Seehäuser Bürgermeister gibt historisches Dokument seinen rechtmäßigen Salzwedeler Besitzern zurück

Gerichtsbuch ist in erster Linie ein Geschichtsbuch

Von Ralf Franke

Auch wenn es sich bei dem über 60 Jahre lang verschollenen Werk um das Seehäuser Gerichtsbuch handelt, gehört es doch der Katharinen-Gemeinde Salzwedel. Und die nahm das historische Werk gestern endlich wieder in Empfang.

Seehausen l Das Seehäuser Gerichtsbuch beschäftigt seit vielen Jahren historisch interessierte Altmärker. Ist das handschriftliche Dokument, dessen ersten Seiten um 1445 beschrieben worden waren und das über rund 50 Jahre geführt wurde, doch ein Zeugnis über die Zeit vor dem 30-jährigen Krieg, in der Seehausen zu den blühenden Hansestädten noch auf Augenhöhe von Hamburg oder Lübeck gehörte.

So ermöglicht das Buch, das bislang nur als Kopie zur Verfügung stand, Einblicke in die Gesellschaft, Traditionen, Sozialstrukturen, Sprachentwicklung oder die Rechtsprechung vor über 600 Jahren, erklärte Matthias Friske, Pfarrer der Katharinen-Gemeinde Salzwedel, gestern im Seehäuser Rathaussaal. Dieses Mal allerdings mit Blick auf das Original, das vor rund sechs Wochen von Archivarin Antje Grafe quasi hoch und trocken, also relativ gut erhalten, aus dem Rathaussafe ans Tageslicht geholt werden konnte.

Original galt über 60 Jahre als verschollen

Dass ein Geistlicher aus Salzwedel und einige andere Mitstreiter aus der westaltmärkischen Kirchengemeinde ein besonderes Interesse an dem Buch haben, ist vor allem den Besitzverhältnissen geschuldet. Denn das Werk gelangte ordnungsgemäß und belegbar im 19. Jahrhundert in den Besitz der Salzwedeler, die mit über 2000 historischen Titeln eine wertvolle Sammlung besitzten. Womit das Dokument - für Historiker zugänglich - auch einen würdigen Platz bekommt. Das erkannte auch Seehausens Bürgermeister Detlef Neumann an. Der hatte letztlich den Ehrgeiz, das Dokument wieder zu finden, nach dem die Spuren von Salzwedel über eine Leihgabe in den 1950er Jahren über das Landesarchiv Magdeburg wieder zurück an den Aland führten, um es an den rechtmäßigen Besitzer zurückzugeben.

Unterstützung bekamen die Akteure durch den Vorsitzenden des Altmärkischen Geschichtsvereins, Bernhard von Barsewisch, der selbst einen großzügigen finanziellen Obolus beisteuerte und gestern weiter für Spenden (auf das entsprechende Konto der Stadt Seehausen) warb, um die Transkription des 500-Seiten-Werkes, dem offenbar nur wenige Blätter mit Grundstücksangelegenheiten fehlen, vom Potsdamer Historiker Mario Huth vollenden zu lassen. Dass die Arbeit nur mit fachlicher Hilfe möglich ist, machen sowohl die mittelniederdeutsche Wortwahl als auch die Schrift und die Schreibweise deutlich. Wenn das Werk einmal verständlich lesbar in digitaler form vorliegt, dürfte es in Seehausen viele Leser finden.