Seehausen l Auch der Verein der Gartenfreunde Am Ess in Seehausen braucht sich in diesen Tagen nicht über Mangel an Zulauf zu beklagen. In der ersten Jahreshälfte konnte Vereins-Chef Sven Rieger bereits neun Pachtverträge an Neueinsteiger vergeben. Natürlich herrscht schon aus demographischen Gründen immer ein Kommen und Gehen. Aber in anderen Jahren war die Zahl der Neuankömmlinge zu dem Zeitpunkt meist kaum halb so groß.

Ob der Zulauf nur an den Folgen der Corona-Pandemie festzumachen ist, kann Rieger nicht so ohne weiteres beantworten. Einige Neuzugänge waren allerdings schon Anfang des Jahres zu verzeichnen, als die aktuelle Entwicklung noch gar nicht abzusehen war. Den Wunsch nach einem Stück Freiheit und Abstand vom Alltag kann er allerdings bestätigen. Denn viele Mitglieder wohnen in der Tat in Neubaublöcken, wo sich das individuelle Platzangebot meist in Grenzen hält. Es gibt aber auch Mitglieder beziehungsweise Familien mit eigenem Häuschen und Garten. So wie die Riegers, die in der Hansestadt nur ein paar Straßen weiter ihr Domizil haben. Aber zu Hause zu- und den Garten aufzuschließen sei schon fast wie ein Kurzurlaub, schwärmt der Vereinsvorsitzende.

Mittlerweile gibt es 121 Mitglieder wie ihn, die im Norden der Hansestadt in einem Aland-Bogen ihrem grünen Hobby nachgehen, Abstand vom Alltag suchen, sich erholen und nebenbei etwas für die Selbstversorgung mit Obst oder Gemüse tun. Die Zahl der Leute, die sich auf der Anlage tummeln, ist natürlich größer, weil in der Regel nur einer der Nutzer Mitglied im Verein ist.

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Die Kleingartenfreunde verfügen über 189 Parzellen, die im Schnitt gut 300 Quadratmeter groß sind. Die meisten sind inzwischen vergeben, weil viele Mitstreiter zwei und drei Gärten bewirtschaften. So wie Riegers Stellvertreter René Arff, für den die etwa 1000 Quadratmeter weniger Last als Lust für die Feierabende, insbesondere die Wochenenden sind.

Am gefragtesten sind die Parzellen, auf denen eine Laube mit bis zu 24 Quadratmeter Grundfläche steht, die sogar Übernachtungskomfort bietet, über deren Wert sich Vorgänger und Nachfolger aber selbst einig werden müssen. Fünf dieser Grundstücke sind derzeit noch zu haben, bei den unbebauten sind es zehn. Da könnte sich der Vorstand vorstellen, Interessenten ein Jahr kostenlos auf Probe anzubieten. Plus die sieben Parzellen, die die Arbeitsfördergesellschaft Beetzendorf als Tafelgärten bewirtschaftet. Letzteres sei eine gute Sache, so Rieger, weil Bedürftige mit Lebensmitteln versorgt werden, aber auch weil die Maßnahmeteilnehmer nicht vergebene Gärten vor dem Verwildern bewahren.

Die Altersstruktur der Sparte bezeichnet Rieger als homogen, die reiche von 20 bis 90 Jahre. Die Stimmung in der Anlage sei familiär, die Rahmenbedingungen, die die Vereinssatzung und das Bundeskleingartengesetz verlangen, seien auszuhalten. Ganz wichtig: Das grüne Vergnügen ist auch für kleine Geldbeutel bezahlbar. Die Kosten für eine Parzelle bewegen sich bei deutlich unter 100 Euro pro Jahr. Da sind aber Pacht, Mitgliedsbeitrag und eventuelle nicht geleistete Arbeitsstunden schon mit verrechnet.

Seega erst 2021 wieder

Der Stromverbrauch wird individuell abgerechnet. Die Wasserversorgung geschieht in Eigenregie. Viele Gärten verfügen über einen sogenannten Flachspiegelbrunnen, der mit einer kleinen Hauswasseranlage aus dem Baumarkt betrieben werden kann.

Der Kleingartenverein existiert inzwischen 62 Jahre, in denen Höhen und Tieren durchlebt wurden. Zu den Höhen zählt, dass zum 60. Geburtstag nach 23 Jahren Pause das fast legendäre Seehäuser Gartenfest, kurz Seega, wiederbelebt und sowohl von den Hansestädtern als auch Gästen des Umlandes gut angenommen wurde. Die dritte Neuauflage scheiterte in diesem Jahr allerdings an den bekannten Corona-Auflagen.

Wer mit dem Vorstand der Kleingartenfreunde Am Ess Verbindung aufnehmen will, kann das über die Touristinfo Seehausen tun. Dort sind die Kontaktdaten hinterlegt.