Seehausen l Im Jahr 2025 soll nach Überzeugung von Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Thomas Webel die Autobahn A 14 auch bei Seehausen fertig sein. Bis dahin muss sich die Verbandsgemeinde Gedanken über ein neues Industrie- und Gewerbegebiet machen, aber auch zusätzlich Rettungskapazitäten für schwere Unfälle auf der Schnellstraße schaffen.

Im Ernstfall wird es die Seehäuser Blauröcke treffen, aber auch die der Freiwilligen Feuerwehr Krüden-Vielbaum, in deren Einzugsgebiet eine Autobahnauffahrt entsteht. Dafür sollen die Einsatzkräfte um Wehrleiter Lutz Mewes mit einem modernen und leistungsfähigen Hilfe-Leistungs-Fahrzeug (HLF) ausgestattet werden. Im Idealfall wird es ein neues Auto. Die Anschaffung hat ihren Preis und will gründlich vorbereitet sein. Wie so ein HLF 20 (die Zahl steht für eine Pumpenleistung von mindestens 2000 Liter pro Minute) aussehen könnte, davon konnten sich die Krüdener Blauröcke am Mittwochabend bei einer Vorführung des Feuerwehrausstatters Magirus auf dem Hof des Seehäuser Gerätehauses überzeugen. Ein Ereignis, das nicht alltäglich ist und neben den Kameraden aus Krüden-Vielbaum auch Vertreter der Verbandsgemeindewehrleitung, des Ordnungsamtes und der Umlandorte, aber auch anderer Gemeinden anzog, die sich perspektivisch ein ähnliches Gefährt anschaffen wollen.

Das HLF, das der Ulmer Brandschutz- und Hilfeleistungsspezialist mitbrachte, ist auf einem Mercedes-Benz-Allradgestell mit 300-PS-Motor montiert, der in der Vollausrüstung allerdings auch bis zu 16 Tonnen zügig bewegen soll. Ad-Blue-Diesel ist mittlerweile ebenso Norm wie ein Automatikgetriebe. In der Preisklasse seien auch Zugmaschinen anderer Marken möglich, informierte Verkaufsberater Andreas Schick die Zaungäste zusammen mit Außendiensttechniker Ingo Pache.

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Preisklasse steht in dem Fall für fast 330 000 Euro brutto. Wobei die für den Brandschutz verantwortliche Verbandsgemeinde darauf setzt, dass es für die Neuanschaffung Zuschüsse vom Land Sachsen-Anhalt gibt.

Nach oben existieren kaum Preisgrenzen. Allerdings lassen Aufbau, Ausstattung und Bedienungskomfort nur begrenzt Raum für Sonderwünsche, von denen sich die meisten erledigen, wenn potenzielle Käufer einen Blick in das klar strukturierte und durchkonstruierte Ausrüstungssystem werfen, das Magirus serienmäßig und oft mit Details anbietet, die über den DIN-Anforderungen für Lösch- und Helfeleistungsfahrzeuge liegen.

In der besagten Klasse sind neben einer Löscheinrichtung mit 2000 Litern Wasser und einer Schaumanlage vier Pressluftatmer ebenso inklusive wie Schere, Spreizer, Hebekissen, Hochleistungslüfter, Motorsäge oder eine Unterflurpumpe für Überschwemmungen. Dazu kommen eine blendfreie LED-Beleuchtung für die Ausrüstung am und im Auto sowie Licht für den Einsatzort mit integriertem Mast, um nur einige Beispiele der Ausrüstung zu nennen, die in dem Koffer zu finden ist, der unter dem Typ „EC-Line“ vertrieben wird.

Die Kabine für die Einsatzkräfte ist direkt am Fahrerhaus angeflanscht. Das erleichtert die Verständigung unter den Blauröcken und lässt neben den ohnehin vorhandenen Dämpfungsvorrichtungen für Menschen und Technik in der Mitte der Fahrgestells noch die Trennung zum Aufbau zu, womit genug Spielraum für die Verwindung des Rahmen vorhanden ist, wenn der Lkw mit der bis zu neunköpfigen Einsatztruppe über holpriges Terrain fahren muss. Und zwar genau dort, wo die Verwindung am größten ist – in der Mitte zwischen beiden Achsen

Die serienmäßige Vollausstattung des HLF 20 ermöglicht es, viele Baugruppen oder zum Teil sogar ganze Fahrzeuge vorzumontieren. Das, so Andreas Schick, bedeute wiederum, dass sich Lieferzeiten meist auf unter zwölf Monate reduzieren, wenn nicht sogar gerade ein passender Aufbau auf dem Wunsch-Fahrgestell sozusagen ad hoc zur Verfügung steht.

Ganz so eilig haben es die Seehäuser indes noch nicht. Wenn sie eine Förderzusage bekommen und gleich mehrere Fahrzeuge für Sachsen-Anhalt über die Landesbeschaffung ausgeschrieben werden, würde sich außerdem das Mitspracherecht deutlich reduzieren.