Seehausen l Herbert Köfer, der im Februar 2018 seinen 97. Geburtstag feierte, lässt einen alten Klassiker des DDR-Fernsehens auf der Bühne wieder aufleben. Die Gäste des Vielbaumer Veranstaltungszentrums „La Palma“ waren mit die ersten, die die Neuauflage der Serie „Am blauen Fenster“ am Freitagabend miterleben durften.

Der beliebte Klassiker flimmerte von 1982 bis 1990 99 Mal über die Mattscheiben und erinnerte an Höhepunkte der ostdeutschen Fernsehgeschichte, die Köfer von der ersten (1952) bis zur letzten Sendung (1991) maßgeblich mitgeschrieben hat. Adlershof hatte den Schauspieler vom Deutschen Theater für die Entwicklung des Fernsehfunks abgeworben, weil für das neue Medium vor allem vielseitige Leute gebraucht wurden.

Dass Herbert Köfer, der in Berlin-Prenzlauer Berg das Licht der Welt erblickte, ein Multitalent ist, hat er als Schauspieler, Radiomoderator, als erster Nachrichtensprecher der Aktuellen Kamera, als Sänger und Entertainer in Aufzeichnungen sowie bei Life-Sendungen oft und über einige Jahrzehnte bewiesen. Dass er mittlerweile der älteste noch aktive Schauspieler der Welt ist, bekam er schon vor einem Jahr nach entsprechender Recherche vom Rekord-Institut Deutschland (RID) attestiert.

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Ehrlich mit seinem Alter

Das und vieles mehr erfuhren die Gäste in Vielbaum, die mit dem Original-Einspieler der Fernsehserie „Das blaue Fenster“ eingestimmt wurden, bevor der Grand­sei­g­neur der deutschsprachigen Fernsehunterhaltung persönlich die Bühne betrat, um das Publikum zu begrüßen. Obwohl Köfer die 100 fest im Visier hat, präsentierte er sich fit und munter. Mit seinem Alter geht er ehrlich um. Das Autofahren überlässt er deshalb seiner Frau Heike, die mit ihm auch auf Tour geht.

Die Gäste im Saal waren alle vornehmlich in einem Alter, in dem Herbert Köfer wie heute das Daddeln auf dem Smartphone zum Allgemeinwissen gehören sollte. Eine dreiviertel Stunde plauderte Köfer über seine lange Kariere, erzählte Anekdoten und zeigte Ausschnitte aus fast 40 Jahren Fernsehgeschichte, die daran erinnerten, dass es vor einem „schärfer als die Realität“ auch mal eine Zeit gab, in der schwarz-weiß reichen musste.

Obwohl Herbert Köfer vor allem für seine komödiantische Ader („Rentner haben niemals Zeit“) bekannt ist, erinnerten die Ausschnitte auch an ernste Rollen wie „Nackt unter Wölfen“, wo er einen Nazi-Offizier spielte. Bei den Ausschnitten gab es meist ein Wiedersehen mit nicht weniger bekannten Ex-Kollegen von Herbert Köfer wie Helga Hahnemann, Eberhard Cohrs, Gerd E. Schäfer, Ave-Maria Hagen, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Ein Wiedersehen gab es nach der Pause auf der Bühne. Nämlich mit Überraschungsgast Peter Wieland. In dem Fall ein Dé­jà-vu für Köfer, aber auch für die Stammgäste im Saal. Denn der gebürtige Stralsunder gastierte vor ein paar Jahren schon einmal in der Vorweihnachtszeit in Vielbaum. Während sich Köfer noch lebhaft daran erinnern konnte, wie sich beide in jüngeren Jahren kennen lernten – natürlich auf einer Bühne – demonstrierte der Überraschungsgast, dass die Stimme auch mit 88 Jahren nicht nachgelassen hat. Mit dem Titel „Der alte Wolf“ bewies der Peter Alexander des Ostens, dass er mit seinem frühen Geburtsdatum ebenso gut umgehen kann, wie Köfer, der mit dem „Blauen Fenster“ 2019 auf Tourneé gehen will.