Pollitz l Der Wischeverein macht es seit ein paar Jahren vor, jetzt sorgt auch die Verbandsgemeinde Seehausen für Nistkästen in Größenordnungen. Gleich 50 dieser Behausungen wurden kürzlich von der Krüdener Holzwerkstatt als Kleinserie angefertigt und Ende vergangener Woche insbesondere am Verbindungsweg, der entlang des Windparks von Pollitz in Richtung Groß Garz führt, montiert. Hoffentlich noch rechtzeitig genug, um vor allem von Meisen bezogen zu werden.

Maßnahmeteilnehmer helfen beim Aufbau

Die Verbandsgemeinde Seehausen sponserte dafür das Material. Was sich aber wegen der relativ kleinen Holzmenge in sehr überschaubarem Rahmen hielt. Zumal noch der Seehäuser Dachdeckerbetrieb Bensch entsprechendes Blech sponserte, das die Vogelwohnungen vor Regen schützen und so zu einer langen Nutzungsdauer verhelfen soll. Die Montage und das Anbringen der Holzkästen lief oder läuft unter der Regie der Umwelt- und Landschaftssanierung GmbH Beetzendorf im Rahmen einer Fördermaßnahme, bei der Alandbürgermeister Hans-Joachim Hildebrandt als Projektbetreuer tätig ist.

Und als Oberhaupt der Gemeinde Aland ließ er auch wissen, dass seine Kommune und die Stadt Seehausen jeweils für sich 50 Nistkästen geordert haben. Wobei er ebenso wie Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth die anderen Kommunen ermuntert, dem Beispiel zu folgen. Und zwar aus doppeltem Grund.

Bilder

Dass die Nisthilfen in einer vergleichsweise aufgeräumten Landschaft der Natur auf die Sprünge helfen können, leuchtet ein. Dass die Vogelwohnungen den Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner unterstützen können, ist indes noch eine relativ neue Idee.

Bürgermeister ermuntern andere zum Mitmachen

Bislang gingen die Experten immer davon aus, dass die gefräßigen Raupen im Gegensatz zu den ausgewachsenen Faltern wegen ihrer Brennhaare nur wenig natürliche Feinde haben – abgesehen von ein paar Insektenarten und diversen Parasiten.

Inzwischen ist aber bekannt, dass vor allem Blau- und Kohlmeisen die Raupen des Eichenprozessionsspinners zum Fressen gern haben. Im dritten Stadium, wenn die Insekten ab Anfang Mai ihr Haarkleid mit dem allergenen Po­tenzial ausbilden, verweigern zwar auch die Meisen die Nahrung. Aber davor sollen die Raupen durchaus Bestandteil des Speiseplans sein.

Die ersten Beobachtungen, die das untermauern, wurden in den Niederlanden gemacht. Schon im vergangenen Jahr investierten die ersten deutschen Kommunen in großen Stückzahlen in Meisenkästen. Entweder, um sie selbst – im wahrsten Sinn des Wortes – an Brennpunkten anzubringen. Oder um sie Anwohnern in Gegenden mit hohen Eichenanteil kostenlos zur Montage an den Bäumen zu überlassen.

Wirkung setzt sicher nicht schlagartig ein

Dass man von Knall auf Fall keine Überraschungen erwarten darf, ist Rüdiger Kloth auch klar. Wenn überhaupt, braucht es Zeit, dass sich da etwas entwickelt. Heißt: Es müssten sich erst einmal entsprechend viele Meisen ansiedeln, die ihren Nachwuchs vor Ort großziehen wollen. Aber er betont, dass auch kleine Schritte im Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner wichtig sind. Und mit dem Groß Garzer Weg, dessen Träger die Verbandsgemeinde ist, verfügen die Verantwortlichen quasi über das, was der Wissenschaftler landläufig einen Feldversuch nennt.

Abgesehen davon soll der Kampf gegen das lästige Insekt mit den bisher üblichen Methoden zu Land und aus der Luft in diesem Jahr wie gehabt fortgesetzt werden. Die Ausschreibungen beim Landkreis Stendal laufen derzeit.