Osterburg l „Natürlich auf dem Hof. Mit ausreichend Abstand, so dass keine Ansteckungsgefahr besteht“, bemerkte der Kantor. Zum nunmehr dritten Mal war es zu dieser, wie er selbst sagt, Corona-Aktion gekommen. Corona-bedingt, denn „normalerweise sind wir in Osterburg nur noch zu zweit, alle Kinder aus dem Haus“. Im Moment läuft alles digital: Magdalena, die sonst in Hannover studiert, und Jakob, der in Dresden sein zweites Zuhause hat, besuchen Online-Seminare von ihrer Heimat aus. Alle Schreibtische sind besetzt. „Meine ganze öffentliche Arbeit liegt darnieder“, beschreibt Friedemann Lessing. Von Gottesdiensten über Flötenensemble bis hin zu den Nicolaibläsern, in Kirchen oder anderen Räumen - „es geht ja gar nichts mehr.“

„Wir wollen aber wenigstens ein bisschen was machen, für die, die keinen Besuch bekommen, die nicht in die Stadt können und sollen, weil sie zur Risikogruppe gehören“, steht für den Kantor fest. Sogleich nach der Verkündung der Ausgangssperre rief er im Osterburger Pflegeheim an und schlug einen Auftritt pro Woche vor, um den Bewohnern mit Musik Freude zu bereiten. Am 22. März war Premiere, am 28. März Zugabe und nun kürzlich schon der dritte Auftritt.

„Das ist schon eine lustige Zusammensetzung: Meine Frau Isolde spielt Cello, Jakob Trompete, Magdalena Klarinette und ich Flügelhorn“, merkte Lessing schmunzelnd an. Lustig fanden die Heimbewohner die Auftritte tatsächlich, besser gesagt: sehr unterhaltsam. „Das war ganz toll“, schwärmte Christa Muhl, „sehr schön.“ Im Dezember hatte sie noch ihren 80. Geburtstag mit ihrer Familie gefeiert. Jetzt beschäftigt sich die Osterburgerin mit Zeitunglesen, Rätseln und Fernsehen. Da sind die Auftritte eine willkommene Abwechslung. Besonders hatte sie sich über die Lieder „Im schönsten Wiesengrunde“, „König von Thule“ und „Lobe den Herrn“ gefreut. „Viele haben auch mitgesungen“, erzählte die Altenpflegerin Anke Kalkofen. Die Fenster wurden geöffnet, einige konnten auf den Balkon. Ein Dutzend Bewohner verfolgten den Auftritt von oben, während das Familienquartett auf der Insel im Hof spielte.“Sie waren alle sehr zufrieden“, so die Altenpflegerin, „und sie freuen sich auf das nächste Mal.“ Diese Zeit sei für die Älteren besonders schwer, betonte Anke Kalkofen, denn mit Masken und Handschuhen erkennen die dementen Bewohner ihre Pfleger teilweise gar nicht mehr, ihre Ordnung ist durcheinander. „Auf jeden Fall kommen wir am Ostersonnabend bei gutem Wetter wieder, sonst machen die Instrumente nicht mit“, versprach Friedemann Lessing. Christa Muhl und Anke Kalkofen freuen sich schon sehr darauf.

Bilder