Geestgottberg l Wenn die 45 Arbeitsjahre voll sind, sind sie voll. „Und man will ja die Rente auch noch ein bisschen genießen.“ Aber, ach. Scheiden tut weh, Lisa Flachsmeier machte am Tag vor Himmelfahrt, ihrem letzten Arbeitstag, in der Geestgottberger Kita „Wirbelwind“ keinen Hehl daraus. Draußen im Hof, wo Tische gestellt waren und die Sonne knallte. Wo Kuchen und Schnittchen parat standen, wo Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth Platz genommen hatte, dazu einige ehemalige Kolleginnen und das aktuelle Erzieherteam um Leiterin Petra Olschewski, Elternvertreter auch – und die Kinder. „Die werde ich am meisten vermissen.“ Da darf die Träne laufen. Denn Lisa Flachsmeier war mit Leib und Seele Erzieherin im Kindergarten, „am liebsten immer bei den ganz Kleinen“. Wen Lisa Flachsmeiner nicht alles beim Großwerden an die Hand genommen hat. „Man erlebt so Vieles mit den Kindern, die ersten Schritte, den ersten Zahn, dass sie Bauchweh haben.“ Das verbindet. Wenn die Kleinen dann groß geworden sind, selbst längst Kinder an ihrer Hand halten, rufen manche trotzdem noch „Hallo, Tante Lisa“ über die Straße. Schön.

Dabei hatte Tante Lisa, die aus Beuster stammt, eigentlich einen anderen Plan. Zumindest erlernte sie zunächst einen anderen Beruf, den der Agrotechnikerin nämlich – aber das war‘s nicht.

Nachdem Lisa Flachsmeier nach Losenrade geheiratet hatte und die Kinder da waren, ergab sich das mit der eigentlichen Berufung fast von selbst. Da es in Losenrade nur einen Erntekindergarten gab, eine saisonale Kita also, gingen auch ihre Kinder in den Kindergarten in Beuster, der damals noch auf dem Eickhof war. Für den Bustransport dorthin wurden Begleitpersonen gesucht und Lisa Flachsmeier sprang ein. Bald kamen die ersten „Helferstunden“ in der Kita dazu. Am 8. Dezember 1980 hat die junge Mutter offiziell im Geestgottberger Kindergarten angefangen. Es passte alles.

Lisa Flachsmeier machte in den 1980er Jahren ihren Erziehungshelfer, zog 1993 mit der Einrichtung vom Eickhof in das alte Schulgebäude und nahm 1996 nochmal ihren Mut zusammen, um den „staatlich anerkannten Erzieher“ zu absolvieren. „Das packste“, hatten die Kolleginnen gesagt. Und Tante Lisa hat es gepackt. Jetzt, mehr als 20 Jahre später steht die Rente vor der Tür. Ist das nicht schön?

Trick

„Schon, aber ich tue mich schwer damit.“ Wie wird sich das anfühlen? Lisa Flachsmeier greift zu einem Trick, sagt sich erstmal innerlich, sie geht nur in den Urlaub. Und ein bisschen ist es ja auch so, denn in wenigen Tagen wird sie schon das erste Mal als Vertretung auf der Matte stehen. „Aber nur hier, wo ich alles kenne. Und in Beuster vielleicht noch. Woanders würde ich es nicht mehr machen.“ Ein Abschied in Raten also. So passt es.

Über Vertretungsfälle hinaus, möchte Lisa Flachsmeier ihren früheren Kolleginnen auch gerne mit Nadel und Faden zur Seite stehen. „Wenn Kostüme zu nähen sind, ich mach‘ euch das, immer her damit“, sagte sie in die Runde. „Handarbeiten sind meins.“ Und dann ist es doch ein bisschen schön, dass dafür nun mehr Zeit da ist, ansonsten gebe es noch keinen Masterplan für die Rente.

Nein, so einen Erzieher-Job hänge man nicht so einfach an den Nagel. Auch Elke Rudloff, die als frühere Kollegin zur Verabschiedung kam, erinnert sich gut daran. 40 Jahre war sie in der Kita, ging 2006 in Rente „und ich hatte auch meine Probleme damit“. Jetzt, na klar, habe sie sich daran gewöhnt. Insofern, Tante Lisa, es wird schon werden.