und Osterholz drohte zu brechen. Bundeswehrsoldaten, Mitglieder von freiwilligen Feuerwehren und Hunderte von freiwilligen Helfern sicherten ihn damals mit tausenden Sandsäcken. „Die Böschung war am Rutschen“ erinnert sich Matthias Müller. Dieser beginnende Grundbruch bei Osterholz bereitete große Sorgen. Einwohner mussten evakuiert werden. Nun ist der Deich nach den neuesten DIN-Normen und Standards auf Vordermann gebracht worden beziehungsweise wird es im Bereich Rosenhof noch.

Baustart war 2016 mit der Gewinnung von Deichbaumaterialien (Oberboden, Ton und Sand) aus einer Bodenentnahme bei Osterholz. Die Deichbauarbeiten folgten dann im Sommer 2017 im ersten und dritten Deichbauabschnitt. Schon damals hoffte Osterburgs Flussbereichsleiter Hans-Jörg Steingraf, dass 2020 die Arbeiten beendet sein könnten – nach aktuellem Stand wird der Zeitplan eingehalten.

Bereits nach der Hochwassersituation 2002 handelte der LHW und erhöhte die Deichkrone im Abschnitt Räbel-Altenzaun. Nun geht es noch eine Etage höher. Auf circa 60 Zentimeter wird die Krone nochmals anwachsen. „Geschuldet“ ist dieser Wert dem Bemessungshochwasser (BHW) von 7,99 Meter am Pegel Wittenberge plus der Freibordhöhe von einem Meter. Sowohl das Bemessungshochwasser als auch die Freibordhöhe wurden vom LHW als Vorgabe festgelegt. Um die Deichkronenhöhe von 8,99 Meter am Pegel Wittenberge zu erreichen, muss die vorhandene Deichkronenhöhe um rund 60 Zentimeter erhöht werden. Der Rekord liegt am Pegel Wittenberge bei 7,85 Meter, erzielt am 9. Juni 2013. Damals musste die Altstadt von Wittenberge evakuiert werden.

Solch ein Szenario wünschen sich die Einwohner der elbnahen Orte auf dem Territorium der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck und natürlich auch in anderen Regionen zukünftig nicht.

Deshalb wurden bisher circa fünf Millionen Euro in den neuen Deichkörper investiert. Er wurde nicht nur höher, sondern auch viel breiter als zuvor. Grund hierfür sind die flacheren Deichböschungen, die Anlage einer mit Betonpflaster befestigten Deichberme mit fünf Meter Breite, auf der sich der Deichverteidigungsweg befindet, und Schaffung einer elbseitigen drei Meter breiten Instandhaltungsberme. Die Deichkrone ist 3,5 Meter breit. Damit verbessern sich die Möglichkeiten zur Deichverteidigung im Hochwasserfall und Bedingungen für die erforderlichen Unterhaltungsarbeiten (beispielsweise Deichmahd, Schwemmgutbeseitigung) erheblich.

Vom Stand der Bauarbeiten machte sich in dieser Woche auch Stendals Landrat Carsten Wulfänger in Begleitung des zuständiger Flussbereisleiters Hans-Jörg Steingraf ein Bild.