Wirtschaftsförderungsausschuss besichtigt neue Biogasanlage der Agrargenossenschaft Seehausen

In Gärung: 50 Tonnen Biomasse pro Tag

Von Andreas Puls

Die neue Biogasanlage der Agrargenossenschaft Seehausen nimmt derzeit ihren Betrieb auf. Das nahm der Wirtschaftsförderungsausschuss der Verbandsgemeinde Seehausen zum Anlass, die moderne Einrichtung zur Erzeugung von regenerativer Energie zu besichtigen.

Seehausen l Eine Biogasanlage wird nicht einfach angeschaltet. Vielmehr wird sie allmählich "hochgefahren". Bis sie auf vollen Touren läuft, können Wochen bis Monate vergehen. Mitten hinein in die Anlaufphase der neuen Biogasanlage der Argargenossenschaft Seehausen fiel auch der Besuch des Ausschusses für Wirtschaftsförderung und Tourismus der Verbandsgemeinde Seehausen am Donnerstag. "Wir möchten sehen, was in unserer Region entsteht. Es gibt in der Verbandsgemeinde schon zahlreiche Biogasanlagen. Damit sind in Zukunft sicher auch Risiken für die Betreiber verbunden. Vorbildlich finde ich an der Seehäuser Anlage, dass das Krankenhaus mit Wärme beliefert wird. In vielen Fällen wird die wertvolle Wärme nicht mit genutzt", sagte der Ausschussvorsitzende Bernd Prange zum Auftakt.

Begrüßt wurden die Besucher vom Geschäftsführer der Agrargenossenschaft, Carsten Steinke. Wie der Landwirt ausführte, habe er sich schon sehr lange mit dem Thema Biogaserzeugung auseinandergesetzt. Aber es habe immer Zweifel an der Wirtschaftlichkeit gegeben.

Erst die Abwärmenutzung machte Vorhaben lukrativ

"2008 kam dann die Geschäftsführung des Seehäuser Krankenhauses auf mich zu und machte im Zusammenhang mit der bevorstehenden Umstellung der Heizungsanlage den Vorschlag, die Abwärme aus der Biogasverstromung für die Klinik zu nutzen. Die Wirtschaftlichkeitsberechnung ergab ein positives Ergebnis", so Steinke einleitend.Beide Betriebe schlossen einen Wärme-Abnahmevertrag.

Im Zuge der 2011 begonnenen Baumaßnahme auf dem Gelände der Agrargenossenschaft Vor dem Steintor wurde eine etwa 1000 Meter lange Gas-Transitleitung zum Krankenhausgelände verlegt. Dort steht ein Blockheizkraftwerk von 400 Kilowattstunden (kwh) Leistung, das in Kürze Strom erzeugen und ins öffentliche Netz einspeisen soll. Die dort entstehende Abwärme wird vom Krankenhaus genutzt. Steinke: "Es wäre auch möglich gewesen, direkt vom Betrieb aus eine Wärmeleitung zur Klinik zu verlegen. So wären jedoch Wärmeverluste entstanden. Das ist nun ausgeschlossen." Aber auch direkt an der Biogasanlage steht ein Blockheizkraftwerk - das mit 191 kwh deutlich kleiner ist als das am Krankenhaus. Auch dort wird Strom erzeugt und eingespeist. Die Abwärme wird wiederum betrieblich genutzt.

In der Biogasanlage, so Steinke, werden ausschließlich betriebseigene Rindergülle sowie selbst erzeugte Silage aus Mais, Gras und Getreideganzpflanzen vergoren.

"Geräuschpegel ähnlich dem Säuseln von Blättern"

Die "Fütterung" der Anlage mit Biomasse hat am 23. März begonnen. Der kleine Blockheizkraftmotor läuft bereits mit Biomethangas und der Motor am Krankenhaus wird demnächst in Betrieb gesetzt. Wenn die Biogasanlage mit voller Kraft läuft, können rund 4,7 Millionen Kilowattstunden Leistung im Jahr erzielt werden. Dann wird der Fermenter täglich mit 50 bis 55 Tonnen Biomasse (davon 50 Prozent Rindergülle) beschickt.

Als Abprodukt entsteht in der Anlage wertvoller, betriebseigener organischer Dünger. "Die Biogasgülle wird vernünftig ausgebracht. Es wird keine Überdüngung erfolgen. Somit ist auch die Gefahr des Botulismus nicht gegeben", zeigt sich Steinke überzeugt. Nach der Besichtigung der Anlage auf dem Gelände der Agrargenossenschaft besichtigten die Ausschussmitglieder auch das Blockheizkraftwerk am Krankenhaus. Die Frage nach der Lärmemission beantwortete Steinke folgerndermaßen: "Hier wurden besonders strenge Auflagen erteilt und baulich umgesetzt. Lediglich bis zu 35 Dezibel soll der Geräuschpegel außerhalb der Anlage betragen. Das entspricht Blätterrauschen."