Seehausen l Wie wehrhaft die Seehäuser bei der Verteidigung ihres Ortes im Mittelalter waren und wie oft Mauern sowie Stadttore einem Angriff standhalten mussten, lässt sich wohl kaum mehr vollständig rekonstruieren. Zumal einzig das Beustertor vollständig und die Stadtmauer nur noch rudimentär erhalten sind. Aber, dass da was gewesen sein muss, belegen auch die Zufallsfunde, die vor drei Wochen bei Bauarbeiten an der Alandbrücke an der Steintorstraße gesichert wurden (wir berichteten).

Obwohl die geplante Sanierung des Mittelpfeilers im Flussbett wegen der ergiebigen Niederschläge der vergangenen Wochen und des inzwischen zu stark angestiegenen Flusspegels verschoben werden musste, reichten doch ein paar Handgriffe am Ufer, um inzwischen das Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege aufmerksam werden zu lassen. Am bedeutendsten und am ältesten dürften die beiden Kugeln sein, die im Seehäuser Bauamt zwischengelagert wurden. Auch die Fachleute aus Halle bestätigten jetzt vor Ort, dass es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um eine Kanonen- und um eine Gewehrkugel handeln sollte. Während Kanonenkugeln aus Granit etwa im 14. Jahrhundert üblich waren, bevor die mauerbrechenden Geschosse aus Eisen hergestellt wurden, muss die Gewehrkugel nicht zwangsläufig aus derselben Zeit stammen. Die kamen auch später immer mal wieder in Mode, wenn das Blei knapp wurde. Bevorzugtes Material war einschlägiger Fachliteratur zufolge leichter zu bearbeitender Kalkstein. Überliefert ist auch, dass es Steinmühlen gab, in die die vorbehauenen Rohlinge zum Rundschleifen gegeben wurden.

So sehr die Funde vor Ort auch begeistert haben, das Landesamt strebt keine Ausgrabungen vor Ort an, hieß es auf Nachfrage aus dem Rathaus. Weshalb auch die Sanierung des Mittelpfeilers nicht gefährdet ist, wenn der Alandpegel mal wieder entsprechend gesunken sein sollte, oder sich die Auftraggeber zu einer aufwändigeren Ausführung bei höherem Wasserstand durchringen sollten. Aber: Wenn sich eine Baggerschaufel ins Flussbett oder ins Ufer graben sollte, wollen die Fachleute aus Halle trotzdem Flagge zeigen und zumindest den Aushub auf weitere Funde inspizieren.

Bilder