Wanzer l Die ausbleibenden Niederschläge, der Dauertiefstand der Elbe und der weit abgesackte Grundwasserpegel ermöglichten dem BUND bei der weiteren Renaturierung in der Hohen Garbe bei Wanzer nämlich Erdbewegungen, die in normalen Jahren kaum oder nur schwer möglich gewesen wären, wenn der gelbe Auenlehm mit Wasser gesättigt ist.

An den guten Bedingungen für Erdarbeiten änderten bisher auch die ergiebigen Niederschläge zum Ende des alten Jahren nicht viel. Noch im Dezember beobachtete Dieter Leupold, Projektkoordinator beim BUND-Auenzentrum, an der inzwischen naturnah gestalteten Erdentnahmestelle (wir berichteten) einen sinkenden Wasserstand. Inzwischen hoffen die Naturschützer natürlich auf feuchtere Jahre, damit Landaufkauf, Flächentausch, Planungen, erste Initialpflanzungen für neue Hartholzauenwälder sowie der Einsatz von schwerer Bagger- und Transporttechnik in dem rund 420 Hektar großen Schutzgebiet nicht umsonst waren.

Vorläufiger Höhepunkt der Arbeiten war Ende 2019 das Schlitzen der alten Elbdeiche und die Anbindung teils noch vorhandener Flutrinnen und Flussarme an die Elbe, damit das Land auch bei vergleichsweise niedrigem Hochwasser regelmäßig geflutet wird, das Wasser aber auch wieder zügig abfließen kann. Denn der regelmäßige Wechsel zwischen Nässe und Trockenheit ist das, was die spezialisierte Flora und Fauna in einer lebendigen Auenlandschaft ausmacht.

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So profitieren insbesondere Amphibien, wie die seltene Rotbauchunke, aber auch viele Fisch- und Libellenarten sowie weitere an Feuchtgebiete in der Aue gebundene Arten vom Anschluss der Flutrinnen. Schwarz- und Weißstörche finden reichlich Nahrung und der Kranich im feuchten Wald geeignete Brutplätze. Aber auch für Menschen sind intakte Flussauen wichtig. Denn nur so könnten sie ihre vielfältigen Leistungen, wie Hochwasser- und Klimaschutz oder etwa ihre Reinigungsfunktion, übernehmen, so Meike Kleinwächter, die das Projekt „Lebendige Auen für die Elbe“ leitet und so wie ihre Kollegen gespannt auf die Ergebnisse der kommenden Jahre ist.

Insgesamt rund 10 000 Kubikmeter Boden wurden bisher im Dienst der biologischen Vielfalt mit Unterstützung vom Bundesamt für Naturschutz und mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt und Naturschutz zur Modellierung des Schutzgebietes vor Ort bewegt. Zumindest bei der Deichschlitzung vollendeten die Bauarbeiten zum Teil das, was Mutter Natur in den vergangenen Jahren schon begonnen hatte, als Hochwasser an den Erdwällen ihre Spuren hinterließen.

Weil sich das Wasser im Sinn der Dynamik auch schnell wieder zurückziehen kann, sollen keine negativen Auswirkungen auf den Hochwasserabfluss an der Elbe zu befürchten sein, sind sich die Fachleute einig, die auf die positive Wirkung im Sinn der Biodiversität setzten. Dass es um die Naturvielfalt schlecht bestellt ist, dürfe auch Laien nicht nur angesichts des Insektensterbens bewusst geworden sein.