Seehausen l Wo operiert wird, wird narkotisiert – egal, ob der Eingriff minimalinvasiv erfolgt oder das Skalpell großzügig zum Einsatz kommt. Und so, wie sich die chirurgischen Methoden entwickelt haben, gehen auch die Anästhesisten mit der Zeit und versuchen, nicht viel mehr zu betäuben, als unbedingt notwendig ist. Dabei gehen die Möglichkeiten der Regionalanästhesie längst über die bekannte örtliche Betäubung beim Zahnarzt, die medizinische Versorgung von oberflächlichen Verletzungen oder auch über die Spinalanästhesie, wie sie zum Beispiel bei dringlichen Kaiserschnitten praktiziert wird, weit hinaus.

Im Agaplesion Diakonie-Krankenhaus Seehausen wurde im Dienst der Regionalanästhesie deshalb inzwischen ein leistungsstarkes Ultraschallgerät angeschafft, das mit seiner hohen Auflösung feinste Strukturen im menschlichen Körper sichtbar macht. In erster Linie geht es den Teamchefärzten der Anästhesie und Intensivmedizin, Anne-Kathrin Götze und Sylke Raboldt-Werthe, um das Sichtbarmachen von Nerven, damit Narkosemittel per Injektion mit feiner Nadel nach dem Motto „so viel wie nötig, so wenig wie möglich“ exakter als bisher verabreicht und dosiert werden können.

Immer und überall wird das nicht funktionieren. Aber die Eingriffe, bei denen auf eine Vollnarkose verzichtet werden kann, habe seit der Investition erheblich zugenommen. Womit es auch weniger Komplikationen gibt, die mit einer vollständigen Betäubung von Geist und Körper verbunden sein können. Komplikationen, die durch Nebenerkrankungen (insbesondere an Herz und Kreislauf) gegeben sind, die mit der eigentlichen OP meist eigentlich nichts zu tun haben oder die einfach dem Alter und der allgemeinen Konstitution geschuldet sind. Vielen Patienten, so Sylke Raboldt-Werthe aus den Erfahrungen der Beratungsgespräche, sei gar nicht bewusst, was für ein schwerer Eingriff die Vollnarkose ist.

Anne-Kathrin Götze, die einschlägige Erfahrungen an anderen Kliniken sammeln konnte und die Einführung der Regionalanästhesie in Seehausen maßgeblich forcierte, betont dazu, dass sich der Patient während des Eingriffes artikulieren und den Grad seiner Wachheit selbst bestimmen kann, weniger Schmerzmittel benötigt werden, der Stresspegel sinkt, die Mobilität nach dem Eingriff steigt und damit das Risiko zum Beispiel für Thrombose oder gar eine Lungenembolie abnimmt.

Akzeptanz

Die Akzeptanz auf das Verfahren hat in den vergangenen Wochen offenbar zugenommen. Wobei der Patient auch nach dem Beratungsgespräch natürlich das letzte Wort hat.

Die Liste, bei denen die moderne Art der Betäubung möglich wäre, reicht am Diakoniekrankehaus bislang von minimalinvasiven Eingriffen über die Versorgung bei Arm- und Beinbrüchen bis zu Prostata-Operationen, um nur einige Beispiele zu nennen. In seiner Kompaktheit und Mobilität kann das hochauflösende Ultraschallgerät auch von anderen Abteilungen genutzt werden.