Räbel l Die Kirchengemeinde und die Verantwortlichen aus Räbel haben sich die ehrgeizige Aufgabe gestellt, die Dorfkirche unweit der Elbe umfangreich zu sanieren. „Es ist eine riesige Maßnahme, die weit über die ursprünglich gedachten Arbeiten hinausgeht“, ist Jochen Hufschmidt froh über die Sanierungskur und die damit verbundene Restauration des bedeutungsvollen Baudenkmals in Räbel. Hufschmidt, der sich viele Jahre im Gemeindekirchenrat und im Bauausschuss der Kirchengemeinde engagierte, ist mit der Historie vertraut, hielt bereits Vorträge über das Gebäude und sammelte Plakate, die auf ehemalige kulturelle Veranstaltungen in dem kleinen rechteckigen Backsteinbau hinwiesen. Dass dies wieder einmal so sein wird, hofft der Wahl-Räbeler sehnlichst.

Mittlerweile steht der erste Bauabschnitt, der sich auf den 1807 eingeweihten Turm bezieht, vor seiner Vollendung. Er erhielt wieder mehr Stabilität. „Wenn das Wetter mitspielt, dürften wir dieses Jahr noch fertig werden“, betont Marco Schönhoff, Baupfleger aus Stendal. Die Zimmermannsarbeiten beim Turmbau sind abgeschlossen. In den nächsten Tagen sollen noch Gefache ausgemauert und verputzt werden. Schließlich wurde dies alles komplett entkernt. Jede Menge Arbeiten liegen indes im nächsten Jahr noch vor den Firmen: Diese werden sich unter anderem noch dem Kirchenschiff und dem Dach widmen. Und auch der Bau einer Betonmauer gehört zum Aufgabenfeld. Das Ziel: Läuft alles nach Plan, soll die Kirche 2020 wieder belebt werden. Mit Gottesdiensten und Kultur.

Der Weg ist noch ein weiter. Und er war auch im Vorfeld für die Kirchengemeinde nicht immer leicht begehbar. Veranstaltungen wurden organisiert, um Eigenmittel anzusammeln, eine Studie wurde in Auftrag gegeben, um einen Überblick über die Schäden zu erhalten, Förderanträge wurden gestellt, um nötige finanzielle Mittel an Land zu ziehen.

Hufschmidt erinnert sich, dass die Gottesdienste, Lesungen und anderen Veranstaltungen in der Dorkirche vor acht, neun Jahren gut besucht waren. Schon damals wurde für den Erhalt dieser gespendet. Doch erst die Aufnahme der Kirche in das Hochwasserschutz-Programm des Landes nach dem Elbe-Hochwasser 2013 brachte das Projekt ins Rollen. Das Wasser drang in die Kirche ein. Die Beteiligten waren sich einig, ein umfangreiches Maßnahmepaket zu schnüren.

Die Studie nahm Dipl-Ingenieurin Katrin Wude, damals bei der Fachhochschule Potsdam, vor. Sie hat sehr detailliert die Belastungen durch Wasser und Salz nachgewiesen und legte den Verantwortlichen umfangreiches Material vor. Auch das in Auftrag gegebene Holzschutzgutachten belegte, dass es vielfältige Schäden gibt. Undichtigkeiten an den Gefachanschlüssen, an den Gebäudeecken und auch in den Nagellöchern der die Fachbauteile verbindenden Holznägel hätten zum Eindringen von Feuchtigkeit geführt und zu Schäden an den Holzbauteilen durch holzzerstörende Organismen. Es musste gehandelt werden.

Denn, auch darin waren sich alle einig, die Dorfkirche, deren Schutzheiliger St. Nikolaus ist, ist ein schutzwürdiges und historisches Denkmal. Die Quellen lassen vermuten, dass das Bistum Havelberg diese Backsteinkirche ungefähr um 1280 hat erbauen lassen, stellte Hufschmidt Nachforschungen an.

Der besondere Standort in Nachbarschaft der Elbe birgt stets die Gefahr, dass abermals Wasser das Gebäude schädigt. Quasi nur ein Schritt vom Areal der Kirche entfernt befindet sich der Deich. Deshalb entschieden sich die Verantwortlichen, im zweiten Bauabschnitt eine Wand zwischen ihm und der Kirche zu ziehen. Diese werde anschließend verblendet, um aus denkmalschutzrechtlichen Gründen wieder eine Einheit mit der Kirche herzustellen. Schönhoff geht davon aus, dass die als sogenannte Schwergewichtswand aus Beton hergestellte Mauer vom Deichfuß reichend eine Höhe von rund 1,80 Meter haben wird. Zusätzlich sollen nahe der Kirche noch zwei Brunnen inklusive Drainagen installiert werden, um eventuelles Wasser abpumpen zu können.

Gewerkelt werden soll natürlich auch im Innern: Wände, Decken, Fußboden, Fenster... Und Jochen Hufschmidt hofft auf eine im Gegensatz zu Bänken flexiblere Bestuhlung, auf denen sich die Besucher später wohlfühlen sollen. Die Lage am Deich und somit am beliebten Elberadweg würde ganz eindeutig für das Gotteshaus als offene Radwegekirche sprechen. Das hat sich die Kirchengemeinde zum Ziel gesetzt.

Inzwischen gibt es eine genaue Planung für die Errichtung einer Sitzgruppe mit Fahrradständern auf dem Deich. „Das entsprechende Areal konnte von der Gemeinde gepachtet werden“, sagt Hufschmidt. Auch die Voraussetzungen, eine Toilettenanlage anzubieten, seien gegeben. Dafür wurde die Westseite der Fläche auserkoren. Friedhof und Rastplatz sollen durch eine Bepflanzung getrennt werden.

Jochen Hufschmidt hat noch eine weitere Idee, die er noch mit dem Rat besprechen möchte: Der Ort würde sich seiner Meinung nach auch als Hörspielkirche eignen. Per Knopfdruck würden dann kleine Stücke erklingen und die Gäste erfreuen.